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Meine Kindheit in Hells Kitchen

Die Kolumne aus dem Heft: Der Bitprofessor

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Der Bitprof erzählt, wie er vor einem Leben in Gewalt und Terror bewahrt wurde. Und wieso Terence Hill cooler ist als Bud Spencer.

Man soll die anderen Kinder nicht hauen, sagte meine Oma, als ich noch ein kleiner Junge war. Warum eigentlich nicht, fragte ich, es klatscht doch so schön! Also schnappte ich mir meine Seemannspfeife, pfiff hindurch und lief los, um jemanden zu hauen. Leider wusste ich nicht, wen. Mädchen und kleinere Jungs – das war unfair, größere Jungs zu hauen war unklug – also blieben nur die in meinem Alter. Dummerweise waren das meine Freunde, und Freunde haut man nicht. Darum fuhr ich mit meinem gelben Klapprad in ein anderes Stadtviertel, um mein Leben den Verlockungen der Rohheit zu widmen.

Gewalt und Liebe haben eins gemeinsam: Es ist der Kontrollverlust, sagte mir später eine Frau, die nicht meine Oma war. Stattdessen war sie sehr vergesslich und hatte die Angewohnheit davonzulaufen, um sich zu verstecken. Doch es war nicht die Angst vor einem Kontrollverlust, die mich endgültig vor einem Leben in Gewalt und Terror bewahrte.

Als ich da nämlich mit dem Klapprad so fuhr, fiel mir ein, dass alle, die ich hauen könnte, ganz schrecklich zu heulen anfangen würden. Und da ich keine Lust hatte, mir die Heulerei anzuhören, kehrte ich um, ging ins Kino und wurde ein großer Fan von Terence Hill. Den fand ich besser als Bud Spencer, denn er war lustiger und konnte stilvoller hauen. Weil es dabei immer schön klatschte, kam ich von meinem Vorhaben ab, selbst gewalttätig zu werden.

Aristoteles nannte das Katharsis. Gerade durch das Miterleben imaginärer Gewalt, wird der Mensch von unterdrückten Emotionen gereinigt. Tatsächlich war es eine Win-Win-Situation: Meine potenziellen Opfer mussten nicht heulen und ich musste mir die Heulerei nicht anhören. Danke, Terence Hill!

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