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Schaumschlacht der Bauarbeiter

Zum Gedenken an Paul Fröhlich wurden am Fockeberg zwei Bänke eingeweiht

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Ob beim jährlichen Seifenkistenrennen, beim Badewannenrennen oder beim Neujahrssingen der Gastronomen: Paul Fröhlich stand als Entertainer und Moderator stets im Rampenlicht und prägte die freie Leipziger Kulturszene wie kein anderer. Am Dienstag wurden mit einer Performance zwei Bänke in Badewannenform eingeweiht, um an ihn zu erinnern.

Männer in orangefarbenen Bauarbeiteranzügen rennen mit Megafon herum. Etwa 150 Menschen stehen um zwei mit Schaum gefüllte Badewannen. »Wir müssen den Hang befestigen«, rufen die Bauarbeiter am Fuß des Fockebergs und rücken mit einer großen Walze und überdimensionierter Schaufel an. Die Zuschauer werden kurzerhand verpflichtet, beim Festtrampeln des Hanges zu helfen und das Absperrband für die Baumaßnahmen festzuhalten. Die Bauarbeiter schippen den Schaum beiseite und entzünden auf einer Schaufel ein Bodenfeuerwerk. Der Chor »Leipziger Picknickgesellschaft« spielt »Warum bin ich so fröhlich« und »Auf, auf zum fröhlichen Jagen«.

Paul hilft beim Kontemplieren

Paul Fröhlich, Fotos: Ludwig Ander-Donath

All das passiert nicht, um ahnungslose Jogger zu erschrecken, sondern um den Moderator und Entertainer Paul Fröhlich zu ehren. Im Sommer jährt sich sein Tod zum dritten Mal; am Dienstag wäre er 50 Jahre alt geworden. Mit der Liveperformance am Fockeberg, umgesetzt von Schauspielern des Theaters aus dem Hut und des Theater Titanick, wurden als Erinnerung an Paul Fröhlich und sein Wirken zwei Bänke eingeweiht. Sie bestehen aus an einer Seite aufgeschnittenen Badewannen, in deren Boden eine Sitzfläche aus Holz montiert ist – eine Anspielung auf das jährliche Badewannenrennen am Völkerschlachtdenkmal, das der Entertainer viele Jahre lang moderiert hat. Hier, so versichern die Männer in Orange, könne man »kontemplieren« und Paul werde »dabei helfen, alle Fragen des Lebens zu lösen«.

»Ein bisschen schräg, ein bisschen simpel eben«

Gestaltet wurden die Bänke von den Künstlern Lisa und Robert Schiller vom Theater Titanick. »Die Idee ist mehr aus dem Bauch heraus entstanden. Für Paul Fröhlich musste es einfach eine Badewanne sein. Ein bisschen schräg, ein bisschen simpel eben«, sagt Robert Schiller. Einfach war die Suche nach den passenden Wannen nicht. In Chemnitz wurden die Schillers fündig. »Wir haben echte alte, runde Wannen gesucht. In diesen hier wurde schon gebadet«, erzählen sie. An einer Probebadewanne haben sie das Aufschneiden geübt und mit Steinen und Stahl auf die Wanne eingehauen, um die Standfestigkeit des Materials zu testen.

In den Wannenboden der Gedenkbänke ist eine Sitzfläche aus Eichenholz montiert, damit das Sitzen darin nicht unbequem wird. Robert Schiller wünscht sich, dass die Bänke zum Verweilen einladen: »Man soll sich dahinsetzen. Vielleicht fällt auch einem was ein. Vielleicht redet man auch darüber, warum die Wannen da sind.« Und Lisa Schiller fügt hinzu: »Die Bank hätte Paul gefallen. Er hätte sie sicher gerne in seinem Garten gehabt.«

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