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Vergessene Welt

Benh Zeitlin gelingt mit »Beasts Of The Southern Wild« ein außergewöhnlches Debüt

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Mit ihrem Film über ein kleines Mädchen und dessen fantasiereichem Umgang mit einer ganz realen Bedrohung erobert eine Filmproduktionskommune aus New Orleans die Herzen von Zuschauern und Festivaljurys.

So wie einst Auerochsen die Welt regierten und ausstarben, glaubt das kleine Mädchen Hushpuppy (Quvenzhané Wallis), stünde auch ihrer Welt der Untergang bevor. Ihr Vater ist schwer krank, die Gemeinschaft in Bathtub, in der sie lebt, vom Rest der Welt abgeschottet. Stürme und Überschwemmungen der in Louisiana gelegenen »Badewanne« sind eine ständige Bedrohung. Und Hushpuppy ist sich sicher: »Eines Tages wird ein Sturm wüten, der Grund sinken und das Wasser so hoch ansteigen, dass es keine Badewanne mehr geben wird.« Durch die Augen eines kleinen Mädchens erzählt Benh Zeitlin in seinem atemberaubenden Debütfilm »Beasts Of The Southern Wild« von den ganz alltäglichen Gefahren, mit denen eine von der Gesellschaft vergessene Kommune zu kämpfen hat.

Die erklärte Absicht des Nachwuchsfilmers Benh Zeitlin und seiner Film- und Künstlerkommune »Court 13« ist es, gemeinsam Filme über Gemeinschaften zu drehen. Statt Hollywood-Stars sollen Laiendarsteller ihre eigenen Geschichten erzählen. So sehr die Parallelen zu der Situation der Katrina-Opfer oder der Bezug auf das Machtspiel zwischen Arm und Reich auch dazu verführen mag, eine Gesellschaftskritik als Anliegen des Filmes auszumachen, geht es Zeitlin doch um weit mehr. Der Regisseur stellt keine konkreten Bezüge her und vermeidet explizite Zeit- und Ortsangaben im Film. Stattdessen inszeniert Zeitlin das Leben jenseits von Supermarktketten und Computerspielkonsolen als Abenteuer. Fernab der Zivilisation wird in der Bayou-Siedlung der Fisch noch selbst gefangen, außerordentlich viel Alkohol getrunken und auf den Tischen getanzt. Dabei verliert sich der Film jedoch nicht in einer naiven Aussteigerromantik. Denn Zeitlin entscheidet sich, seine Geschichte aus der kindlichen Perspektive zu erzählen. Die wacklige Handkamera – konsequent auf Hushpuppys Augenhöhe – lässt die Umwelt des kleinen Mädchens umso bedrohlicher erscheinen. Etwa wenn der Vater wild vor Sorge die Kleine anschreit, nachdem sie das Haus in Brand gesteckt hat. Mit hinreißenden Off-Kommentaren führt Hushpuppy selbst den Zuschauer durch die Ereignisse und lässt ihn gänzlich in die Gedankenwelt eines Kindes abdriften.

Während Hushpuppy und ihre Freunde dem Ende immer näher kommen, erwachen die eigentlich ausgestorbenen Wildtiere auch wieder zum Leben. Diese mythisch-philosophisch anmutende Konfrontation von Mensch und Tier verbindet die kleine Geschichte über eine Kommune irgendwo in Louisiana mit dem Lauf der Welt auf ganz fantastische und beeindruckende Weise.

ab 20.12., Passage Kinos

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