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Vom Politzirkus zum Vibrator

Die Filmstarts der Woche

»Sommer der Gaukler« Größeres Bild

Wer in den kommenden Tagen genug vom Weihnachtswahnsinn hat, der sollte ins Kino gehen. Der vorletzte Kinostartdonnerstag in diesem Jahr hält eine bunte Vielfalt an Geschichten bereit: von der Geburtsstunde des Vibrators zum amerikanischen Politzirkus über Sherlock Holmes auf detektivischer Spurensuche bis hin zum Sommer 1780.

Nachdem der bayerische Regisseur Marcus H. Rosenmüller im August mit dem Kommunenklamauk »Sommer in Orange« für gähnende Langeweile in den Kinosesseln sorgte, legt er im Dezember mit »Sommer der Gaukler« einen äußerst erfrischenden Unterhaltungsspaß nach. Wir befinden uns im Jahr 1780: Auf dem Weg nach Salzburg bleibt die Theatergruppe um Emanuel Schikaneder (Max von Thun als Captain Jack Sparrow-Verschnitt) mangels Geld und neuer Ideen in einem kargen Bergdorf nahe der österreichischen Grenze hängen. Dort wird gerade der Aufstand erprobt: Bergarbeiter treten gegen den geizigen Bergwerksbesitzer Paccoli (Erwin Steinhauer) an, der seine Angestellten in schlecht gesicherte Stollen schickt und täglich deren Leben aufs Spiel setzt. Als der Allgäuer Georg Vester (Maxi Schafroth) zufällig in die aufgeheizte Situation stolpert, wird er von den Kumpels zum Anführer gekürt. In dieser sich anbahnenden Revolte entdeckt Schikaneder sogleich den Stoff für eine neues, erfolgversprechendes Theaterstück. Es folgen ein witziges Verwirrspiel und heftige Turbulenzen. Rosenmüllers Freudenkino startet heute in der Schauburg.

Vom sommerlichen Alpenvorland 1780 geht es ins nasskalte England hundert Jahre später, wo die viktorianische Prüderie gerade ihren Höhepunkt erreicht. Frauen wird überschnell Hysterie diagnostiziert: Zum einen, weil man meint, das weibliche Organ sei nicht in der Lage, irgendein Lustgefühl zu empfinden. Zum anderen, weil zahlreiche vornehme Damen dennoch zu viel sexuelle Lust verspüren oder etwa unter einer unbestimmten Traurigkeit leiden. Der Frauenheilkundler Dr. Dalrymple (Jonathan Pryce) kümmert sich – im wahrsten Sinne des Wortes – händeringend um seine gutbürgerlichen Patientinnen: Mittels Intimmassage bringt er sie zum Höhepunkt und vertreibt damit zumindest vorübergehend Kummer und Sorgen. Unterstützt wird der Frauen-Experte von dem jungen und gutaussehenden Arzt Mortimer Granville (Hugh Dancy). Als dieser von Handkrämpfen geplagt wird, tut sich Mortimer mit seinem alten Freund und Wissenschaftler Edmund St. John-Smythe (Rupert Everett) zusammen. Gemeinsam leiten sie die Geburtsstunde des Vibrators ein. Angeblich auf wahren Begebenheiten basiert »In guten Händen«, so verkündet es der Abspann. Aber mal ehrlich, wer hätte gedacht, dass der Vibrator ausgerechnet im viktorianischen England erfunden wurde? Ganz egal. Tanya Wexler hat eine unterhaltsame Komödie um die vibrierende Erfindung gebastelt, die ab heute in den Passage Kinos zu sehen sein wird.

Die Cinémathèque in der naTo spürt mit dem schwedischen Dokumentarfilm »The Black Power Mixtape« der gleichnamigen Bürgerrechtsbewegung nach. In seinem Film zeigt Regisseur Göran Hugo Olsson bisher unveröffentlichtes Dokumentarmaterial des schwedischen Fernsehens und gewährt durch aktuelle Interviews mit Protagonisten von einst und heute (u.a. der Bürgerrechtler Stokely Carmichael, die Black-Panther-Gründer Bobby Seal und Huey P. Newton sowie die Black-Power-Aktivistin Angela Davis, aber auch Erykah Badu, Harry Belafonte oder Danny Glover) neue Einblicke in die Geschichte und Bedeutung der Black Power-Bewegung.

Während sich Guy Ritchie in seiner ersten »Sherlock Holmes«-Verfilmung 2009 noch Zeit nahm, die Figuren einzuführen, begibt er sich in »Sherlock Holmes: Spiel im Schatten« sofort mitten in den Fall hinein. Mr. Holmes (Robert Downey Jr.) und sein unerschütterlicher Kollege Dr. Watson (Jude Law) stürzen sich in den Kampf gegen das Böse und decken einen grausigen Komplott gegen den österreichischen Kronprinzen auf. Das rasante Hochgeschwindigkeitsabenteuer mit charmant-gewitzten Dialogen läuft heute im CineStar, Cineplex im Allee-Center und Regina-Palast an.

Bleibt noch George Clooneys neueste Regiearbeit »Tage des Verrats«. Clooney erzählt darin die Geschichte von Stephen Meyers (Ryan Gosling), einem ausgemachten Karrieretypen. Bereits mit Anfang 30 organisiert er voller Leidenschaft und Überzeugung die Wahlkampagne des US-Präsidentschaftskandidaten Mike Morris (George Clooney). Die Zeichen stehen gut für Meyers, der Vorwahlkampf läuft auf Hochtouren. Als Meyers sich heimlich mit dem Wahlkampfleiter der Gegenseite trifft und auch noch eine Affäre mit seiner Praktikantin beginnt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Gemeinsam mit einem hochkarätigen Schauspielerensemble beleuchtet George Clooney die verborgenen Mechanismen der Macht im US-amerikanischen Politzirkus und hält die Spannung bis zum überraschenden Ende.

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