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»Wir können nicht auch noch die Mensapreise erhöhen«

Studentenwerk-Geschäftsführerin Andrea Diekhof über Haushaltskürzungen, Einsparpotenziale und die Erhöhung der studentischen Beiträge

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Die klamme Haushaltslage des Freistaates schlägt sich auch beim Leipziger Studentenwerk nieder. Um Unterkunft und Verpflegung auch künftig anbieten zu können, sieht sich die Einrichtung gezwungen, die studentischen Beiträge nicht unangetastet zu lassen. Im Interview erklärt Andrea Diekhof, Geschäftsführerin des Studentenwerks, die Situation und mit welchen weiteren Maßnahmen sie auf die Sparlage reagiert.

 

kreuzer-online: Warum ist es für das Studentenwerk unvermeidlich, die Semesterbeiträge zu erhöhen?

ANDREA DIEKHOF: Wir müssen in unseren sechs Mensen und zwölf Cafeterien für die Studierenden der sieben Leipziger Hochschulen zwei gleichzeitige stark negative Entwicklungen auffangen: Zum einen reduziert sich der jährliche Landeszuschuss zu den Verpflegungsbetrieben in 2012 gegenüber 2010 um 570.000 Euro. Zum anderen steigen im gleichen Zeitraum die Personalkosten im Bereich der Verpflegungsbetrieballein aufgrund von Tariferhöhungen um 315.400 Euro und die Stromkosten allein aufgrund von Preiserhöhungen um 75.000 Euro. Das dadurch entstehende Minus kann nicht allein durch Effizienzverbesserungen ausgeglichen werden, das ist einfach nicht machbar.

kreuzer-online: Die Zuschüsse werden von 113 Euro pro Student, die Sie 2001 noch bekamen, auf 44 Euro gekürzt. Wie begründet die Landesregierung diesen gravierenden Rückgang?

DIEKHOF: Wir haben laut sächsischem Hochschulgesetz den Auftrag der sozialen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und kulturellen Betreuung und Förderung der Studierenden insbesondere durch den Betrieb von Verpflegungseinrichtungen. Um die vergünstigten studentischen Essenspreise von im Durchschnitt 2,18 Euro pro Essen zu stützen, erhalten wir den Zuschuss vom Land. Der Freistaat begründet die aktuellen Kürzungen vor allem mit der schlechten Haushaltslage. Für die Studierenden bedeutet dies allerdings, dass im gleichen Zuge wie das Land seine Zuschüsse kürzt, die Semesterbeiträge angehoben werden mussten. So lagen die Semesterbeiträge in 2001 noch bei 27 Euro pro Student und Semester, aktuell bei 55 Euro pro Student und Semester und wir mussten jetzt aufgrund der genannten negativen Entwicklungen den Bedarf anmelden, den Semesterbeitrag auf 70 Euro zu erhöhen.

kreuzer-online: Wie hoch ist das Minus, das das Studentenwerk ausgleichen muss?

DIEKHOF: Wir sind gerade dabei, unseren Wirtschaftsplan für 2012 zu erstellen und zu versuchen, ihn so schlank wie möglich zu gestalten. Aber nach aktueller Einschätzung würden wir ohne Semesterbeitragserhöhung, von der wir hoffen, dass unser Verwaltungsrat ihr zustimmt, bei einem Minus von rund 1,4 Mio. Euro landen.

kreuzer-online: Sie sprachen davon, nach Einsparpotenzialen beim Studentenwerk zu suchen und die Effizienz zu erhöhen. Wo sehen Sie diese und wird es zum Stellenabbau kommen?

DIEKHOF: Die großen Effizienzsteigerungspotenziale wurden in der Zeit nach der Wende bereits weitgehend gehoben. In dieser Zeit wurde z.B. die Mitarbeiterzahl von anfangs über 600 auf heute rund 300 reduziert. Stellenabbau können wir jetzt nur noch dort umsetzen, wo Aufgaben weggefallen sind oder sich vereinfacht haben. Wenn Angebote aber eher ausgebaut werden müssen, weil z.B. mehr Betreuung für Studierende notwendig wird oder wenn wir aufwändigere, aber gesündere Kochtechniken umsetzen wollen, können wir nicht gleichzeitig Stellenabbau betreiben. Das Studentenwerk hat daher in 2011 verschiedene Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung ergriffen wie Auslastungssteigerungen, Optimierung des Wareneinsatzes, Reduktion der Einkaufspreise durch Ausweitung der Einkaufskooperation der ostdeutschen Studentenwerke, Schließung oder Reduktion von Öffnungszeiten bei stark defizitären Cafeterien. Allerdings reichen diese Maßnahmen nicht aus, um Kostensteigerungen und Zuschusskürzungen gleichzeitig aufzufangen. Wenn sich der Landeszuschuss nicht wieder auf ein den Fehlbetrag deckendes Niveau bewegt, müssen wir zukünftig sicherlich auch diskutieren, welche Angebote wir uns in Zukunft nicht mehr leisten wollen oder wie höhere Einnahmen zu erzielen sind. Dabei können wir aber durch die Zweckgebundenheit unserer Arbeit nur sehr eingeschränkt handeln.

kreuzer-online: Werden die Maßnahmen Beschneidungen im Service bedeuten? Und wird es neben dem Semesterbeitrag auch andere Erhöhungen geben?

DIEKHOF: Wenn die Studierenden schon mehr Semesterbeitrag zahlen müssen, der ja zum größten Teil in das Mensaessen fließt, können wir nicht gleichzeitig auch noch die studentischen Essenspreise erhöhen. Allerdings müssen wir zum Ausgleich für das, was die Studierenden zukünftig mehr an Semesterbeitrag zahlen, auch die Mensapreise für Mitarbeiter erhöhen. Was den Service betrifft hoffen wir, keine Beschneidungen vornehmen zu müssen, werden aber zukünftig bei allen Wünschen, die an uns herangetragen werden, noch genauer hinsehen müssen, ob eine Realisierung wirtschaftlich vertretbar ist.

kreuzer-online: Wie lange kann das Studentenwerk auf diese Weise seine Arbeit leisten kann und kommen neue finanzielle Hürden auf es zu?

DIEKHOF: Wir hoffen immer noch darauf, dass wir eines Tages über Zielvereinbarungen mit dem Freistaat Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum übereinkommen werden, weil wir dann nämlich wüssten, mit welchen Zuschüssen wir in Zukunft rechnen können. Wir sind überzeugt, dass das System Studentenwerk sinnvoll ist und funktioniert, wir werden jedenfalls unseren Anteil leisten, um unsere Zukunft zu sichern. Das Wichtigste bleibt aber, dass wir die Studierenden mit unseren Leistungen zufriedenstellen und ihnen auch in Zukunft dabei helfen, erfolgreich studieren zu können.

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