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Tod eines Superhelden

Jungschauspieler Thomas Brodie Sangster überzeugt als krebskranker Teenager in dem Drama »Am Ende eines viel zu kurzen Tages«

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Superhelden gab es in diesem Kinojahr schon ziemlich viele. In der Regel tragen sie hautenge Anzüge und müssen die Welt retten. Donald ist auch so ein Superheld. Allerdings ohne Anzug. Sein Markenzeichen ist seine Wollmütze.

Donald ist ein ganz normaler Junge, der von der ersten Liebe, dem ersten Kuss, dem ersten Sex träumt. Wäre da nicht der Krebs. Und das Wissen, dass der erste Sex vermutlich auch der letzte ist. Donald hat nicht mehr lange zu leben. Das weiß er, das weiß seine Familie und das wissen auch seine Freunde. Donald selbst ist ziemlich wütend auf seine Krankheit. Als Ventil dient ihm sein Zeichenbuch, dem Papier kann er sich anvertrauen. Er malt ganze Geschichten, Comics, die den Krebs verdrängen sollen und in deren Mittelpunkt sein Alter Ego steht – ein Superheld, der gegen den Bösewicht Glove und seine Gespielin Nursey Worsey kämpft. Die Zeichnungen sind eine Mischung aus Manga und Graffiti, sie erwachen im Film zweidimensional zum Leben und ergänzen die tragische Geschichte von Donald und seiner unheilbaren Krankheit.

»Superhero« ist eines der besten Jugendbücher der letzten Jahre, wobei das Wort »Jugend« hier nicht abschreckend wirken soll. Der Neuseeländer Anthony McCarthen hat aus seinem ohnehin schon drehbuchartigen Roman selbst das passende Skript für den Film geschrieben, der Ire Ian FitzGibbon die Regie geführt. Die Vermischung zweier Kunstformen – Comic und Film – wirkt nicht gequält oder aufgesetzt, sie passt. Zum Beispiel wenn Donald kahlköpfig vorm Spiegel steht und sich mit seinem Edding eine neue Frisur malt – inklusive Augenbrauen. Szenen wie diese wirken nie aufdringlich oder plakativ, sondern spiegeln Donalds Seelenleben wider, wie es ein reiner Spielfilm ohne Animationselemente nie könnte.

»Am Ende eines viel zu kurzen Tages« steckt voller (Wieder-)Entdeckungen. Wiederentdeckung Nummer eins: Thomas Brodie Sangster, der kleine Junge aus »Tatsächlich Liebe«, der hier den krebskranken Jungen spielt und Donald die nötige Reife, aber auch Unsicherheit gibt. Ein Name, den man sich merken sollte. Wiederentdeckung Nummer zwei: Andy Serkis. Ja, der Mann, der mit Gollum in »Der Herr der Ringe« und Cesar in »Planet der Affen« das Motion-Capture-Verfahren salonfähig gemacht hat und seine Schauspielkunst in letzter Zeit immer vom Computer rendern ließ, darf endlich mal wieder ohne Technik vor eine Kamera und spielt Donalds Psychotherapeuten Dr. King. Vermutlich ist diese Rolle eine der stärksten Leistungen seiner Karriere. In der wahren Flut von Filmen in den letzten Monaten, die um das Thema Krebs kreisen – etwa »Halt auf freier Strecke« (Andreas Dresen, 2011) oder »Das Leben gehört uns« (Valérie Donzelli, 2012) –, ist diese hier eine weitere kleine, große Perle.

ab 30.8., Regina Palast

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