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Wagner in 90 Minuten

Beim »Ring für Kinder« kommen auch erwachsene Wagner-Neulinge auf ihre Kosten

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Wie einem Wagner-Opern zu lang sein können, verstehe sie zwar nicht, meinte Jasmin Solfaghari Anfang Januar. Aber all jenen sei »Der Ring für Kinder« absolut empfohlen, weil man so in kurzweiligen Genuss des Bombast-Musikers käme. Anfang Januar stellte die Regisseurin auf Einladung des Wagner-Verbands Leipzig ihre Herangehensweise an die »Ring«-Schrumpfung vor und berichtete auch von persönlichen Wagner-Erfahrungen.

Der umgab die geborene Freiburgerin eigentlich schon immer, sie lernte wahrscheinlich zum Walkürenritt Krabbeln. Seitdem ließ diese musikalische Liebe Solfaghari nicht mehr los. »Bei der Götterdämmerung war ich von Anfang an dabei«, sagt sie über die Zusammenarbeit mit dem berühmten Regisseur Götz Friedrich. Als Professorin wirkte Solfaghari von 2006 bis 2011 an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, nun ist sie in der Messestadt zurück – mit Wagner im Gepäck. »Der Ring für Kinder« lief im vergangenen Jahr in Bayreuth, nun inszeniert ihn Solfaghari für die Musikalische Komödie.

Wagner für Kinder? Manch Erwachsener findet ihn schon nicht zum Aushalten. Solfaghari sagt, die Inszenierung sei wie eine Art Einführung ins Werk Dresden-Leipzig-Zöglins. »Wagner für Operneinsteiger« wäre wohl der treffendere Titel, sagt die Regisseurin. Wie hebt man den mit einer Schwere überbordenden Sagenschatz Wagners? »Ich will nicht anbiedern an vermeintlich moderne Elemente, um die jungen Menschen zu erreichen«, erklärt Solfaghari. Das geschehe eher, wenn man sie ernst nimmt. »Regietheater« empfindet sie ohnehin als ein Reizwort, immerhin müsse ein Opern-Regisseur alle Handwerke des Musiktheaters kennen. Und eigentlich sei doch schon alles in der Musik angelegt, da braucht man keine extravaganten Einfälle: »Die Emotion, Bewegung, Choreografie schöpfe ich aus der Partitur.« Die Musik gibt quasi das Regiebuch.

Natürlich ist der »Ring« auf 90 Minuten inhaltlich abgespeckt: »Kein Gunther, keine Gutrune, keine Frigga, kein Chor, keine Erda«, fasst die Regisseurin zusammen. Freya habe nur eine stumme Rolle. Dafür sei alles drin, was Action bringe und Kinder anspringt: Drachen und Feuerzauber, Krötenverwandlung und Schwertschmieden. Die gegebene Fassung aus Bayreuth hat sie inhaltlich leicht verändert und sprachlich an den amerikanischen Sänger angepasst, das Bühnenbild völlig neu entworfen. Solfaghari will das ganze Arsenal der MuKo-Guckkastenbühne nutzen, um das vielleicht nicht nur junge Publikum in den »Sog der Musik« zu ziehen, hinein ins »Zaubertheater«. Die Kinder sollten nicht denken, sie müssten irgendetwas lernen – das würden sie ohnehin wie nebenbei. Machtmissbrauch und Zusammenhalt sei das ewige Thema des Rings. Verführung durch die Macht und Herrschsucht und die Verführbarkeit des Menschen seien das große »Ring«-Thema, meint die Regisseurin. Und diese kann man genauso gut bei Wagners Germanenfantasien erfahren wie bei der Tolkienlektüre und »Star Wars«-Schau.

»Der Ring für Kinder«, 19.1., 19 Uhr, 20.1., 15 Uhr, 23.1., 11 Uhr, Musikalische Komödie,
http://oper-leipzig.de/musikalische-komoedie/veranstaltung/details/der-ring-fuer-kinder

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