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Vom Ballsaal in den Ballsaal

Frank Heuel will wieder mehr Theater an die Schaubühne Lindenfels bringen

Frank Heuel, Foto: Ludwig Ander-Dontah Größeres Bild

Man-Power fürs Theater: Frank Heuel soll als einer von drei künstlerischen Leitern der Schaubühne den Theaterschwerpunkt verstärken. Gegenüber kreuzer-online erklärt der Regisseur des Bonner Fringe Ensembles, was er vorhat.

kreuzer: Sie kennen die Schaubühne schon länger?

FRANK HEUEL: Ich habe hier vor Ewigkeiten für das Theater Titanick inszeniert und dann haben wir mit dem Fringe Ensemble immer wieder hier gastiert, etwa mit der »Der Heiligen Johanna der Schlachthöfe«. Der Kontakt besteht also schon lange und beinhaltet eine ganz schöne Geschichte: In Bonn bespielen wir das Theater im Ballsaal und als ich das erste Mal an der Schaubühne war, habe ich gestaunt: Hier gibt es auch einen. So begann die erfolgreiche Zusammenarbeit und ich kam vom Ballsaal in den Ballsaal.

kreuzer: Wie sieht Ihre Aufgabe aus?

HEUEL: Ich kümmere mich hauptsächlich darum, dass hier wieder Theater produziert wird, mir obliegt also die künstlerische Verantwortung in diesem Bereich. Und ich werde auch die Regie übernehmen. Es geht ja auch um eine Handschrift. Erstmal ist das ein eigenes Theaterverständnis: Schauspieler und Figur sind gleichberechtigt auf der Bühne, der Schauspieler verschwindet nicht in oder hinter der Rolle. Es ist ein Spiel mit dem Material, das mir die Figur zur Verfügung gestellt hat.

kreuzer: Wird es ein Ensemble geben?

HEUEL: Ein festes Ensemble wollen wir nicht gründen, sondern eine Gruppe von Theaterleuten, natürlich Schauspieler, aber auch Bühnenbildner, Musiker etc. an die Produktionen das Hauses binden und so einen Pool schaffen, aus dem sich die jeweiligen Produktionsensembles zusammensetzen. Aufgrund der allgemeinen finanziellen Situation könnten wir ein Ensemble auch gar nicht seriös aushalten. Ich finde es künstlerisch auch spannend, sich das Umfeld in Leipzig anzuschauen. Es gibt zwar weniger Freelancer als im Raum Köln-Bonn, aber vielleicht tut sich da auch noch was und Leute bleiben nach dem Intendantenwechsel am Schauspiel hier.

kreuzer: Wie viele Produktionen sind denn jährlich geplant?

HEUEL: Zwei, aber das hängt natürlich von den Budgets ab…

kreuzer: …was ja der Grund war, warum die Schaubühne ihre schon seit mehreren Jahren geplante Schwerpunktsetzung Theater so nicht umsetzen konnte. Was hat sich an der Situation jetzt geändert?

HEUEL: Die Budgets hier wurden etwas umgestrickt, um den Bereich Bühne – es gibt ja noch die Tanz- und Performance-Abteilung – wieder ganz klar ins Zentrum des Hauses auch in der Außenwahrnehmung zu stellen. Aber der grundsätzlich interdisziplinäre Ansatz wird weiterhin bestehen bleiben, was das Haus von anderen Theatern der Stadt unterscheidbar macht. Es gibt ohnehin nicht mehr den Unterschied zwischen freien und städtischen Theatern. Es gibt kleine und große Häuser einer Stadt, die sich ihr Publikum über das Programm suchen müssen. Von daher bin ich auch auf die Neubesetzung am Schauspiel gespannt, die in meinen Augen nur gut tun kann.

kreuzer: Worum geht’s in der Auftakt-Inszenierung »29. Februar«? Das klingt sehr programmatisch.

HEUEL: Ja, mit dieser Produktion wollen wir einen Punkt setzen. Wir beginnen mit dem ersten Impuls von Theater: Einer erzählt seine Geschichte, der andere hört zu. Dadurch schaffen wir eine exklusive Grundsituation: Ein Schauspieler, ein Zuschauer. Und die Geschichte entwickelt sich in einer Art Dialog in Abhängigkeit zum jeweiligen Zuschauer. Dieser wird eine Reise durch verschiedene Situationen machen und am Ende auf der Bühne eine theatrale Zusammenführung erleben. Das soll die Bandbreite dessen, was wir in den nächsten Jahren hier vorhaben, zeigen und wird für den Zuschauer zu einem intensiven, lustvollen Erlebnis, denke ich.

kreuzer: Sie werden fortan zwischen Bonn und Leipzig pendeln. Was haben die beiden Städte gemeinsam?

HEUEL: Sie sind beide studentisch, auch wenn das auf Leipzig stärker zutrifft. Sie teilen, dass sie beide den Schauspiel-Intendanten in der übernächsten Spielzeit wechseln. Dann hört es mit den Gemeinsamkeiten auch schon auf. Leipzig ist nicht nur großstädtischer, hier gibt es auch eine Aufbruchstimmung, die in Bonn nicht vorstellbar ist. Allein, wie sich die Karl-Heine-Straße entwickelt hat. Und auch das Publikum funktioniert anders. Ich sehe hier eine große Neugierde an unterschiedlichen Theaterformen. Hier gibt es auch eine größere Mund-zu-Mund-Propaganda, die die Leute ins Haus zieht.

> »29. Februar«: 29.2., 20 Uhr, Schaubühne, http://www.schaubuehne.com

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