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Träumer, Außenseiter, Chauffeur, Spion

Die Kinostarts der Woche

Michel Petrucciani Größeres Bild

Dieser Kinodonnerstag hält vor allem Männer in Aktion parat: Hans Weingartner lässt einen brillanten Mathematiker in den Wald ziehen, Helmut Dietl inszeniert einen unmoralischen Chauffeur und Kanwal Sethi jagt seine zwei Protagonisten durch eine winterkalte Nacht in Leipzig. Bei den Dokumentarfilm-Neustarts blitzt der 1999 verstorbene Jazzpianist Michel Petrucciani im Leinwandlicht.

Als Michel Petrucciani mit vier Jahren Duke Ellington im Fernsehen sah, wollte er unbedingt das Klavierspiel erlernen. Mit 13 gibt er sein erstes offizielles Konzert. Vier Jahre später bricht er nach Kalifornien auf, um von dort aus Amerika zu erobern. Der französische Jazzpianist wurde als erster nicht-amerikanischer Künstler bei Blue Note unter Vertrag genommen. Petrucciani litt unter der so genannten Glasknochenkrankheit, liebte Alkohol, ungesundes Essen und war mehrfach verheiratet. 1999 stirbt Petrucciani mit nur 36 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits einer der bekanntesten Jazzpianisten der Welt. Anhand von Interviews mit Wegbegleitern, Livemitschnitten und Archivaufnahmen aus dem Leben des Künstlers erzählt Michael Radford in seinem Dokumentarfilm »Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit« die ungewöhnliche Geschichte dieses talentierten Musikers, der voller Lebenshunger durch die Welt eilte. »Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit« ist am 4. und 5.2. in der Kinobar Prager Frühling zu sehen.

An der Spitze des britischen Geheimdienstes wird ein Maulwurf vermutet, ein Spion im Dienste des sowjetischen KGB. Der bereits pensionierte Top-Spion George Smiley (Gary Oldman) soll diesen entlarven und kehrt deswegen zurück in den Dienst. George Smiley ist wohl der bekannteste Protagonist aus der Spionagewelt des englischen Autors John le Carré. Regisseur Tomas Alfredson hat Carrés Roman »Dame, König, As, Spion« nun in bewegte Bilder übertragen und zieht bereits in den ersten Minuten sein Publikum in diese spannungsgeladene Geschichte, die nicht nur einen Blick auf die internen Abläufe des britischen Geheimdienstes wirft, sondern zugleich die private Abkapselung und Einsamkeit seiner Top-Agenten in Augenschein nimmt. »Dame, König, As, Spion« (Kritik siehe kreuzer 02/2012) startet heute in den Passage Kinos und im CineStar.

Der neue Film von Hans Weingartner, »Die Summe meiner einzelnen Teile« (Besprechung siehe Titelgeschichte im kreuzer 02/2012) ist ein beklemmendes Psychodrama über einen brillanten Mathematiker, der nach einem psychischen Zusammenbruch auf der Straße landet. Als er sich mit dem zehnjährigen Viktor anfreundet, beschließt Martin die Hektik der Großstadt hinter sich zu lassen und zieht sich in die Wälder um Berlin zurück. Der Junge gibt ihm ein Stück innere Zufriedenheit und Ruhe zurück. Nicht nur die Geschichte vom psychisch kranken Mann auch die Ästhetik erinnert an Weingartners Erstlingswerk »Das weiße Rauschen«. Wer sich mit Weingartner auf die Suche nach dem Kind im Manne begeben möchte, sollte sich heute ein Kinokarte für die Passage Kinos besorgen. Weingartner wie auch der Hauptdarsteller Peter Schneider präsentieren den Film höchstpersönlich.

Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt »Die Kunst zu gewinnen – Moneyball« die Geschichte des New Yorker Baseball-Trainers Billy Beane, der im kalifornischen Oakland antritt und ein Team radikaler Außenseiter zu Sieg und Anerkennung führt. Die Kritik zu diesem unterhaltsamen Charakter-Drama steht in der aktuellen Ausgabe des kreuzer. Der Film von Bennett Miller (»Capote«, 2005), der hinter die Kulissen des Profi-Sports blickt, ist ab heute im CineStar zu sehen.

Am morgigen Freitag feiert in der Kinobar Prager Frühling das Leipziger Roadmovie »Fernes Land« (Kritik siehe kreuzer 02/2012) über zwei junge Männer und ihre Nacht der Abenteuer in Anwesenheit des Regisseurs Kanwal Sethi und des Produzenten Holm Taddiken Premiere. Und zu guter Letzt: Michael »Bully« Herbig ist ab heute im CineStar in Helmut Dietels neuem Film »Zettl« zu sehen. In dem »Kir Royal«-Nachfolger spielt Herbig den Chauffeur Max Zettl, der unbedingt in Berlin Karriere machen will und mir nichts dir nichts zum Chefredakteur einer neuen Online-Publikation aufsteigt. Unserem Mitarbeiter Martin Schwickert stand »Bully« vorab Rede und Antwort.

Weitere Kinofilme finden Sie hier. Viel Spaß im Kinosessel!

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