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Das Einschreibungs-Paradox

Leipzigs Hochschulen verzeichnen einen Ansturm von Bewerbern – aber keine zusätzlichen Studenten

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Studieren in Leipzig erfreut sich einer nie gekannten Popularität. Die Uni vermeldet mit über 31.000 Studieninteressierten einen neuen Bewerberrekord und ein Plus von einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Auch bei der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) gingen 2011 zehn Prozent mehr Bewerbungen ein als noch vor Jahresfrist.

Verursacht wird der Ansturm unter anderem durch die doppelten Abiturjahrgänge in Niedersachsen und Bayern sowie durch die Aussetzung der Wehrpflicht. Doch scheinen die Leipziger Hochschulen ihn kaum nutzen zu können. Claus Altmayer, Prorektor für Bildung und Internationales der Uni, rechnet mit Immatrikulationszahlen lediglich auf Vorjahresniveau.

Als Grund dafür sieht er vor allem, dass sich eine große Zahl der Studenten parallel an mehreren Unis bewirbt. Eine andere Erklärung hat hingegen Pressesprecherin Susann Huster. Sie sagt, die Zahl der Studienanfänger werde sich deswegen nicht erhöhen, »weil sich die Zahl der zur Verfügung stehenden Studienplätze gegenüber dem Vorjahr nicht erhöht hat«.

Die HTWK rechnet in diesem Jahr sogar mit einem Rückgang der Studienanfängerzahlen: Die Hochschule habe in den vergangenen Jahren über ihre eigentlichen Kapazitäten hinaus immatrikuliert, erläutert Pressesprecherin Katharina Ballani. Denn dafür erhielt die Hochschule zusätzliche Mittel von Land und Bund, die jetzt weitgehend wegfallen.

Der aktuelle Bewerberansturm stellt den vom Land prognostizierten Rückgang der Anfängerzahl um 15 Prozent bis 2020 in Frage. Dieser diente bisher als wesentliches Argument, um Personal an den Hochschulen zu kürzen. Knapp 1.000 Stellen will die Landesregierung bis zum Ende der Dekade streichen. »Diese Prognosen der Staatsregierung sind nicht sehr realistisch«, sagt Altmayer. »Kurzfristig wird es zu keinem Einbruch der Immatrikulationszahlen kommen.«

Im zuständigen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sieht man unterdessen weder bei Prognosen noch Kürzungen einen Korrekturbedarf: Belastbare Zahlen gebe es noch nicht, sagt Ministeriumssprecherin Annett Hofmann. Eine Überprüfung des vorgesehenen Personalabbaus sei für 2015 geplant. Bis dahin sollen jedoch zahlreiche Stellen – 72 allein an der Uni Leipzig – vermutlich unwiderruflich gestrichen werden.

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