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Stehaufmännchen und Trennungsschmerz

Die Kinostarts im Überblick

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Ein bisschen Wehmut zieht sich durch das anhaltende, triste Regenwetter. Umso schöner, dass am heutigen Donnerstag der wohl kraftvollste Film im ersten Monat des Jahres seinen Weg auf die Leinwand findet. »Der Geschmack von Rost und Knochen« von Jacques Audiard erzählt die Geschichte von einem Türsteher und einer Wal-Trainerin, die beide vom Schicksal gebeutelt sich mühsam zurück ins Leben kämpfen.

Samt fünfjährigem Sohn nistet sich Ali (Matthias Schoenaerts) bei seiner Schwester Anna (Corinne Masiero) ein und gibt schon bald die Verantwortung für sein Kind ab. Im Club, wo er als Türsteher arbeitet, lernt er Stéphanie (Marion Cotillard) kennen. Ihre Wege verlieren sich in der gleichen Nacht. Einige Zeit später ruft Stéphanie nach einem schrecklichen Unfall plötzlich bei Ali an. In seinem Film »Der Geschmack von Rost und Knochen« erzählt der französische Filmemacher Jacques Audiard (»Der wilde Schlag meines Herzens«, 2005) die kraftvolle Liebesgeschichte zwischen einem Türsteher und einer Wal-Trainerin, die zunächst resiginiert in die Zukunft blicken. »Der Geschmack von Rost und Knochen« ist eine Stehaufmännchen-Geschichte mit einem großartigen Soundtrack. Eine Kritik zum Film finden Sie in der aktuellen Ausgabe. Der Film läuft in den Passage Kinos.

Eine Frau schaut gedankenverloren aus dem Fenster und raucht: Das Foto, das das Plakat des neuen Films von Margarethe von Trotta ziert, ist allerdings eher ein Fehlersuchbild. Es soll Hannah Arendt zeigen, aber äußerliche Ähnlichkeiten mit der Philosophin kann man kaum entdecken. Auch die Zigarette hält die Frau untypisch in der rechten Hand, rauchte Arendt doch bevorzugt mit Links. Und so weist schon das Werbebild darauf hin, dass der Spielfilm »Hannah Arendt« nur entfernt mit der realen Person verbunden ist. Regisseurin Margarethe von Trotta und Hauptdarstellerin Barbara Sukowa nähern sich der Theoretikerin vor allem auf einem emotionalen Weg: Arendt galt als kühl und rational, und diese Fassade versuchen die beiden Frauen zu durchbrechen. Die vollständige Kritik zu »Hannah Arendt« von Hanne Biermann finden Sie im aktuellen kreuzer. Der Film läuft in den Passage Kinos.

Schlussmachen ist so eine Sache. Die einen schreien sich die Seele aus dem Leib, um den Anderen loszuwerden. Wieder andere finden ganz einvernehmlich einen Weg, das, was sie bis dato Beziehung nannten, an den Nagel zu hängen und getrennte Wege zu gehen. Wieder andere wissen sich offensichtlich gar nicht weiterzuhelfen und engagieren eine Trennungsagentur. Dann taucht ein Typ wie der karrierebewusste Paul (Matthias Schweighöfer) plötzlich vor der Tür auf und überbringt die tragische Botschaft. Er arbeitet für eine Berliner Trennungsagentur, die professionelle Schlussmacher einsetzt und Menschen die gewünschte Trennung verklickert. Paul trifft so auf Toto (Milan Peschel), der sich nicht so leicht abwimmeln lässt. »Der Schlussmacher« ist die zweite Regiearbeit von Matthias Schweighöfer – und weniger etwas für geschundene Herzen als vielmehr für ausgesprochene Schweighöfer-Fans. Der Film läuft im Regina Palast, im CineStar und im Cineplex im Alleecenter. Am 12. Januar stellt Matthias Schweighöfer seine neue Komödie höchstpersönlich im CineStar Leipzig vor.

Ritter Rost will unbedingt bei einem Ritterturnier antreten – koste es, was es wolle. Um an einen neuen Motor für sein Pferd zu kommen, pfändet er Burgfräulein Bös geliebte antike Nähmaschine. Doch beim Motor handelt es sich um Diebesgut und als dies herauskommt, wird Rost »entrittert«. Aber das ist nicht das Schlimmste. »Ritter Rost« läuft in den Passage Kinos, im CineStar und im Cineplex im Alleecenter.

 

Filmfutter fernab der Neustarts:

RückSCHAU: Antonioni, Fellini & Pasolini

In Erinnerung an drei umfangreiche Retrospektiven der letzten Jahre, die sich je einem italienischen Regisseur widmeten, präsentiert die Schaubühne Lindenfels nun jeweils ein Kernstück der Stilentwicklung der Filmemacher: »La Strada« von Federico Fellini, »Medea« von Pier Paolo Pasolini und »Die Nacht« von Michelangelo Antonioni. Im April 2013 wird sich die Schaubühne dann auf Luchino Visconti fokussieren. Weitere Informationen finden Sie unter www.schaubuehne.com.

Pictures, Shows and Talks im Memento

In zehn Etappen wandelt die neue Reihe »Pictures, Shows and Talks« im Memento durch die gesamte Filmgeschichte bis hin zum Gegenwartskino. Den Auftakt macht am 17. Januar »Filmkinogeschichte der 10er Jahre: Von Nickelodeons, Ozonmännern und filmverrückten Mädchen«. Am heutigen Donnerstag wird zudem der Film »Representations. And Others« von Sebastian Mühl im Memento gezeigt. Weitere Informationen finden Sie unter: http://memento-leipzig.de/memento/index.php/extras.html.

Horror-Doppel mit Donis

Donis präsentiert am 16. Januar im LURU-Kino auf der Spinnerei »Die Wiege des Bösen« (1974) über ein Monstersäugling im Kreißsaal und »The Stuff« (1985) über eine nicht ganz geheure Eiscremesorte, die nach übermäßigem Verzehr aus einem lieben Menschlein gern mal einen lebenden Toten zaubert.

Mehr Filmbesprechungen und -tipps finden Sie hier und in unserer Printausgabe.

Wie immer: Gute Unterhaltung im Kinosessel!

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