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Ein bisschen Liebes-Know-how

Ehe-Erprobtes und Melancholisches vom Mondmann – die Kinostarts im Überblick

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Ein amüsantes Filmvergnügen bringt Sacha Gervasis Biopic über Alfred Hitchcock, in dem Helen Mirren und Anthony Hopkins als Ehepaar große Freude bereiten. Ebenso eheerprobt zeigen sich Vanessa Redgrave und Terence Stamp, die als Marion und Arthur in der Musik große Lebensfreude finden. Dass man sich im Angesicht der Gefahr offensichtlich leichter verliebt, zeigen gleich zwei Fantasy-Abenteuer: Dort stehen junge Liebende, die gemeinsam für etwas kämpfen müssen, im filmischen Mittelpunkt. Und der Mondmann? Der geht erst einmal auf Reisen.

Als die Times eine Liste der »New Masters Of Suspense« veröffentlicht, fragt Alfred Hitchcock (Anthony Hopkins) seine Frau Alma Reville (Helen Mirren) etwas echauffiert: »Warum suchen sie nach neuen Meistern, wenn der alte immer noch da ist?« Man schreibt das Jahr 1959. Hitchcock hat mit »Der unsichtbare Dritte« einen kommerziellen Erfolg gelandet und verspürt das Bedürfnis, sich als Filmemacher noch einmal neu zu positionieren. Als der Studioboss die Finanzierung ablehnt, muss Hitchcock eine Hypothek auf Haus und Pool aufnehmen, um sein neues Projekt »Psycho« zu realisieren. Heute weiß man, dass das Risiko sich gelohnt hat. Mit seiner biografischen Ausschnittsvergrößerung reist Sasha Gervasi zurück zum Wendepunkt in Hitchcocks Karriere. Aber sein Film ist mehr als ein nachgereichtes Making-of, er beleuchtet vor allem die Beziehung zwischen Hitchcock und seiner Ehefrau, die die wichtigste kreative Partnerin des legendären Regisseurs war. Mit Anthony Hopkins und Helen Mirren treten zwei hochkarätige Matchpartner vor die Kamera, aber auch mit dem Nebenfigurenensemble kann der Film mit Scarlett Johansson als Janet Leigh und James D’Arcy in der Rolle des Anthony Perkins überzeugen. Die ganze Kritik können Sie im aktuellen kreuzer nachlesen. »Hitchcock« läuft in den Passage Kinos.

Der 72-jährige Rentner Arthur (Terence Stamp) ist ein mürrischer Kerl, der sich einzig und allein seiner Frau Marion (Vanessa Redgrave) zuwendet. Die wiederum singt in einem Gemeinde-Chor, der mit Liedern von Motörhead, Chaka Khan oder Salt’n’Pepa gerne mal das traditionelle Gesangsprogramm durchbricht. Aber Arthur hat dafür nur ein Kopfschütteln übrig. Marion ist krank, und obwohl er nicht versteht, warum sie so viel Energie dafür aufbringt, unterstützt er seine Frau. Als die junge Chorleiterin Elisabeth (Gemma Arterton) in Arthur einen gerngesehen Chorgast entdeckt, bearbeitet sie ihn, dass er aktiv teilhat. Und plötzlich entdeckt der Griesgram, dass es durchaus einiges mehr im Alltag zu entdecken gibt, woran man sich erfreuen kann. Die britische Komödie »Song für Marion« über einen alten Herrn, der erst durch einen Chor und dessen charmante Leiterin wieder zurück ins Leben findet, läuft in den Passage Kinos.

Ein Fantasy-Abenteuer für Groß und Klein ist der Film »Jack And The Giants«, der die Geschichte des jungen Landarbeiters Jack (Nicholas Hoult, wandelt noch als Untoter in der Zombie-Romanze »Warm Bodies« über die Kinoleinwände) erzählt, der sich in die von Riesen entführte Prinzessin Isabelle (Eleanor Tomlinson) verliebt und gemeinsam mit ihr und ihrem Hofstaat dem Bösen den Kampf ansagt. Das unterhaltsame Märchenvergnügen »Jack And The Giants« läuft im Regina Palast, im CineStar und im Cineplex im Alleecenter.

Ein Zeitreise-Gen sorgt in der Familie der 16-jährigen Gwendolyn Shepherd (Maria Ehrich) für Aufregung. Eigentlich sollte es ihrer affektierten Cousine Charlotte (Laura Berlin) vorbehalten sein, durch die Zeit zu tapsen und uralte Mysterien zu lösen. Seit frühester Kindheit wird sie gemeinsam mit dem hübschen, aber überheblichen Gideon de Villiers (Jannis Niewöhner) darauf vorbereitet. Aber das war natürlich ein fataler Irrtum und statt Charlotte trägt Gwendolyn, die als tollpatschig und »eigentlich ganz normal« eingeführt wird, das begehrte Gen in sich. Und eines Tages nach einem kurzen Schwindelanfall wacht Gwendolyn im London der letzten Jahrhundertwende auf. »Rubinrot« ist der erste Teil der Jugendbuchtrilogie »Liebe geht durch alle Zeiten« von Kerstin Gier, die mehr als eine Million Mal verkauft wurde. Romanverehrerinnen und -verehrer dürften sicher neugierig sein, was Felix Fuchssteiner da auf die Leinwand gehievt hat. Der Film bewegt sich im flauen Mittelmaß mit einem deutschen Cast, der äußerst ungelenk versucht, sich in einer in England angesiedelten Geschichte einzurichten. Die Geschichte von zwei jungen gegensätzlichen Menschen, die Widersachern und finsteren Gesinnungen zum Trotz doch zueinanderfinden, können Sie sich im Regina Palast, im CineStar und im Cineplex im Alleecenter erzählen lassen.

Und für die kleinen Kinogänger: Der Mondmann lebt allein in seiner runden silbernen Kugel und langweilt sich die meiste Zeit seines Lebens. Plötzlich bekommt er die Gelegenheit, auf Reisen zu gehen. »Der Mondmann« ist ein skurriler wie melancholischer Animationsfilm und in den Passage Kinos, im CineStar und im Cineplex im Alleecenter zu sehen.

Seichte Unterhaltung mit Hang zur Langatmigkeit liefert Judd Apatows Dramakomödie »Immer Ärger mit 40« über Pete (Paul Rudd) und Debbie (Leslie Mann): Die beiden streifen nicht nur die 40 und werden vom Älterwerden geplagt, sondern auch von den Macken ihrer Töchter und den Tücken der Ehe. Zudem kämpft Pete, der ein Musik-Label betreibt, um dessen Existenz, und Debbie, die nur gelegentlich neben Kindern und Haushalt ihre Boutique vorangetrieben hat, muss plötzlich als Ernährerin der Familie herhalten. »Immer Ärger mit 40« ist im Regina Palast, im CineStar und im Cineplex im Alleecenter zu sehen.

Unsere Autorin Juliane Streich hat sich für uns den Regener-Haußmann-Klamauk »Hai-Alarm am Müggelsee« angesehen.

 

Filmfutter fernab der Neustarts:

Rechtsextremismus heute: Nach Hitler – Radikale Rechte rüsten auf

Der erste Teil verfolgt anhand aktueller Reportagen die blutige Spur rechtsextremer Gewalttäter in der Bundesrepublik und auch in der DDR bis in die heutige Zeit. Unvergessen sind u. a. der Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest, bei dem 13 Menschen starben, die rassistisch motivierten Morde von Solingen, Eberswalde und Hoyerswerda, die die Öffentlichkeit schockierten.

18.3., Kinobar Prager Frühling

Bücher und Filme von und mit Wenzel Storch

Wenzel Storch entführt in »Das ist die Liebe der Prälaten« in die wunderbare Welt der christlichen Aufklärungs- und Anstandsliteratur und in dem Fake-Kinderbuch »Arno & Alice« in das Leben des Heidedichters Arno Schmidt und wirft dazu Schmuddelbildchen (aus »Arno & Alice«) an die Wand. Im Anschluss daran werden äußerst unterhaltsame und lehrreiche Dokumentationen (Sprecher: Rocko Schamoni) gezeigt: »Wie man aus Düngerstreuern und Güllepumpen ein Schiff baut« dokumentiert, wie aus Getreidequetschen, Kartoffelrodern, Heuwendern und Jauchepumpen ein prunkvolles Schiff zusammengeschraubt wird, und »Sitzfußball und Gruppensex« erzählt die Mär vom Aufstieg und Fall der westdeutschen Blumenkinder.

16.3., LURU-Kino in der Spinnerei

Kurzfilmpremiere Cinemabstruso

Die Leipziger Filmgruppe Cinemabstruso feiert mit einem 90-minütigen Programm drei Kurzfilmpremieren: »Der Marder«, »related by blood« und »DRONE«.

16., 18.3., Cineding

Mehr Filmbesprechungen und -tipps finden Sie hier und in unserer Printausgabe. Gute Unterhaltung im Kinosessel!

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