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»Fahr ab, Ente«

Ein Konzertabend mit Schorsch Kamerun und der Kapelle der Selbstverwirklichung

Schorsch Kamerun und die Ente, Foto: Lukas Becker Größeres Bild

Im Umfeld der Inszenierung »Das Ende der Selbstverwirklichung« lud die Skala in die Lola Bar, die einmal ein Table-Dance-Schuppen war, jetzt hip ist und auf deren Räkelstange das Hamburger Punk-Urgestein Schorsch Kamerun am Donnerstag trommelte.

Seit Oktober letzten Jahres zeigt der Goldene Zitronen-Sänger den Selbstüberbietungsparcours als begehbare Konzertinstallation in der Skala und bietet anläßlich dessen in der Lola ein Potpourri der Songs der Inszenierung. Zusammen mit seiner Selbstverwirklichungsallstarband, die jedoch an diesem Abend »Die Ente der Selbstverwirklichung« betitelt und wenig später von Kamerun nur noch liebvoll »Ente« genannt wird.

Mit der ungewöhnlichen Instrumentierung von zwei Saxophonen, Bassklarinette, Klavier, einer weiblichen Stimme, Kameruns Sprechgesang und den grandiosen Arrangements bekommt die ausverkaufte Kaschemme Hochmusikalisches zu hören. Mit einem »Fahr ab, Ente!« stachelt er seine Band an und bekommt astreine respektvolle Spielfreude zurück. Bei dieser unkonventionellen Art zu musizieren halten die Texte, die die Band gemeinsam geschrieben hat, alles zusammen und stimmen auch die alten Goldenen Zitronen-Fans froh. Vor allem, wenn Kamerun in seiner unnachahmlichen Art »Man hat mich angestellt und nicht mehr ausgemacht« oder »Vielleicht will ich euch nicht von meiner Magenspiegelung erzählen« singt, oder davon, dass er Zweifel an Neo Rauch hege. Ein wenig peinlich, aber auch süß wird es mit dem Song über Babies, denn für Babies sei Unabhängigkeit keine Lösung, weil sie einfachen Fun wollten. Das ist schon sehr albern, aber es sei ihm erlaubt, denn Kamerun ist nah am Publikum und skandiert mehrfach sein Wissen über die Leipziger Stadtteile. Bloß als er die Lola Bar in Plagwitz lokalisiert, ruft der Wirt: »Lindenau!!!« – ein bisschen augenblickliche Selbstverwirklichung. Nach dem etwa 40minütigen Zirkus folgten die vier Leipziger von Praezisa Rapid 3000, die 1-A Live-Elektronica zauberten, auch wenn der plötzlich digitale Sound die Meute erstmal erschreckte.

Doch letztendlich ist auch das egal, schließlich steht dieser gelungene Abend im Zeichen der Selbstverwirklichung mit Kamerun als bestem Beispiel. Ein einzigartiger Kopf mit großen Ideen und dem Willen zur ständigen Neuerfindung.

»Das Ende der Selbstverwirklichung«, 20. und. 21.1., 20 Uhr, Skala

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