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Dresden ruft erneut zum friedlichen Protest

Am 18. Februar finden wieder Protestmärsche gegen Rechtsradikalismus statt

Den Naziaufmarsch zu verhindern, lautet auch dieses Jahr das Ziel. Größeres Bild

Nach den erfolgreichen Protesten vom Montag ruft das Bündnis »Dresden Nazifrei« zu einem eigenen Protestmarsch am Samstag auf. Jeder solle teilnehmen, heißt es auf der offiziellen Seite, um gegen die rechte Szene ein Zeichen zu setzen. Denn wie die Jahre zuvor werden auch die Rechten die Gelegenheit für ihren Protest zum Wochenende suchen.

Die Landeshauptstadt Sachsens rüstet sich für eine friedliche Demonstration. Mehr als fünf Kilometer – vom Hauptbahnhof, über den Albertplatz bis hin zum Haus der Begegnung im Nordwesten Dresdens – soll ab 11 Uhr demonstriert werden. Um 10 Uhr laden unterschiedliche Konfessionen zu öffentlichen Gebeten ein. Zur gleichen Zeit beginnt in der Unterkirche der Frauenkirche die Podiumsdiskussion »Gedenkkultur-Rechtsradikalismus-Gewaltprävention« mit freiem, aber beschränktem Einlass. Von 11 bis 17 Uhr folgen Mahnwachen unter dem Motto »Bunt unterwegs für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe«. Alle Veranstaltungen gipfeln um 13 Uhr in der gemeinsamen Kundgebung »Mit Mut, Respekt und Toleranz – Dresden bekennt Farbe« am Schlossplatz, initiiert durch die AG 13. Februar. Hauptredner ist der ehemalige Politiker Hans-Jochen Vogel. Zu Wort kommt außerdem Nora Lang, Überlebende des Luftangriffs vom 13. Februar 1945. Anschließend steht eine Demonstration um die Dresdner Altstadt mit Zwischenstationen und Reden bis zur Dresdner Synagoge im Programm. Eine Abschlusskundgebung bildet das Ende der Veranstaltung.

Der Trauermarsch der Rechten am vergangenen Montag lief unerwartet ruhig ab.  Die Stadt hatte allerlei aufzubieten. So standen nicht nur die Blockade-Initiatoren »Dresden Nazifrei« für den Gegenprotest auf der Matte, auch die Piratenpartei ließ sich blicken, während das Hacker-Kollektiv Anonymous rechte Webseiten blockierte. Auch die satirische Organisation »Front deutscher Äpfel« (FDÄ) schickte ein paar Mannen, um den Rechtsextremisten Paroli zu bieten. Heraus kam eine friedliche, ja fast gelassene Stimmung unter den Gegendemonstranten. Höhepunkte waren eine Menschenkette um Teile des Dresdner Stadtzentrums mit 13.000 Teilnehmern und der Rundgang »Täterspuren«, der von einzelnen Vorträgen über die nationalsozialistische Vergangenheit Dresdens durchsetzt war.

Und was blieb vom Fackelmarsch der Rechten? Um 19 Uhr setzten sich etwa 1500 Nazis am Hauptbahnhof Dresdens in Bewegung. Zwei Stunden, zwei Kilometer, ein paar Kundgebungen und Standproteste später hieß es am Hauptbahnhof Abschied nehmen. Der Gegenprotest war erfolgreich und 2012 so friedlich wie nie zuvor. Vom Selbstvertrauen beraubt wird es die rechte Szene schwer haben, sich am 18. Februar neu zu sammeln.

Die Demonstrationen gedenken der Luftangriffe vom 13. Februar 1945,  bei dem es 22.000 Opfer   zu beklagen gab. Ein gefundenes Fressen für rechte Geschichtsrevisionisten, die Täterrolle des Zweiten Weltkriegs den Alliierten zuzusprechen. Deutschland, das Opfer. Seit 1990 wuchs die jährliche Zusammenkunft zu Europas größtem Treffpunkt für Rechtsgesinnte. 2010 wurde der Marsch von 5000 Nazis durch Blockaden tausender Gegendemonstranten unterbrochen.

Demoroute: http://dresden-nazifrei.com/index.php?option=com_content&view=article&id=335&lang=de

http://13februar.dresden.de/de/veranstaltungen.php

http://taz.de/+-+-+-Ticker-Neonazi-Aufmarsch-Teil-II-+-+-+/!87579/

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Dein Kommentar

  1. leserin | 20. Februar 2012 | um 02:13 Uhr

    Schwacher Text, schon die Überschrift ist mäßig. „Dresden“ ruft… Ja, die Stadt hat ein bißchen was Verstanden von der Kritik an ihrer Gedenkpolitik, die Nazis ja nur einladen konnte. Die 5-Minuten Menschenkette am 13. war sicherlich kein Höhepunkt, großartig war, dass so viele nach der Kette zum Blockieren der Nazis gegangen sind. Und am 18. sollten alle Veranstaltungen schon im Vorfeld nicht in der Kundgebung auf dem Schloßplatz „gipfeln“. Und in der Tat waren dort nur ein paar Hanseln statt Tausender. Zur Großdemo von „Dresden Nazifrei“ riefen viele Gruppen unter dem Mobilisierungsmotto „Gegen das sächsische Demokratieverständnis und die Kriminalisierung von Antifaschismus“ auf und kritisieren auch vor Ort mit entsprechenden Transparenten eben die bundesweit in die Schlagzeilen gekommene „Sächsische Demokratie“. Selbst Zeit und Co haben die schon kritisiert, aber der kreuzer muss das wohl nicht. „Die Demonstrationen gedenken der Luftangriffe vom 13. Februar 1945“ – welche jetzt, die der Nazis, alle in Dresden? Haben nicht gerade „Dresden Nazifrei“ und „No Pasaran“ immer auch den dresdentypischen Opferkult im Blick gehabt? Schade, da hättet ihr auch ne DPA-Meldung abdrucken können oder die LVZ reinkopieren.