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Porn-Yes oder Porn-No?

Das Kollektiv Formlos leistet in »Porn this Way« vielfältige Körperarbeit

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Die Performance-Theater-Gruppe nimmt sich der Pornografie an, erlernt den Tanz an der Stange und stellt mit seiner neuen Produktion die richtigen Fragen.

»Buongiorno, ich guck' Porno«? – Im Netz omnipräsent, im kommunikativen Alltag oft verschämt umschifft und medial schon mal auf eine ganze Generation ausgewalzt, zeigt sich Pornografie als ein sonderbares Phänomen. Ist Porno an sich schon grenzüberschreitender Verkauf des eigenen Körpers oder nur eine andere Spielart des Zurschaustellergewerbes? Ist sie per se Unterdrückung(-sdarstellung), vor allem von Frauen? Oder gibt sie auch Mittel der Selbstermächtigung an die Hand, hat gar das Potenzial, an der hetero-bestimmten Wahrnehmung der Welt zu rütteln? Porn-Yes/Porn-No: Gibt es einen Weg zwischen diesem großen Entweder-Oder?

Das könnte man als zentralen Fragenkomplex der neuen Produktion des Kollektivs Formlos skizzieren. Die sechs jungen Frauen zwischen 22 und 26 Jahren – fünf davon auf der Bühne – machen sich daran, Zwischenwege zu erkunden zwischen absoluter Affirmation der drastischen Sexual-Darstellung und ebenso apodiktischem Verbot des Zooms auf die Geschlechtsmerkmale und untersuchen eher ein Geflecht. Dazu haben die Theaterwissenschaftlerinnen und Germanistinnen gelesen, geblättert, geschaut.

Um die Theorien von Literatur und Theater auch mal zu erproben und diese auf der Bühne praktisch werden zu lassen, haben sich die Frauen zum Kollektiv Formlos zusammengefunden.

Nach ihrer Raumerkundung »Appartement und Atelier« sowie dem Spiel mit dem Diaprojektor »Diaz: Déjà vu« will die Gruppe mit ihrer nunmehr dritten Produktion, an der sie seit rund einem Jahr arbeitet, verschiedene Stimmen zwischen Lust und Ekel in einer Porno-Performance zu Wort kommen lassen. Dabei bauen sie nicht nur die eigene Sichtweise und Erfahrungen mit in die szenische Folge ein, sondern (natürlich!) geht es auch um die allgegenwärtige Voyeursposition des Theaterzuschauers.

Und da sich diese performative Körperarbeit eben um die buchstäblich entblößte Körperarbeit dreht, haben sich die Formlos-Frauen Hilfe geholt. Mit der Leipziger Choreografin Marlen Schumann haben sie Leibesübungen unternommen, den erotischen Tanz an der Stange, den Poledance, erlernt und beim gemeinsamen Sex-Shop-Besuch einen Herrn vom DVD-Regal verscheucht. Der hätte zur Frage »Porn-Yes/Porn-No?« sicherlich ein klares Statement gehabt, bei »porn this way« obliegt die Beantwortung jeweils dem Zuschauer.

»Porn this Way«, 8./9.6., 20 Uhr, Lofft, http://www.lofft.de

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