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Harte Kost in der Metal-Küche

Heute in Heavy Celeste: Was der Metal-Mensch so isst

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Nicht nur auf die Fresse gibt’s bei der Krach-Fraktion. Auch Lukullisches wird serviert. Und Kostproben von regionalem Frischfleisch tischen die Markleeberg Metalheadz auf.

Spätestens seit es die TV-Show »Küchenschlacht« gibt, müsste klar sein, dass es in der Kulinarik keine Gefangenen gibt. Und doch gilt metallische Musik für viele weiterhin als unappetitlich, nicht minder negativ fällt das Urteil über die Metalfans aus. Kulinarische Urteilskraft wird dem Liebhaber von Musik härterer Gangart eher nicht unterstellt. Doch dies ist ein Irrtum, wie schon die Tatsache zeigt, dass man sich in der Szene mit der Pommesgabel begrüßt. So sollen im Folgenden einige Kostproben aufgelistet werden, welche die lukullische Begeisterung dokumentieren.

»If I could I would eat chicken every day / Chicken salad, chicken steak, or chicken soufflé«, gibt sich die rumpelnde One-Man-Show namens Food Metal entschieden. Geschmacksexperimente werden hier nicht gemacht. Die dreizehn Songs der gleichnamigen Platte kreisen einzig um die Kulinarik und haben so literarische Titel wie »Bagel«, »Fries«, »All You Can Eat«. Und wütend röhrt der Solo-Herr-Gesangsverein, dass er keine Karotten in der Matza Soup duldet. Warum »Junk Food« ihre Lieblingsspeise ist, erklären Assissin und besingen Eiscreme und Schokoriegel in allen Marken, Ausführungen und Aggregatzuständen. Die in Kanada am meisten verkaufte Fertigspeise »Kraft Dinner« hat die Thrash-Götter Annihilator zum hungrigen Urschrei und -geschrammel inspiriert. Und die krawalligen Humorcore-Aktiviten von Psychostick sind ein sprudelnder Quell von Metal-Mahlzeiten. Über Koffein und mehrfach über Bier trällern sie ihre Liedchen, ihre Songs heißen »Too many Food«, »Death Burger«, »Don’t eat my Food« und »Grocery Escape Plan«. Große Poesie bezeugen sie mit »The Hunger Within«: »I wish I had a taco / With plenty of hot sauce / But all that I’ve got is / A box of crackers«. – Life is a Bitch, we know.

Fleisch in allen Varianten topft der Metal auf. Meistens handelt es sich hier um Kadaver, Zombies und der gleichen – Metal geht halt über Leichen. Und da sind auch kannibalische Kopfgeburten nicht selten. Wie jenes »dead man banquet«, das In Flames in »Food For The Gods« veranstalten. Aber es gibt auch Veganes: Der Vegan Black Metal Chef – »Hail Seitan« – hat einen eigenen Video-Kanal, auf dem er zeigt, wie man etwa Tofu-Roast-Beef macht. Mit Lederrüstung, geschminktem Gesicht und einem Waffenarsenal steht er in seiner Hexerküche und preist zu dramatischer Blastmugge Obst und Gemüse. »Cookies ist Krieg« heißt es in einem anderen Youtube-Clip, in dem Black-Metal-Kekse aus dem dämonischen Orkus in diese unheilige Welt gespukt werden. Mit Corpse Paint das Gesicht schwarz-weiß verschmiert zelebriert ein Bubenpaar das Zutatenzermantschen. Mit bloßer Hand werden rohe Eier zerquetscht, der Ofen auf gefühlte 666 Grad getunt. Muhahahaha...

Zur Kostprobe laden in ein paar Tagen auch die Markleeberger Metalheadz. In ihrem »Deathmatch« am 2. März in der Halle 5 lassen sie fünf regionale Undergroundbands gegeneinander antreten. Welche Riffs und Howls werden dem Publikum am besten munden? Zur kalten Platte, die hier gereicht wird, werden mit Lost Eternity, Decrepation, Fatal Exception, Prowler und Nebelsarg von Melodic bis Death alle Metal-Register gezogen. Mit Attacktion wird zusätzlich eine Kapelle zu hören sein, die in die Frühgeschichte des Metal hinabsteigt und reifen Käse und olle Kamelle wie Accept, Juds Preist und Queensrÿche aus dem Keller holt. Guten Hunger! Immer schön reinhauen im Leben und niemals Incubus’ Mahnung vergessen: »Cause it's true, me and you / We are all tomorrow’s food today«.

»Deathmatch«, 2.3., Halle 5, 19 Uhr, http://www.m-metalheadz.de

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