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Jeder wird einmal erwachsen

Marieke, Luk, Simon und Spiderman – Die Kinostarts diese Woche

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Die Adoleszenz ist nicht leicht: Während Marieke auf dem Weg zum Erwachsenwerden mit alten Männern Liebschaften führt und versucht zu ergründen, warum die Mutter sich über den Tod des Vaters ausschweigt, wird Luk durch einen Lottogewinn mit dem Ernst des Lebens konfrontiert. Simon dagegen wächst vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges auf und erfährt, dass er adoptiert wurde und er einen jüdischen Vater hat. Und Peter Parker, der wird erneut von einer Spinne gebissen und verwandelt sich in die freundliche Spinne von nebenan. Genau: Spiderman ist zurück auf der Leinwand.

Wer hat nicht schon einmal von einem Lotto-Jackpot geträumt? Für eine türkischstämmige Gastarbeiterfamilie wird der Traum zur Wirklichkeit. Luk (René Vaziri) hat bislang in seinem Leben noch nicht viel auf die Reihe bekommen. Als der Lottogewinn ins Haus flattert, ist deshalb für seine Eltern (Sumru Yavrucuk, Sinan Bengier) auch schnell klar, dass Luks Anteil am Gewinn für Familienzwecke genutzt wird. Schon lange träumen sie von der Rückkehr in ihre Heimat: Nun wollen sie mit dem Geld ein Hotel in Kappadokien kaufen. Für Luk ist der Gewinn jedoch Anlass, endlich mal über seine Zukunft nachzudenken – und vielleicht ganz eigene Wege zu gehen, zum Beispiel mit seiner Herzensdame: Exfreundin Gül (Aylin Tezel). Asye Polats Film »Luks Glück« erzählt auf entspannte wie witzige Weise vom Erwachsenwerden eines jungen Mannes und hinterfragt humorvoll deutsch-türkische Klischees. »Luks Glück« ist in der Schaubühne Lindenfels zu sehen.

Simon Larsson (Bill Skarsgård) lebt mit seinen Eltern Karin (Helen Sjöholm) und Erik (Stefan Gödicke) in einem kleinen Haus in der Nähe von Göteborg. Während der Vater in Erik einen zukünftigen Handwerker sieht, ist dieser ein Bücherwurm. Seine Mutter dagegen unterstützt ihn, so gut sie kann. Als er auf die höhere Schule in der Stadt kommt, freundet er sich mit Isak an, dem Sohn des reichen Buchhändlers Ruben Lentov (Jan Josef Liefers). Verbunden durch das Gefühl, sich von den anderen Kindern zu unterscheiden, werden die Jungen enge Freunde. Vor dem Hintergrund des aufziehenden 2. Weltkrieges verflechten sich die Schicksale der beiden Familien über Jahrzehnte hinweg – und Simon erfährt, dass er adoptiert wurde und einen jüdischen Vater hat. Nach dem Krieg begibt er sich auf Spurensuche. Das Familienepos »Simon« läuft ab heute in den Passage Kinos.

Peter Parker (Andrew Garfield) wurde als kleiner Junge von seinen Eltern verlassen und wohnt seither bei seinem Onkel Ben (Martin Sheen) und Tante May (Sally Field). Mittlerweile geht er auf die High-School und leidet sichtlich unter dem frühen Verlust der Eltern. Als er einen mysteriösen Aktenkoffer entdeckt, der einst seinem Vater gehört hat, stellt er Nachforschungen an. Peter will verstehen, warum seine Eltern so plötzlich verschwanden. Seine Recherchen führen ihn direkt ins Gen-Tech-Labor von Dr. Curt Connors (Rhys Ifans), einem früheren Freund seines Vaters. »The Amazing Spiderman« spult die Geschichte der freundlichen Spinne von nebenan nochmal an seine Anfänge zurück. Doch statt Peter Parker/Spiderman als netten Jungen von nebenan zu inszenieren, zeigt Marc Webb (»(500) Days of Summer«) den Helden wider Willen als verletzlichen jungen Mann, der nicht nur mit seiner Vergangenheit, sondern auch mit dem Heranwachsen kämpft. Ab heute im CineStar und Regina Leipzig.

In einer Kleinstadt in der kanadischen Provinz wird eine tote Frau gefunden. Es ist der erste Mordfall überhaupt für Polizeichef Walter Ruden (Peter Stormare) und seine Kollegen. Deswegen suchen sie Hilfe bei der Bundespolizei. Die Spur führt sie ausgerechnet zum neuen Freund von Walters Ex-Freundin und direkt in seine eigene gewalttätige Vergangenheit. »Small Town Murder Songs« von Ed Gass-Donnelly ist ein sehenswerter, melancholischer Arthouse-Krimi. Eine Besprechung zum Film finden Sie in der Juni-Ausgabe des kreuzer. Der Film startet heute in der Schaubühne Lindenfels.

»Wenn ein Mann weiß, es bleibt ihm nicht mehr viel Zeit, ändert sich alles«, sagt Marieke (Hande Kodja) zu ihrer Freundin. »Er lebt jeden Augenblick, als wäre es sein letzter.« Die 20-jährige arbeitet in einer Brüsseler Pralinen-Manufaktur. In ihrer Freizeit trifft sie sich mit Männern jenseits der 60 auf verlassenen Parkplätzen, in schummrigen Cafés oder in Luxuxhotels. Die alten Männer sind für die junge Frau fleischgewordene Lückenfüller. Eine Lücke, die seit dem Selbstmord ihres Vaters, als Marieke acht Jahre alt war, von Schweigen umhüllt wird. Ihre Mutter Jeanne (Barbara Sarafian) weigert sich, darüber zu reden und Marieke hat es aufgegeben, danach zu fragen. Bis eines Tages ein alter Bekannter (Jan Decleir) im Leben der Frauen auftaucht. Souphie Schoukens Langfilmdebüt »Marieke und die Männer« erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich auf Spurensuche in ihre Vergangenheit begibt. »Marieke und die Männer« (eine Kritik finden Sie im Juni-kreuzer) ist in der Schaubühne Lindenfels zu sehen.

Weitere Filme finden Sie auf unserer Onlineseite und im aktuellen kreuzer.

Viel Spaß im Kino!

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