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Schöner sterben

Die neue Opernspielzeit startet blutig – mit dem Bestseller »Tosca«

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Erschlagen, erschossen, erstochen: Wer die aktuelle Spielzeit der Oper unter kriminologischen Ansätzen analysieren will, verliert sich schnell im Blutrausch. Die Zahl der Toten: nicht genau anzugeben. Denn es ist unklar, wie viele namenlose Statisten in »Macbeth« den Bühnentod finden werden, wohlgemerkt neben den besser bezahlten Protagonisten, denen schon Shakespeare keine Pension mehr gönnen wollte. Hier kann der Regisseur, so er denn will, ganze Hundertschaften in Kunstblut ersäufen – ohne den Sinn des Werkes auf den Kopf zu stellen.

Herrliche Zeiten also, die mit »Tosca« ihre Saison-Ouvertüre finden. Puccinis Musikdrama gehört zu jenen Stücken, die für eine Oper un-verzichtbar sein dürften. Trotzdem liegt die letzte Leipziger Inszenierung (Johannes Felsenstein) schon Jahrzehnte zurück. Eine vermeintliche Scheinhinrichtung, inszeniert vom widerlichen Scarpia (dem sogar Pazifisten den Dolch-Tod  nicht missgönnen dürften), der herzzerreißende Selbstmord der Titelfigur, all das eingebettet in eine packende Partitur voller Dramatik, Liebe, Hass und Verrat – das ist der Stoff, mit dem hoffentlich auch die Besucherzahlen wieder anziehen werden.

Spannung herrscht auch hinter den Kulissen: Wie sich das Verhältnis zwischen Chefregisseur Peter Konwitschny und dem Intendanten und Generalmusikdirektor Ulf Schirmer entwickelt, scheint völlig offen: Weiter auseinander als bei diesen Führungskräften können Theatervorstellungen nicht liegen. »Eine Aufführung muss erreichen, dass der Zuschauer das Theater als anderer wieder verlässt. Damit bilden wir Menschen«, betont Konwitschny. Und meint letztlich Belehrung. Genau diese aber will Ulf Schirmer nicht auf der Bühne sehen: »Wenn ich das Gefühl habe, ich werde belehrt oder geärgert, dann macht mich das selber wütend. Ich will stattdessen, dass ein Opernbesuch mein Lebensgefühl hebt, mich bereichert.«

Die »Tosca« des Leipziger Balletts dürfte in dieser Saison unter dem Namen »Mörderballaden« laufen. Mario Schröder nimmt sich des legendären Nick-Cave-Albums »Murder Ballads« an, einer der ganz großen Scheiben der Musikgeschichte, berühmt unter anderem wegen des Duetts »Where the Wild Roses Grow« mit Kylie Minogue. Die Ballettleitung träumt davon, einige Protagonisten des Albums zur Premiere zu holen. Geil.

»Tosca«: 15.10., 19 Uhr, Oper Leipzig
http://www.oper-leipzig.de

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