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Das KKK-Problem des Felix Ekardt

Die Schnecke des Monats

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Wahlkampfslogans sollen die Haltung eines Kandidaten widerspiegeln und im Idealfall einprägsam sein. Beliebtes Stilmittel sind dabei Alliterationen, verfangen sich doch Wortkombinationen mit gleichlautenden Anfangslettern besonders gut in den Gehirnwindungen der Rezipienten.

Doch der Alliterations-Schuss kann nach hinten losgehen, wie die Kampagne des grünen Oberbürgermeisterkandidaten Felix Ekardt zeigt: »Kinder, Klima, Klein-Paris« prangt über seinem Wahlprogramm und in Anzeigen. KKK, das ist eine nicht ganz unbelastete Buchstabenkombination, zunächst angesichts der rassistischen Kapuzenträger vom Ku Klux Klan. Darüber hinaus stehen die drei Ks in der deutschen Historie für ein Frauenbild, mit dem sich die Grünen und ihre Wähler trotz der medial zelebrierten Öffnung hin zu konservativen Kreisen wohl kaum identifizieren wollen: Kinder, Küche, Kirche. Oder vielleicht doch?

Aber selbst wenn man den Grünen zugesteht, die drei Ks neu besetzen zu wollen, bleibt die Frage, ob »Klein-Paris« wirklich Wähler zieht. Angespielt wird freilich auf Goethes Leipzig-Lob im »Faust«, doch scheint Paris in Zeiten von Smog und Gentrifizierung nicht als kommunalpolitische Blaupause geeignet. Die französische Metropole hat kaum bezahlbaren Wohnraum. Die Mietpreise gehören zu den Top 6 in Europa. Menschen mit niedrigen Einkommen werden in die Peripherie vertrieben, in der sich zahlreiche Problemkieze entwickelt haben. Nur schwer vorstellbar, dass dies der grüne Plan für Leipzig sein soll. Darum: Augen auf bei der Sloganwahl! Und wenn es nun wirklich drei Ks sein müssen, dann doch wenigstens Kinder, Klima, Katzenbabys. Gibt niedlichere Plakate und wirkt viel manipulativer.

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Dein Kommentar

  1. Sebastian Theeler | 30. November 2012 | um 12:54 Uhr

    Lieber Herr Briest,

    immerhin scheint der Slogan der Grünen so inhaltsreich, dass man darüber spricht. Im Gegensatz zu „Einfach Horst“. Hätten sie nach der Lektüre des Slogans das Wahlprogramm der Grünen nicht zur Seite gelegt waere Ihnen vielleicht auch einiges klarer geworden. Einen etwas fundierteren Artikel hätte ich mir schon gewünscht. Zu mal sie vermutlich als Wahl-Leipziger den Bezug vieler gebürtiger Leipziger mit „Klein-Paris“ nicht nachvollziehen können. Gentrifizierung ist ein wichtiges Thema, welches die Grünen in den letzten Jahren kritisch begleitet haben. Der Slogan besteht aus Schlagwörtern, die eben erst durch das Wahlkampfprogramm belegt werden. Schlagwörter haben auch den Zweck, dass man darüber spricht. Was bei anderen Slogans wohl eher schwer fallen wird. Insofern betrachte ich den Slogan der Grünen als Kommunikationsangebot. Und es gibt in dieser Stadt viel, worüber man reden muss.

  2. Jo | 9. Dezember 2012 | um 02:25 Uhr

    „Zu mal sie vermutlich als Wahl-Leipziger den Bezug vieler gebürtiger Leipziger mit “Klein-Paris” nicht nachvollziehen können.“

    Das möchte ich mal erklärt bekommen, wieso das nur kapiert, wer hier geboren und mit der literarischen Fehlinterpretation und den sie begleitenden Ambitionen Richtung Metropole und Weltgewandtheit aufgewachsen ist. Das ist keine Entschuldigung für das Brett vorm Kopf, dem es zu verdanken ist, wenn man im Erwachsenenalter nicht kapiert, dass der Spruch nicht dazu geeignet ist, ihn mit vor Stolz geschwellter Brust vor sich herzutragen.

    Er ist übrigens, im Gegensatz zu dem, was Herr Briest schreibt, kein Goethe-Lob.

    Herr Ekhardt kriegt ja eigentlich nur kommuniziert, dass er in jeder Hinsicht ein ganz geiler Hengst ist. Ob das für die Wahl reicht, werden wir sehen.