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In der Hetze der Nacht

Das Sommerfest eines Lindenauer Kunstraums findet durch einen plötzlichen Nazi-Aufmarsch ein jähes Ende

Das NPD-Büro in der Odermannstraße, Foto: Archiv/ Denis Bury Größeres Bild

Das Sommerfest eines Lindenauer Kunstraums wurde am vergangenen Wochenende zum Schauplatz eines Neonazi-Angriffs. Gegen 1 Uhr in der Nacht von Samstag zu Sonntag begann eine Gruppe angetrunkener Rechtsradikaler – vom NPD-Zentrum in der Odermannstraße 8 in Lindenau kommend – die Feiergesellschaft des Kulturvereins anzupeilen.

Sie skandierten Sprüche, bevor sich einige von ihnen unter die Gruppe der Feiernden mischten und sie beschimpfen. »Irgendwie haben wir in deren diffuses Kultur- und Weltbild reingepasst, beziehungsweise wurden von ihnen passend gemacht. Teilweise waren einige so betrunken, dass sie ihre NS-Parolen vergessen und nur ein ›Sieg‹ herausbekommen haben«, erklärt ein Augenzeuge des Abends.

Einige Gäste alamierten die Polizei, die einige Minuten später eintraf. Laut Pressestelle gelang es dem Einsatzteam die Neonazigruppe, die inzwischen versuchte, die Gäste auch körperlich durch Tritte zu verletzen und sie mit den Kameras ihrer Handys filmten, vom Ort des Geschehens in die Odermannstraße zurückzudrängen. Das Auftreten der Polizei in kompletter Schutzausrüstung und mit sieben Einsatzwagen verstärkte jedoch deren Aggressivität. Sie warfen in der Dunkelheit Pflastersteine, durch die vier Polizeibeamte leicht verletzt wurden. Letztendlich splitterten sie sich in kleinere Einheiten auf, die als Schlägertrupps durch Lindenau streiften, weswegen die Feiernden noch auf ihrem Nachhauseweg neue Angriffe fürchteten. »Glücklicherweise waren die meisten mit Fahrrädern unterwegs, wodurch wir den Schlägertrupps entwischen konnten«, erläutert der Augenzeuge weiter.

Diese Aktion sei zwar die erste gewesen, die sich speziell gegen diesen Kulturverein richtete, jedoch habe es bereits vorhergehende Konfrontationen zwischen Nazis und anderen Kulturvereinen gegeben »In dieser Art ist ein angstfreies kulturelles Leben, in dem sich Kreative ausprobieren können, nicht möglich«, bekräftigt ein Veranstalter und fordert: »Ich will, dass sich die Stadt zu diesen Vorfällen äußert. Es muss darüber gesprochen und eine Öffentlichkeit hergestellt werden.«

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