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Oper statt Höhle

Sophie Hunger und die WDR Big Band in der Oper Leipzig

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Im Rahmen der Leipziger Jazztage spielten am Donnerstagabend sowohl die WDR Big Band & Special Guests als auch Sophie Hunger in der Oper. Auch wenn die Kombination weniger gut zusammenpasste, war der Abend ein voller Erfolg.

»Das Wetter von heute: vielfach Sonnenschein …«, schallte es in Radiomanier laut durch die Oper Leipzig. 13 Bläser, ein Pianist, ein Kontrabassist, ein Schlagzeuger, eine Sängerin und ein Dirigent lauschten gespannt der Wettervorhersage, bis sie pünktlich 20 Uhr loslegen durften. Diesen Konzertabend konnten nicht nur die Zuschauer im ausverkauften Opernhaus miterleben, sondern auch die Radiohörerschaft von WDR 3 und MDR Figaro.

Die WDR Big Band sorgte für satten, vollen Bläsersound, auf dem sich die italienische Sängerin Diana Torto und der britische Komponist und Pianist John Taylor austoben konnten. Taylor, mit dessen Werken die Musiker ihm zum siebzigsten Geburtstag gratulierten, spielte spritzig und knackig wie ein junger Hüpfer, ganz im Gegensatz zum ehrwürdigen, aber schon sehr in die Tage gekommenen Lee Konitz am Altsaxophon, der für die letzten Lieder als Solist auf die Bühne kam und ein paar Mal zu oft seine Einsätze verpasste. Und trotzdem: ein gelungener Cool-Jazz-Abend.

Auch wenn die Big Band und ihre durchaus hochkarätigen Gäste wie John Taylor, Diana Torto und Lee Konitz sehr viel offensichtlicher zu den Jazztagen passen, war die Entscheidung clever, auch Sophie Hunger einzuladen. Mit ihr kam eine der interessantesten Singer/Songwriterinnen dieser Dekade nach Leipzig und weichte die Grenzen des Jazz mit ihrer undefinierbaren Musikmischung irgendwo zwischen Pop, Folk und Jazz ein wenig auf. Als Sophie Hunger mit ihrer Band nach dem Konzert der WDR Big Band die Bühne betrat, war eines am Applaus leicht zu erkennen: Die Mehrheit im Publikum kam wegen der sympathischen Schweizerin.

Umso spannender, dass Sophie Hunger in Leipzig die Bühnenpremiere ihrer neuen Lieder gab, die erst nächste Woche auf dem Album »The Danger of Light« herauskommen. Die Bühnentaufe verlief bravourös, wieder erzählte sie auf Englisch, Deutsch, Französisch und Schweizerdeutsch von den großen Themen der Welt und den kleinen Momenten ihres Lebens.

»Letztes Mal haben wir in so einer kleinen Höhle gespielt«, erinnert sich Sophie Hunger an ihren ersten Auftritt in Leipzig 2010 in der Moritzbastei. Seitdem ist einiges passiert: Einladungen zu Jazzfestivals und Popevents in Europa und Amerika überschlagen sich. Schön, dass Sophie Hunger und ihre Alleskönner-Bandmitglieder Michael Flury, Simon Gerber, Alberto Malo und Alexis Anerilles – die zwischen Trompete, Minimoog, Glockenspiel, Xylophon, Muschel, Posaune, Bassgitarre, Schlagzeug und Klavier virtuos hin und her taumeln – immer noch große Lust am Musizieren haben. Wie Sophie Hunger es formuliert: »Wir möchten einfach nie mehr nicht mehr spielen.« Und wir möchten nie mehr aufhören dir zu lauschen, Sophie.

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