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The Devil is an Irishman

Notizen aus dem Kolumnistenurlaub

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»German Metal hat nicht überall den besten Leumund. Eierkneifer-Vocals, Langenscheidt-Lyrics … Riffs aus dem Kaugummiautomaten …« Mit deutschen Touristen ist es nicht anders, wie ich mal wieder auf einem ausgiebigen Bummel durch, über und um Irland herum erfahren durfte. Dazu gleich mehr, zuerst soll der Ankündigung aus der letzten Kolumne entsprochen und »Metal Störies« vorgestellt werden.

Bei Stout und Ale hatte ich etwas Zeit, Frank Schäfers Anekdotensammlung, aus der auch die einleitenden Zeilen stammen, zu durchfliegen. [Warum hat man bei Facebook eigentlich das englische »Secure Browsing« ins altbackendeutsche »Sicher Durchstöbern« übersetzt? Muss mal bei der Zentrale in Dublin nachfragen, bevor ich abreise …] Anfänglich liest sich sein Kuddelmuddel noch ganz nett runter, immer mal wieder kann er eine Pointe anbringen und Lacher rauskitzeln. Auf die Dauer sind diese Erfahrungssplitter aber etwas ermüdend. Klar, Kapitel-Titel wie »Unleashed in Ostwestfalen« wecken Erwartungen. Und sicher, Schäfer wird in jedem Moment, den er schildert, eine tolle Zeit gehabt haben, aber so richtig rüber kommt das nicht, wenn er von Schulfreunden und deren ersten Metal-Eskapaden berichtet. Erweckungserlebnisse und Episoden rauschen alsbald so vorbei; wer will schon wissen, wie es irgendwann in L.A. in irgendeinem VIP-Bereich aussah, und wenn Schäfer das dritte Mal halbironisch von seiner ehemaligen Band Salem’s Law als »famose, ihrer Zeit um Jahrzehnte vorauseilend« schreibt, ist das nicht nur ermüdend: Er meint es wohl auch halb ernst. Da ist der jüngst erschiene, neue und wieder in Irland spielende »Artemis Fowl«-Band doch spannender – so eine Art Götterdämmerung leitet pünktlich zum Wagner-Jahr einen zivilisatorischen Bruch ein. Schäfer macht allemal Hunger aufs Anreichern des eigenen Metal-Erfahrungsschatzes, und das ist ja auch was wert. Also stürzte ich mich auf der sonnendurchfluteten, grünen Insel ins Berserkertreiben.

»The Devil ist an Irishman« proklamieren die Iren stolz – weit mehr gehörnte Legenden als irgendwas Göttliches lassen sich hier an jedem Standing Stone und Steinkreis finden. Indes, bei Metal und Irland fällt einem gar nicht so viel ein. Die soeben angespielten Waylander und Primordial sind die großen Hausnummern. »Aber bitte nicht Thin Lizzy vergessen«, rufen traditionsbewusste und auch Frank Schäfer erwähnt sie mehr als einmal in seinem Buch. Doch gibt es eine kleine Szene zumindest in Dublin, wo ein freundlicher Herr mich in seinem Metalshop u.a. auf Morphosis aufmerksam machte. Das sei die älteste Death-Combo der Insel, lobte er, nachdem ich es in seinen Laden geschafft hatte. Man muss nämlich erst an einem Tattoo-Studio klopfen und nett bitten – »Ich würde gern Deinen Keller besichtigen« –, bevor man Einlass erhält. Passender Name »Into the Void Records«. Regelmäßig finden in der Stadt Metalkonzerte statt, jeden Samstag kann man sich zu unglaublich billigen Bierpreisen im O`Reilly’s zur »Club-Hell-Rock-Night« zuschütten. Andernorts auf dem Eiland ist es absolut mau und natürlich gibt’s auch in Dublin ein uns bekanntes Phänomen: Wenn was los ist in Sachen Metal, dann finden mindestens drei Konzerte an einem Tag statt, damit dann wieder wochenlang Ruhe ist. Man kennt das ja aus Leipzig.

Nicht aus Irland, aber von nebenan kommen Supporter von Agalloch, die am 1. Mai in der MB mit auftrumpfen werden. Die britischen FEN, die auch schon Primordial unterstützten, leiten bei der nächsten Scheddel-Runde den Abend für die Dark-Doomer Agalloch aus Portland ein. Gewiss eine gute Einstimmung, damit sich das Auf- und Schaulaufen der »Schwarzen Szene« und das damit verbundene Angequatsche à la »Wirst Du bei Sandelholz und Kerzenlicht auch so depri?« oder »Metal, cool. Ich mag auch Letzte Instanz!« besser ertragen lässt. Vielleicht lassen sich dabei ein paar »Metal Störies« abgreifen, die wir uns dann demnächst gegenseitig erzählen können. Slainte.

Agalloch & FEN, 1.5., 20 Uhr, Moritzbastei
Frank Schäfer: »Metal Störies. Der heißeste Scheiß auf Gottes großer Festplatte«, Berlin 2013, 144 S., 16,90 Euro

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