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»Du bist Pop«

Die Kinostarts im Überblick

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Poesie und Weltschmerz verkündet das Coming-of-Age-Drama »Ginger und Rosa«. Bei der Verfilmung von Bernhard Schlinks »Das Wochenende« ist ein solides Kammerspiel herausgekommen. Der Künstler Georg Baselitz öffnete zum ersten Mal sein Atelier für Filmaufnahmen. Während Rose als »Mademoiselle Populaire« von der weiten Welt träumt, tappst Göttersohn Thor heldenhaft dem Bösen aus der Unterwelt entgegen. Und Tom Cruise hat seinem Ego die Hauptrolle gegeben, damit es ja nicht in Vergessenheit gerät.

Kaum ein Begriff ist so individuell auslegbar, wie der der Freiheit. Was bedeutet es, frei zu sein? Und wie erreicht man diesen Zustand? Im Umfeld der 16-jährigen Ginger (Elle Fanning) beantwortet diese Fragen jeder auf seine Weise. Die Mutter (Christina Hendricks) sucht nach dem Scheitern ihrer Ehe in der Malerei ihre persönliche Freiheit. Der Vater (Alessandro Nivola) will tun und lassen können, was er will. Gingers beste Freundin Rosa (Alice Englert) genießt ihre Freiheit vor allem auf sexueller Ebene. Aus dem Radio tönen warnende Stimmen, die das atomare Wettrüsten verkünden. Es sind die frühen sechziger Jahre, in denen Ginger versucht, ihren eigenen Weg zu finden. In »Ginger & Rosa« erzählt Sally Potter eine Geschichte des Umbruchs. Die Sechziger taucht sie in gedeckte Farben, aus denen Gingers rote Haare rebellisch hervorstechen. Das Mädchen ist die sympathische Protagonistin des Films, deren Weltschmerz und Orientierungslosigkeit von der Kamera in Großaufnahme eingefangen werden. Mit viel Gefühl spielt die selbst noch jugendliche Elle Fanning die Hauptrolle. Ihr ist es auch zu verdanken, dass der Film seine Glaubwürdigkeit bewahrt, die er durch die überzeichneten Nebencharaktere nach und nach zu verlieren droht. Die vollständige Kritik von Hanne Biermann finden Sie im aktuellen kreuzer.

»Ginger & Rosa«: 11.-19., 21.4., Kinobar Prager Frühling

»Du bist Pop«, strahlt Henner Jens an und hält ein T-Shirt in die Luft, auf dem ein Fahndungsplakat mit Gesichtern von RAF-Mitgliedern abgebildet ist. Jens ist einer davon und nach 18 Jahren gerade aus dem Knast gekommen. Seine Schwester Tina hat ihn in ihr Landhaus gebracht, in das sie die alten Freunde von damals eingeladen hat. In »Das Wochenende« lässt Nina Grosse im abgeschirmten Raum eines alten Landhauses die ehemaligen Gesinnungsgenossen aufeinandertreffen, um die Utopien, Sehnsüchte und Ansprüche von damals mit der etablierten Realität von heute abzugleichen. Es sind weniger lähmende politische Diskurse, die hier am großen Tisch ausgetragen werden, als unbewältigte persönliche Konflikte. Jens (Sebastian Koch) will herausfinden, wer ihn damals verraten hat, und Inga (Katja Riemann) will wissen, warum der Vater ihres Sohnes jeglichen Kontakt zu ihr im Gefängnis verweigerte. Auf den dramatischen Höhepunkt steuert der Film zu, als der Sohn (großartig: Robert Gwisdeck) das Generationentreffen gründlich aufmischt. Nina Grosse, die hier den gleichnamigen Roman von Bernhard Schlink für die Leinwand adaptiert, kürzt das Personal zusammen und befreit die Geschichte von Schlinks schulmeisterlichem Hang zum Exemplarischen. Damit wird der politische Gehalt des Stoffes zwar heruntergedimmt, aber das Konfliktpotenzial der Charaktere effektiver ausgeschöpft. »Das Wochenende« ist keine Generalabrechnung, aber ein im besten Sinne solides Kammerspiel. Die vollständige Kritik von Martin Schwickert können Sie im aktuellen Heft nachlesen.

»Das Wochenende«: ab 11.4., Passage Kinos

Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz gehört zu den Großen seiner Generation. Zum ersten Mal hat der zurückgezogen lebende Künstler seine Ateliers in Deutschland und Italien für Filmaufnahmen geöffnet. Evelyn Schels begleitet ihn über mehrere Jahre aus nächster Nähe. Sie darf in seinem Familienalbum blättern, befragt seine Ehefrau sowie seine Weggefährten und zeigt die wichtigsten Stationen seines Lebens.

»Georg Baselitz«: ab 11.4., Passage Kinos

Geht es nach ihrem Vater, soll Rose Pamphyle (Déborah François) in ihrem Heimatdorf in der Normandie den familiären Krämerladen weiterbetreiben und den Sohn eines Automechanikers heiraten. Doch die 21-Jährige zieht es vielmehr raus aus der Provinz in die weite Welt. Heimlich bewirbt sie sich als Sekretärin in einem Versicherungsbüro in einem nahegelegenen Kleinstädtchen. Denn, so erfährt es der Zuschauer gleich zu Beginn, Ende der fünfziger Jahre träumte wohl jede Frau von diesem Job. Obwohl Rose nicht gerade die geeignetste Kandidatin für die Stelle ist, stellt sie der Chef Louis Echard (Romain Duris) ein. Immerhin zeigt sich Rose äußert geschickt an der Schreibmaschine und schon bald sind die regionalen Meisterschaften im Schnelltippen. In retro-schicken Farben und mit schwungvollen Jazzklängen präsentiert Régis Roinsard sein Gute-Laune-Kinodebüt »Mademoiselle Populaire«, das wie ein nostalgischer Ausflug in die Spätfünfziger anmutet und mit zauberhaften Darstellern auch zu unterhalten weiß.

»Mademoiselle Populaire«: ab 11.4., Passage Kinos

Groß, mutig, gutherzig und ein kleines bisschen tollpatschig: Das ist Thor, der Sohn Odins, dem Göttervater. Nur leider hat dieser herzlich wenig Interesse an seinem Sprössling auf der Erde. Doch als Hel, die Königin der Unterwelt, zusammen mit den Riesen die Weltherrschaft an sich reißen will und Thor sich furchtlos in den Kampf stürzt, ändert sich das schlagartig.

»THOR – Ein hammermäßiges Abenteuer«: ab 11.4., Cineplex im Alleecenter (auch 3D), CineStar (auch 3D), Regina Palast

Der frühere Profifußballer George (Gerard Butler) versucht vergeblich, sich eine neue Karriere als Sportkommentator aufzubauen. Die Beziehung zu seinem Sohn Lewis ist eher distanziert und seine Ex-Frau Stacie (Jessica Biel) will ihren neuen Freund heiraten. Als George die Fußballmannschaft seines Sohnes übernimmt, erhofft er sich einen besseren Draht zu diesem. Doch auch die Mütter (Catherine Zeta-Jones, Uma Thurman) der Spieler erfreuen sich an dem gutaussehenden Trainer.

»Kiss the Coach«: ab 11.4., Cineplex im Alleecenter, CineStar

Ein riesiges Ego und ein postapokalyptisches Designer-Paradies hat unser Autor Martin Schwickert in dem Science-Fiction-Spektakel »Oblivion« mit Tom Cruise und Andrea Riseborough entdeckt, das vom Ende der Welt erzählt und ein bisschen zu oft bei Duncan Jones‘ »Moon« abgeschaut hat.

Weitere Filmbesprechungen und -tipps finden Sie hier und in unserer Printausgabe.

Gute Unterhaltung im Kinosessel!

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