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Vermessung des Rausches

Heute in der Metalkolumne: Alles Wissenswerte und Lyrische über Alkohol

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Der Sommer klingt heftig aus: Gleich drei metallische Schluckimpfungen in sieben Tagen suchen Leipzig heim. Ein dichtes Paket, das uns da über die Leber läuft.

»Unterdessen seyd vergnügt, / lasst den Himmel walten! / Trinkt bis euch das Bier besiegt, nach Manier der Alten.« – Nicht nur Lyriker Johann Christian Günther hob während seiner Leipziger Unizeit zum Lob des Hopfensaftes an. Auch trinkfreudige Nichtakademiker wissen seit langem um dessen vielfältige Vorzüge – denn Bier macht nicht nur die Haare schön. Aufs Bier müssen sich derzeit die Menschen in Tschechien konzentrieren, weil der Hart-Alk aufgrund tödlicher Pantscherei temporär verboten ist. Anlass genug, mal die Alkohol-Kultur in Augenschein zu nehmen.

Keine Angst, es werden nun nicht alle möglichen Trinklieder und Bezüge im Metal aufgezählt – die sind einfach unerschöpflich. Zumal es den Alkohol nicht gibt, zwischen Pils und Pfeffi ist ‘ne Menge Platz im Regal. Ebenso maßlos sind die Anlässe zum Tassen-Heben in den nächsten Tagen: Drei Live-Attacken fährt die Leipziger Metal-Szene innerhalb einer Woche. Bandcommunity, 4Rooms und Metalheadz blasen zur großen Hopfen-und-Malz-Jagd. Das wird ein Fest oder eben was Festes für die Leber – je nach persönlicher Einstellung, Haltung und Training.

Das Märchen weiß um die heilsame Wirkung des Alkohols – soll nicht Rotkäppchen der Großmutter eine Pulle Wein bringen, weil die krank danieder liegt? Da ist’s erstaunlich, dass das Wort Alkohol erst im Laufe des 19. Jahrhunderts in die deutsche Umgangssprache drang. Es stammt aus dem Babylonischen und steckt auch in Alchemie – Pentagramm und Alkohol führten also immer schon eine hübsch unheilige Allianz. Für viele frühe Hoch- und Tiefkulturen ist der Alkohol-Genuss nachgewiesen. Manche Forscher sehen im »König Alkohol« (Jack London) gar den Motor der Zivilisation. Tja, der Teufel hat nicht nur den Schnaps gemacht. So haben die Sumerer ein Drittel ihrer Getreideernte fürs Brauen aufgewendet, wurde Flüssig-Brot schon in Mesopotamien gebrochen. Vielleicht haben sich deshalb Marduk nach einer sumerischen Göttin benannt? Met soll übrigens die Gabe der Dichtkunst verleihen; zum Lallen im freien Blankvers stachelt es jedenfalls jeden an. Und wenn Luther meinte, der deutsche Teufel müsste »Sauff« heißen, dann werden wohl selbst leibhaftige Anti-Christen dem zustimmen und sauff sein Wohl schlucken.

Bevor hier der moralinsaure Mittelfinger in den Kommentarspalten aufploppt: Ja, Alkohol kann auch gefährlich sein. Vorm trunken-tumben Stammtischtiefflug immerhin warnte etwa Goethe, der ein angebliches Leipziger Gelage ja im »Faust« festhielt: Ein besoffener Bürger rief darunten in Auerbachs Keller: »Ein echter deutscher Man mag keine Franzen leiden; doch ihre Weine trinkt er gern.« Doch sind Dummheit und Chauvinismus kein Alkoholproblem, und man müsste man dann ja auch Fußball und das LVZ-Leserforum verbieten. Dann lieber Augen auf, mit wem man anstößt!

Das Haargummi im Bierbecher des Nachbarn zu versenken, raten die Metalheadz Zum zweiten Streich von »┼In Semper Diabolica┼« fahren Ketzer (Bergisch Gladbach), BitchHammer (Leipzig), Fatal Embrace (Berlin), Serpent (Leipzig) und Warforger (Leipzig) eine schnappatmende Thrash-Speed-Heavy-Attacke vom Feinsten. Die »Unstille«-Tour führt mit Der Weg einer Freiheit (Würzburg), Krohma (Finnland) und Wandar (Halle) drei schwarz-kokelnde Combos ins 4Rooms. Und zum »Coming Death«-Höllenritt führen Lay Down Rotten (Herborn), Voice Of Revenge (Würzburg), Discreation (Hanau) und Blooddress (Argentinien) ihre Streitrösser ins Bandhaus-Feld. Bringen wir diesen Bierathlon hinter uns. Man sieht sich, Prost und Slàinte!

»┼In Semper Diabolica┼ – the second strike«, 22.9., Halle 5, http://www.m-metalheadz.de
»Unstille«-Tour, 26.9., 4Rooms, http://fourooms.net
»The coming death«-Tour, 29.9., Bandhaus, http://www.bandcommunity-leipzig.org

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