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Sind wir schon da, geliebter Führer?

Die Kolumne aus dem Heft: Der Bitprofessor

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Diesmal in Vertretung: Der Bitprof darf kein Kommunisten-GTA spielen, wird dafür aber Zeuge eines traumwandlerischen Hassverbrechens.

Nordkorea hat sein erstes offizielles Computerspiel veröffentlicht, den »Pyongyang Racer«. Ich möchte es spielen, an den virtuellen Sehenswürdigkeiten vorbeituckern und mich von behelmten Politessen auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hinweisen lassen. Leider kenne ich die GTA-Variante Kim Jong-uns aber nur von Youtube. Das Browsergame lädt einfach nicht. Der Ladebalken stoppt immer wieder am ersten »n« von »Pyongyang«. Ich bin aber anscheinend nicht alleine mit meinem First-World-Problem. Frustriert schreibe ich eine Mail nach Nordkorea. Prompt erhalte ich eine Antwort auf Englisch, aus Peking. Der große Bruder hält also den Kopf hin. Man arbeite daran, sorry und viele Grüße nach »Germoney«. Der Ansturm sei doch unerwartet gewesen und der Server mache das halt nicht mit.

In meinen Fieberträumen läuft der Racer dafür wie geschmiert: Zusammen mit Henryk M. Broder lasse ich mir im offenen Wagen den Fahrtwind um die Nase wehen. Die Straßen sind absolut frei und wir brummen staatsmännisch vor uns hin. Am Großen Opernhaus an der Kreuzung zwischen Sungni- und Yonggwang-Straße schießen wir Erinnerungsfotos, lachen und wollen gleich Bier trinken. Dann kommt Jakob Augstein aus einer Gasse und beauftragt zwei auftauchende Hamas-Aktivisten, Broder mit einer Kettensäge zu zerteilen. Das tun sie dann auch. Er reinkarniert sich aber wie der Roboter in »Terminator 3« und wir gehen eine Wurst essen. Broder möchte sich noch »Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg« anschauen, ich verabschiede mich lieber. Als ich aufwache, wie im Inneren des Venusberges, kommt mir aber jedenfalls als Erstes der Gedanke: Wäre für ein Spiel aus Nordkorea nicht eigentlich eine Wirtschaftssimulation passender gewesen?

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