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Wirf den Rasenmäher an, Baby, die Orks kommen!

Die Monster-Metal-Kolumne

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Keine Entmonsterung nirgends: Wer von »Braindead« nicht reden will, sollte über den »Hobbit« schweigen. Oder: Abwegiges zur Konstruktion des Monströsen.

»There and Back Again«: Keine Angst, hier erfolgen weder ausschweifend-epische Lobeshymnen aufs Mittelerde-Popcorn-Kino, noch bös-gallige Anwürfe eines Tolkienapologeten. Um es gleich festzustellen: Nein, als Tolkienfan muss man nicht ins Kino, als solcher liest man seine heißgeliebten Bücher und vielleicht ein paar Apokryphen. Als Peter-Jackson-Fan – und das ist etwas ganz anderes – aber muss man sich die zur Trilogie aufgeblasene Kindergeschichte um Bilbo Beutlin par force reinziehen. Allein um zu sehen, wie Jackson sein Faible für florale Bodenbeläge dieses Mal auslebt. Gras, ja, ihr habt richtig gelesen, Gras ist der Schlüssel zu Peter Jacksons Werk.

Das kann man schon in »Bad Taste« erahnen, wo die Wiese Dreh- und Angelpunkt des, buchstäblich die Grundlage der extraterrestrischen Menschenjagd ist. Warum wohl hat er sich auf das satte Grün des Auenlandes, in dessen hügelige Grasnarben mit Englischer-Rasen-Anmutung so eingeschossen? »Braindead«-Fans wissen die Antwort: Jackson hat einen Rasenmäherfetisch. Was ist denn das heilbringende Objekt, welches die von der eifersüchtigen Zombie-Übermutter angetriebene Untotenhorde zu blutigem Matsch verarbeitet? Yepp, ein Rasenmäher. Und weil es nicht immer Zombies sein können, wollte Jackson auch mal Orks & Co. auf die Leinwand bringen – das Rasenmähen erledigte er in den Drehpausen.


Braindead #2 - Die Lobby - MyVideo

Projektionsflächen in Grasgrün: Peter Jackson hat im Rasenforum schon angekündigt, nach seiner sechsteiligen Tolkien-Freakshow die Karrieren von Bernhard Langer und Tiger Woods ins 3-D-Format zu holen – Titel: »Haben sie noch Sex oder golfen sie schon?« Apropos Freakshow: Zur Konstruktion des Monströsen, also Tipps zum Monstermachen und -erledigen, habe ich noch einen Buchtipp. Gerade in Tagen, wo die bucklige Verwandtschaft mit ihren Besuchen droht, sind solche Rückzugsgefechte – »Hallo, ich lese...« – der willkommene Rettungsanker.

Der Sammelband »How to make a Monster« lässt »Faust« und den Golem auflaufen. Klassiker wie die Her- und Niederkunft von Graf Dracula werden erörtert, eine Werwolfologie entlaust und Geschichten von gefährlichen Zwergen entrumpelt(-stielzchen). »Der Ort, an dem die Monster anzusiedeln sind«, heißt es da, »wäre also ein Bereich, in dem die Grenzen zwischen Träumen, Phantasien und Erinnerungen auf der einen Seite und Realität auf der anderen überschritten werden. Zumeist verweisen solche Grenzbereiche auf die Nähe einer ›dunklen Vergangenheit‹ zur unmittelbaren Gegenwart. Der Ort des Monströsen grenzt ... unmittelbar an die Alltagsrealität, wird vom Vertrauten, Häuslichen nur verdeckt. Hinter der Tapetentür, im Keller, auf dem Dachboden wartet das Monster darauf, die brüchigen Schranken zur vertrauten Realität niederzureißen«: »It's just the beast under your bed / In your closet in your head / Exit light«.

Ganze Monsterzoos werden in den Beiträgen inspiziert und ja: Auch die Filmfreaks kommen auf ihre Kosten. Zahlreiche Serien wie »Supernatural« werden zerlegt. Wie man selbst ein Monster stellt, ist auch zu erfahren, hier sterben Monster tausend Tode. »Feed My Frankenstein«: Gar merkwürdig ist es, dass über Metal kein Wort verloren wird, ist er doch gemeinhin der erste Ort, wo man nach dem Monster und Freak sucht. Aber das macht natürlich nichts, denn über das Metal-Monster wissen wir ohnehin schon bestens Bescheid. »Knocking at hells door she’s a metal monster...«

Fazit: Die Entmonsterung der Welt lässt auf sich warten. Fein so. Monstermagnet in der nächsten Woche wird der »Death vs. Thrash«-Gig im Helheim. Post War Perdition (Berlin/Potsdam/Halle) und Distinct Cult (Leipzig) läuten schon am 29. Dezember mit gigantischen Glockenschlägen wie dem »Groll der Verdammten« das neue Jahr ein – auf dass kein Hobbit auf dem Rollrasen bleibt.

Sabine Kyora & Uwe Schwagmeier (Hg.): How To Make A Monster: Kontruktionen des Monströsen, Königshausen & Neumann, Würzburg, 248 S., 29,80 Euro

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