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Im Schatten von Mittelerde

Die Kinostarts im Überblick

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Lang ersehnt und lang gesessen: Das neueste Kinospektakel vom Herrn der Ringe, Peter Jackson, entführt den Zuschauer wieder nach Mittelerde und erzählt in detaillierter Breite, was lange vor den neun Gefährten geschah. Die Schauburg hegt »Große Erwartungen«, der Cinémathèque gelingt ein ultimativer Wurf, das LURU-Kino und die Passage Kinos lehren uns das Gruseln.

Der US-Amerikaner William Russel Frisbie hat Ende des 19. Jahrhunderts jede Menge Kuchen produziert. Seine Backwaren, die er auf runden Tellern auslieferte, waren ein Erfolgsschlager – und die Teller, das ist der eigentliche Witz seiner Geschichte, später noch viel wesentlicher für eine Sportart: Frisbee. Regisseur Jan Bäss, selbst leidenschaftlicher Frisbeespieler und deutscher Disc-Golf-Meister (2008), hat der Erfolgsgeschichte dieser Sportart mit seinem Dokumentarfilm »The Invisible String« nun ein Denkmal gesetzt. Und er begeht glücklicherweise nicht den Fehler, zu wissen, warum diese Sportart, die in Deutschland für die meisten noch immer reine Freizeitbeschäftigung ist, weltweit Begeisterungsstürme auslöste. Nachdem sich Bäss relativ kurz mit den Anfängen des Sports auseinandersetzt, trifft man im Film schnell auf zahlreiche Wegbereiter wie »Steady Ed« Headrick (dem Begründer des Disc Golf), Dan »Stork« Roddick oder John »Friz Whiz« Kirkland. Das passiert zum Teil mit einer Rasanz, die für Nichteingeweihte hin und wieder gewöhnungsbedürftig ist. Trotzdem ist der Film in keinem Moment langweilig. Denn was Bäss den Geschichten der Spieler entlockt, lässt sich auf zwei Begriffe herunterbrechen: unbedingte Hingabe und Liebe zum Sport. Die ganze Kritik von Martin Daßinnies finden Sie in der aktuellen Ausgabe des kreuzer. »The Invisible String« ist ab heute in der Cinémathèque in der naTo zu sehen.

 

Zurück nach Mittelerde: »Kill your darlings« hätte sich Peter Jackson wohl als Richtlinie für sein neues Kinospektakel »Der Hobbit – Eine unerwartete Reise« einhämmern sollen – und sein viele Stunden zählendes Material nicht unnötig in drei abendfüllende Filme mit Überlänge packen, sondern die besonders liebgewonnenen Szenen schön in die Privatarchive seines Tolkien-Universums packen sollen. Der erste Teil der Hobbit-Saga, die 60 Jahre vor der Herr der Ringe-Trilogie ansetzt und von der Erzählstruktur stark an diese erinnert, ist deswegen kein schlechter Film, nur erfordert er ordentlich Sitzfleisch. Bilbo Beutlin (wunderbar komisch: Martin Freeman) wird von Gandalf (Ian McKellen) auserwählt, das Zwergenreich Erebor zu befreien, das vor einiger Zeit vom Drachen Smaug (Benedict Cumberbatch) eingenommen wurde. Mit einer Gruppe von 13 Zwergen unter der Führung des legendären Kriegers Thorin (Richard Armitage) macht sich Bilbo auf den Weg – und dieser wird ein sehr langer sein. Peter Jackson lässt sich viel Zeit, zum Beispiel für das erste Aufeinandertreffen von Bilbo und den raufboldigen Zwergen, die der Zuschauer sicher schnell ins Herz schließen wird. Am Ende des Films atmet Bilbo auf, hat er doch bereits einige Auseinandersetzungen mit den Unwesen von Mittelerde hinter sich gebracht. Doch da hat er offensichtlich die Rechnung ohne Peter Jackson gemacht, der mit dem Blick ins Drachenauge den Zuschauer in der Schlusssekunde Böses ahnen lässt. »Der Hobbit – Eine unerwartete Reise« ist in den Passage Kinos, in der Schauburg, im Regina Leipzig, im CineStar und im Cineplex im Alleecenter zu sehen.

Günter Rössler gilt als bedeutendster Aktfotograf des Ostens. Im »geschlossenen System DDR« konnte Rössler kein internationaler Star werden, wie er es verdient gehabt hätte. Heute aber sind seine Fotografien in zahlreichen Kunstsammlungen und Museen vertreten. Fred R. Willitzkat zeichnet mit seinem Dokumentarfilm »Die Genialität des Augenblicks – Der Fotograf Günter Rössler« ein spannendes Porträt. Der Film ist ab heute in den Passage Kinos zu sehen.

Der empfindsame Pip (Jeremy Irvine ), ein einfaches Waisenkind, trifft im Hause der eigenwilligen alten Dame Mrs. Havisham (Helena Bonham Carter) die gleichaltrige Estella (Holliday Grainger) und verliebt sich in sie. Estella jedoch scheint zu unerreichbar für ihn. Jahre später erhält Pip durch einen anonymen Gönner (Ralph Fiennes) die Möglichkeit, in die Londoner Society aufzusteigen. Erst viel später erfährt er, wer hinter all dem steckt. »Große Erwartungen« läuft in der Schauburg.

Auf einen etwas weiteren Weg zum Kino müssen sich Freunde von»Dr. House« machen. Im Cineplex im Alleecenter feiert die unterhaltsame Beziehungskomödie »Die Tochter meines besten Freundes« mit Hugh Laurie in der Hauptrolle ihre Leipzig-Premiere. In Julian Farinos lockerleichter Vorweihnachtsgeschichte kämpfen zwei Vorstadtfamilien mit einem überraschenden Beziehungsgeflecht, weil sich die Tochter (Leighton Meester) der einen in den Vater (Hugh Laurie) der anderen verliebt.

Unser Autor Dieter Oßwald hat sich für uns das Gruseldebüt »Du hast es versprochen« über ein unheimliches Wiedersehen von Alex Schmidt angesehen.

Filmfutter fernab der Kinostarts:

Denn sie quizzen nicht, was sie tun: Lars Tunçay & André Thätz fragen sich wieder quer durch die Filmgeschichte und haben jede Menge toller Preise im Gepäck. Eine gute Gelegenheit, sich mit Weihnachtsgeschenken einzudecken – am morgigen Freitag! Das Filmriss Filmquiz findet wie immer im Conne Island Café statt.

Und Donis lädt wieder zum Gruppengruseln ein: Im Horror-Doppel zu Tobe Hopper am 19. Dezember im LURU-Kino präsentiert Donis »Eaten Alive« (USA 1977) und »Funhouse« (USA 1981).

Mehr Filme finden Sie auf hier und in unserer Printausgabe.

Wie immer: Gute Unterhaltung!

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