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Hört die Engelein singen!

Active Child begeistert sich und das UT Connewitz

Active Child, Foto: Timm Hergert Größeres Bild

Beim Konzert am Donnerstag im UT Connewitz zeigte sich der Mann mit der Harfe begeistert von der Location und das Publikum von ihm.

Pat Grossi ist in seiner Kindheit als Chorknabe regelmäßig in Kirchen aufgetreten. Diese Erfahrung scheint ihn und sein Elektro-R’n’B-Projekt Active Child nachhaltig geprägt zu haben: Grossi macht elektronische Musik, legt aber auch sehr viel Wert auf eine raumfüllende Akustik. Er paart Beats und Synthesizer mit einem traditionsreichen akustischen Instrument: der Harfe. Sein Falsetto- Gesang fällt oft in ungeahnte Tiefen ab, zudem pitcht er seine Stimme rauf und runter, belegt sie mit Hall und zieht alle übrigen Register der stimmlichen Klangmalerei.

Das UT Connewitz muss für den gebürtigen Amerikaner demnach die ideale Location für die Vorführung seiner Künste dargestellt haben. Schon vorab schwärmte er online von der übernatürlich guten Akustik des Lichtspieltheaters, und diese Begeisterung konnte er am Donnerstag dann auch auf das Publikum übertragen. Sein Konzert war der beste Beweis dafür, dass man sich in den seltensten Fällen durch Live-Videos auf Youtube eine gute Vorstellung von der Bühnenpräsenz eines Künstlers machen kann. Während die Lieder im Internet live zuweilen merkwürdig eindimensionale und bassarme Gebilde sind, aus denen Grossis Stimme unangenehm scharf heraussticht, klang das in Leipzig um Welten besser.

In einem professionellen Konzert zeigte der Rotschopf mit Unterstützung zweier Livemusiker (die E-Drums, Synthesizer, Bass und E-Gitarre spielten), dass seine sphärische Musik für Räume ausgelegt ist, welche die Größe eines Aufnahmestudios bei weitem übersteigen. Auch stimmlich lieferte Grossi noch ein bisschen mehr (»Hanging On«, »High Priestess«), als man von ihm schon kannte.

Ein faszinierendes Schauspiel zudem, Grossi an seiner Harfe zu erleben, nebenbei singend und mit einer Hand immer wieder an den Stimmreglern drehend. Jeder Handgriff am richtigen Platz. In einem Interview hatte er erzählt, dass er beim Aufnehmen seines Debüt-Albums »You Are All I See« nicht zu sehr darüber nachdenken wollte, wie die Stücke auf der Bühne klingen würden, da das die Musik in ihrem Stil kompromittieren würde. Fakt ist, dass sie für Live-Auftritte geradezu geschaffen ist, und in Leipzig merkte man nach der Zugabe auch, wie dankbar Pat Grossi und seine Band dafür waren, dass ihr begeistertes Publikum das auch gemerkt hatte.

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