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Stoff für Kurzsüchtige

Kurze Filme, lange Nächte: Ein Rückblick auf das Leipziger Kurzfilmfestival

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Elftausend Minuten Film haben die Organisatoren des Leipziger Kurzfilmfestivals »Kurzsuechtig« in den letzten Jahren gesichtet. Mit den Wettbewerbsfilmen der Kategorie Fiktion ging die nunmehr zehnte Ausgabe des Leipziger Kurzfilmfestivals zu Ende.

Es regnet in Leipzig. Aber das ist nicht schlimm, denn es ist genau das richtige Wetter für einen Kinoabend. Schon bevor es losgeht, herrscht in der Schaubühne Lindenfels eine schön wuselige Atmosphäre. Überall stehen Grüppchen von Gästen, Filmemachern und Schauspielern herum und tauschen sich angeregt aus. Im Saal selbst sind die Stuhlreihen kurz vor Beginn voll besetzt. Spannung liegt in der Luft. Dann geht das Licht aus. Die Show beginnt. Drei Jungs erscheinen auf der Bühne. Mit Kontrabass, Ukulele und Gitarre. Es ist die Akustikband Zweckgemeinschaft aus Leipzig. Innerhalb kurzer Zeit ist der Raum von Lachen und Applaus erfüllt – die Stimmung steigt. Und auf der Welle dieser Euphorie surft Oberbürgermeister Burkhardt Jung in den Saal und auf die Bühne. Er macht ein paar Scherzchen über die nicht vorhandenen Moderationskünste des Veranstalters, die Visage von Dieter Moor und verschwindet so schnell, wie er gekommen ist – nicht ohne zu erwähnen, dass seine Tochter Mitglied der Fachjury ist.

 Ein Monster und die Latte Gottes

Es ist der finale Abend des Spektakels, das bereits am Mittwoch mit Animationsfilmen startete. Der Abräumer in dieser Kategorie war Robert Löbel mit seinem Film »Wind«, über ein luftiges Land und seine Bewohner. Er konnte die Fachjury von sich überzeugen, gewann 500 Euro und heimste auch gleich noch den Publikumspreis ein. Außerdem bekam er zusätzlich den Nachwuchsförderpreis des Filmverbands Sachsen, der ebenfalls mit 500 Euro dotiert ist. Eine lobende Erwähnung erhielt der Film »Kalorien« von Antje Gleißberg, in dem ein Süßigkeiten liebendes Monster die Hauptrolle spielt. Der Donnerstag gehörte ganz der Realität. Das Motto des Abends: Dokumentationen. Susanne Schulz durfte sich über den Preis der Fachjury für ihre Kurz-Doku »Die Bande« freuen. Der Publikumspreis und die lobende Erwähnung ging an die Dokumentation »Mein Großvater Wolfgang« von Hannes Schilling. Interessant waren auch die Leipziger Stadtgeschichten die man an diesem Abend bestaunen konnte. Vom WGT-Haus- und Hoffotografen Lou Ziffer erfuhr man, dass er bei Shootings auf dunklen Friedhöfen schon mal unmoralische Angebote von seinen Modellen erhält und in dem Film »Horns MUWI« ließ sich verfolgen, wie eine Gruppe junger Menschen eine historische Weinkneipe, ohne viel Geld, dafür mit reichlich Engagement, ins Leben zurück holten und daraus ein Kleinod der Leipziger Clubszene erschufen. Wer wissen möchte, was das Ganze mit der Latte Gottes zu tun hat, kann sich den Film auf Youtube ansehen.

 Däumelinchen wird nicht müde

Am Finalabend machte in der Kategorie Fiktion der Film »Fliehkraft« das Rennen: Er schafft es, sich feinsinnig und ohne Pathos mit dem Thema Identität am Beispiel eines Transgenders auseinander zu setzen. Der Film von Benjamin Teske und Frauke Kolbmüller gewann sowohl den Preis der Fachjury als auch den Publikumspreis. Der Kurzfilm »Däumelinchen« von Theresa Braun erhielt eine lobende Erwähnung. Die siebenjährige Hauptdarstellerin Maria darf an diesem Abend trotz später Stunde mit im Kino sein und findet, dass es ein komisches Gefühl sei, sich selbst auf der Leinwand zu sehen. Auf die Frage, ob sie nicht schon müde sei, sagt sie: »Ja. Aber ich will soooo gerne sehen, welcher Film gewinnt.«

Der Trailer zum Gewinnerfilm »Fliehkraft« in der Kategorie Fiktion ist hier auf Vimeo zu sehen.

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3 Kommentare

  1. Frauke | 21. Mai 2013 | um 23:18 Uhr

    Also bei mir klappt der Link nicht, hier der FLIEHKRAFT-Trailer bei youtube: http://youtu.be/LlI3j2P8fZc
    Übrigens Danke Stefanie für das Lob und Sarah für die lieben Worte :-)

    Ab morgen haben alle die Möglichkeit FLIEHKRAFT ab 23.50Uhr im NDR zu sehen und dann ist er eine Woche unter ndr.de/nachwuchspreis zu sehen. Bis 29.05. können uns dann auch jeder unterstützen, indem er online für uns votet – es geht um den Studio Hamburg Nachwuchspreis 2013.