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»Das Schrumpfen tut weh«

Bei den Buchkindern wird knapp die Hälfte aller Stellen gestrichen

Kinder machen Bücher: Buchkinder Größeres Bild

Das Ende des zweiten Arbeitsmarktes fordert seinen Tribut. Auch im Buchkinder-Verein.

Unter den Mitarbeitern des Buchkinder-Vereins wird zurzeit gern mal mit dem Lied »Zehn kleine Jägermeister« gewitzelt. Der Grund des kollegialen Galgenhumors: Der 2001 gegründete Verein muss sich in diesem Jahr personell und strukturell neu aufstellen. Allein 2012 werden bei den Buchkindern acht der insgesamt 17 Stellen ersatzlos gestrichen. Grund ist die Instrumentenreform der Bundesregierung, nach der es künftig keine AGH-Stellen, sogenannte Arbeitsgelegenheiten in der Entgeltvariante, und Kommunal-Kombi-Stellen mehr geben wird (kreuzer 11/2011). Am Ende bleiben: zwei halbe, von der Stadt geförderte, Stellen, zwei durch das Kulturamt geförderte Honorarstellen und einige 400-Euro-Jobs.

Zudem muss der Buchkinder-Verein noch in diesem Jahr seinen Hauptsitz verlegen, wobei gleich räumlich vollzogen wird, was personell schon am Laufen ist: Während derzeit auf 600 Quadratmetern Werkstattfläche gearbeitet wird, werden es bald nur noch 200 sein. »Dieses Schrumpfen tut sehr weh, vor allem weil wir ja erfolgreich arbeiten.« Birgit Schulze Wehninck, geschäftsführender Vorstand des Vereins, möchte trotz der schwierigen Situation nicht den Kopf in den Sand stecken. »Auch wenn wir es durchaus dramatischer ausdrücken könnten, versuchen wir jetzt weiterzumachen, um einen fließenden Übergang zu ermöglichen.«

Nur ein Drittel der Kinder kann noch betreut werden

Bis zu den Sommerferien sollen zunächst alle Schulkooperationen und Nachmittagskurse auch mit Hilfe von ehemaligen Mitarbeitern aufrechterhalten werden, danach werden statt 150 nur noch rund 50 Kinder ihre eigenen Bücher schreiben, gestalten und drucken lassen können. Für die zeit- und damit personalkostenintensive Betreuung, die öffentliche Stellen nicht abdecken, reicht der bunte Mix an Finanzierungsquellen des Vereins (Mitglieds- und Elternbeiträge, Stiftungen, Verkauf von Buchkinderartikeln, verschiedene Fördermittel) derzeit nicht aus. »Und selbst das Ehrenamt, das ja gesellschaftlich und politisch gewollt und gefordert wird, braucht funktionierende Strukturen«, sagt Schulze Wehninck. Dass die Buchkinder im letzten Jahr gleich zwei Mal für ihr zukunftsweisendes Engagement ausgezeichnet wurden, mutet in Anbetracht der derzeitigen Situation fast höhnisch an. Bei einem angenommenen Fehlbetrag von rund 50.000 Euro wird der Wandel hin zur kontinuierlichen und finanziell ausgewogenen Buchkinderarbeit nicht leicht sein. Doch weil nicht unbedingt derjenige überlebt, der stärker ist, sondern eher der, welcher sich an eine neue Situation anzupassen versteht, sind die Chancen gut, dass es auch in Zukunft noch Buchkinder geben wird.

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Ein Kommentar

  1. DasNetzInDir | 4. April 2012 | um 22:43 Uhr

    Miese Sache das und irgendwie Schizophren.
    Wie war das nochmal Bildung = Kapital ???

    Wurde die Thematik BuchkinderSchrumpfung schon dem Stadtrat vorgetragen, kann mir sehr gut vorstellen, dass in einer Kinderreichen Stadt wie Leipzig noch etwas dagegen unternommen werden kann.