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Unterzeichnet: Bill Clinton

Lothar Wunderlich sieht aus wie der ehemalige US-Präsident

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Manche Menschen denken, Lothar Wunderlich sei Bill Clinton. Nun spielt der Leipziger Reisebüroleiter auch in einem Kinofilm eine Rolle.

Das erste Mal geschah es auf einem Basar in Bangkok. Ein Mann fasste ihn an, rief immer wieder »Clinton, Clinton«, andere Menschen starrten herüber, kamen näher, Lothar Wunderlich bekam Panik. Inzwischen hat sich der Leipziger damit abgefunden, sogar damit angefreundet, dem ehemaligen Präsidenten der USA so ähnlich zu sehen, dass Menschen glauben, er sei es wirklich. Auf Messen, Preisverleihungen oder auch auf Reisen tritt er ab und zu als Bill Clinton auf: Dann sprüht er sich seine grauen Haare etwas weißer, bindet sich eine Krawatte um und nimmt zwei Bodyguards ins Schlepptau. »Okay, mein Englisch ist nicht so gut, das ist ein klares Defizit«, erklärt der gebürtige Leipziger.

Gemeinsam mit zwei anderen Doppelgängern, die Uwe Ochsenknecht und Günther Jauch wie aus dem Gesicht geschnitten sind, gründete er 2005 einen Doppelgängerverein. Eine Zeit lang zog er dann mit diesem Haufen Menschen, die aussehen wie andere, berühmte Menschen, in Limousinen durch Städte, wurde von Bürgermeistern begrüßt und von der Lokalpresse abgelichtet. Ein paar dieser Artikel hat Lothar Wunderlich ausgeschnitten und aufgehoben. In einem Koffer sammelt er Fotos von sich selbst – aufgenommen auf seinen Reisen, von Menschen, die der Clintonoptik nicht widerstehen konnten. Die vielen Reisen gehören für ihn sowieso dazu, denn in seinem richtigen Leben arbeitet er in einem Reisebüro. »Manchmal bekomme ich tatsächlich bessere Zimmer, weil ich wie Clinton aussehe«, erzählt der 58-Jährige, der auch schon mal eine Kreditkartenabrechnung mit Bill Clinton unterschreibt. »Nur aus Spaß, damit der Hoteljunge eine Erinnerung hat.« Andere Leute sagen zu ihm, das sei doch schizophren. »Es muss natürlich gelingen, wieder aus der Rolle herauszukommen«, erklärt Wunderlich.

Dass das nicht immer alle so gut hinbekommen und weitere Seltsamkeiten des Double-Daseins beleuchtet der Dokumentarfilm »Doppelleben«, der nun in die Kinos kommt und neben zwei Angela-Merkel-Doubles auch Wunderlich begleitet. Den Doppelgängerverein gibt es dagegen nicht mehr, weil viele von ihm erwarteten, dass er ihnen Aufträge vermittle. Aber für Wunderlich stand und steht der Spaß im Vordergrund.

Mit Clinton selbst hat sich der Leipziger anfangs gar nicht viel beschäftigt, auch wenn ihn die Lewinsky-Affäre leicht getroffen hat. Aber ein Mensch mache nun mal Fehler, sagt Wunderlich, der dem Ex-US-Präsidenten jedes Jahr eine Karte zum Geburtstag schickt. Einmal schrieb er ihm auch einen Brief, in dem er erklärte, dass er hierzulande seine Interessen vertrete. »Denn zum Glück kann ich mich mit ihm identifizieren«, sagt Wunderlich. Eines Tages schrieb Clinton zurück. Vier oder fünf Zeilen, in denen er sich für Brief und Fotos bedankte. »Da kamen mir die Tränen«, gibt Wunderlich zu. »Seitdem kann ich seine Unterschrift noch besser nachmachen.«

ab 13.9., Schauburg
Zu Premiere am 13.9. um 20.30 Uhr ist neben Regisseur Douglas Wolfsperger auch Lothar Wunderlich anwesend.

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