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Das Spiel ist aus #1

Ukrainische Literaten zu Fußball und Politik – Heute: Juri Andruchowytsch

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Die glitzernden Arenen in Lwiw, Kiew, Donezk und Charkiw mögen ab heute ein paar Spiele lang ganz Fußballeuropa überstrahlen. Für die Demokratie und Opposition jedoch leuchtet der Himmel über der Ukraine nach wie vor grau in grau. Deshalb fragten wir uns: »Was denkt eigentlich das ukrainische Volk über Fußball und Politik und die EM?« Lassen wir doch an Stelle des Volkes die Stimmen des Volkes zu Wort kommen: die ukrainischen Schriftsteller, Übersetzer, Kritiker und andere Aktivisten der quicklebendigen Literaturszene des Landes. Wir baten sie, uns in ein paar Sätzen zu verraten, wie sie die Sache sehen. Und stellen Ihre Antworten in loser Folge während der EM vor.

kreuzer: Lieber Juri! Was denkt das Volk zu Politik und Fußball und zur EM?

JURI ANDRUCHOWYTSCH: »Das Volk« ist bezüglich der EM überhaupt nicht enthusiastisch. Im Moment sieht man als einzige Perspektive nur eine ähnliche wie die in Belarus: Isolation. In diesem Sinne ist es für uns mehr oder weniger egal, ob wir vor der EM oder erst danach vom Westen isoliert werden. Man hat natürlich große Angst, dass die richtigen Repressalien erst nach der EM kommen. Alle, die von der Janukowytsch-Bande genug haben, unterstützen auch deshalb den Druck, den vor allem Deutschland auf die Regierung auszuüben versucht.

Juri Andruchowytsch, *1960, Schriftsteller. Preisträger des Leipziger Buchpreises zur europäischen Verständigung; zuletzt von ihm auf Deutsch erschienen: »Perversion« (Suhrkamp, 2011)

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