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Das Spiel ist aus #2

Ukrainische Literaten zu Fußball und Politik – Heute: Irena Karpa

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Die glitzernden Arenen in Lwiw, Kiew, Donezk und Charkiw mögen ein paar Spiele lang ganz Fußballeuropa überstrahlen. Für die Demokratie und Opposition jedoch leuchtet der Himmel über der Ukraine nach wie vor grau in grau. Deshalb fragten wir uns: »Was denkt eigentlich das ukrainische Volk über Fußball und Politik und die EM?« Lassen wir doch an Stelle des Volkes die Stimmen des Volkes zu Wort kommen: die ukrainischen Schriftsteller, Übersetzer, Kritiker und andere Aktivisten der quicklebendigen Literaturszene des Landes. Wir baten sie, uns in ein paar Sätzen zu verraten, wie sie die Sache sehen. Und stellen Ihre Antworten in loser Folge während der EM vor.

kreuzer: Liebe Irena! Was denkt das Volk zu Politik und Fußball und zur EM?

IRENA KARPA: Gerade habe ich einen Visumantrag für Deutschland gestellt, ein Besuch als Schriftstellerin. Abgelehnt. Wieder mal ein Beweis dafür, dass wir Ukrainer Europäer zweiter Klasse sind. Die Visastelle der deutschen Botschaft stuft mich als potentielle Immigrantin ein. Das ist lustig und beleidigend zugleich. Ich habe die deutschen Bestrebungen zum EM-Boykott voll und ganz unterstützt – genauso wie alle Menschen mit Hirn in diesem Land. Ironischerweise aber bin nun ich als oppositionelle Publizistin nicht in Deutschland willkommen. Der Oligarch Firtasch, Premier Azarov oder wie sie alle heißen – sie alle können frei nach Deutschland einreisen. Und bunkern ihr ehrlich verdientes Geld bei europäischen Banken.

Fußball ist großartig – als Sport. Politiker sind dirty – überall. Das ist meine old-school-anarchistische Meinung zum Thema.

Irena Karpa, *1980, Schriftstellerin, Frontfrau der Band »Quarpa«, Playboy Covergirl. Ihre Bücher und Texte wurden in 6 Sprachen übersetzt. Ihr Roman »Freud würde weinen« schaffte es es unter die Top 5 des BBC Book of the Year Award in der Ukraine.

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