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»Frauenhass gibt’s überall und jeden Tag«

Plannigtorock über Ungleichheit, Genderpolitik und tote Trickfilmfiguren

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Letztes Jahr zerstörte sie das Patriarchat mit der Single »Patriarchy over & out«, nun nimmt sich Planningtorock dem Frauenhass an. Für die Reihe No No No gibt die britische Künstlerin ein exklusives Konzert im UT Connewitz. Bevor Janine Rostron, wie sie im richtigen Leben heißt, dort die Genderthematik mit elektronischen Klängen, verzerrten Stimmen und dunklen Disco-Beats tanzen lässt, hat sie mit uns genau darüber geredet.

kreuzer: Deine neue EP trug den Namen »Misogyny Drop Dead«. Nun schreibst du den Titel »Misxgyny Drxp Dead«. Wieso das X?

PLANNINGTOROCK: Die Xe stehen für den Tod. Wie in Zeichentrickfilmen: Wenn die Charaktere sterben, werden die Augen auch immer zu einem X.

kreuzer: Wieso ist für eine junge europäische Frau Misogynie (Frauenhass) heutzutage immer noch ein interessantes Thema?

PLANNINGTOROCK: Misogynie gibt es in unterschiedlichem Ausmaß in allen Gesellschaften weltweit und Frauen haben damit tagtäglich zu tun, besonders durch die Medien und das Internet. Daher muss sie als Herausforderung gesehen und aus unseren Leben entfernt werden.

kreuzer: Du hast letztens gesagt, dass da ein Gefühl von Dringlichkeit in der Luft liegt, dass die Dinge falsch laufen. Woher kommt diese Dringlichkeit und was muss passieren?

PLANNINGTOROCK: Ich habe das Gefühl, dass es in den letzten Jahren einige aktive Bestrebungen gab, den Menschen die extreme Gewalt und Diskriminierung gegenüber Frauen bewusst zu machen. Jetzt ist es wichtig, dass Frauen sich lautstark über ihre Erfahrungen austauschen und spüren können, dass sie von der Gesellschaft unterstützt werden, um die Ungleichheit zu bekämpfen und eine neue Idee zu Gender entwickeln.

kreuzer: Bei deinen Shows und Konzerten maskierst und verkleidest du dich gerne, schlüpfst in andere Rollen und Geschlechter. Auch die No No No-Reihe setzt ihre Akzente bei Genderthematiken. Wie wichtig ist deine geschlechtliche Identität für dein Leben und deine Musik?

PLANNINGTOROCK: Genderpolitik ist seit langer Zeit Teil meiner Musik. Nun will ich die Musik nutzen, um Auffassungen von Geschlechtern zu analysieren und zu demontieren und künftiges Potenzial über diesen engen binären Gebrauch hinaus zu erforschen.

kreuzer: Du bist von London nach Berlin gezogen. Worin unterscheiden sich die beiden Städte?

PLANNINGTOROCK: Der auffälligste Unterschied für mich ist, dass Berlin eine jüngere und turbulentere Vergangenheit hat und dadurch zu einer ziemlich anderen Stadt wurde als London: viel entspannter – was ich liebe – und weniger konsumverrückt.

Planningtorock: 19.4., 21 Uhr, UT Connewitz

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