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Trügerischer Glanz

In »Der große Gatsby« kämpft Leonardo DiCaprio um seine große Liebe

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Regisseur Baz Luhrmann wagt sich an die vierte Kino-Adaption von F. Scott Fitzgeralds Roman »Der große Gatsby«. Optisch kann das Drama dank seiner eindrucksvollen Bild- und Farbgestaltung überzeugen. Nur der gesellschaftskritische Unterton der Romanvorlage kommt in dem wilden Leinwandspektakel ein wenig zu kurz.

Der New Yorker Aktienmakler Nick Carraway (Tobey Maguire) wohnt Tür an Tür mit dem millionenschweren Geschäftsmann Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio). Dieser gibt zwar auf den zahlreichen Partys in seiner pompösen Villa auf Long Island stets den großzügigen Gastgeber – eigentlich aber interessiert ihn die anwesende Prominenz aus Politik und Showgeschäft nicht im Geringsten. Grund für die ausschweifenden Tanzveranstaltungen ist einzig und allein die Hoffnung, dabei seine große Liebe Daisy (Carey Mulligan) wiederzutreffen. Mit ihr hatte Gatsby vor seiner Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg eine Romanze. Nach seiner Rückkehr musste er aber feststellen, dass Daisy mittlerweile mit dem arroganten Millionär Tom Buchanan (Joel Edgerton) verheiratet ist. Mit der Hilfe von Nick setzt Gatsby alles daran, die Liebe seines Lebens zurückzugewinnen.

F. Scott Fitzgeralds 1925 erschienene Erzählung »Der große Gatsby« zählt zu den bedeutendsten englischsprachigen Romanen des 20 Jahrhunderts. Mit einer ordentlichen Portion Zynismus beschäftigt sich der Autor mit dem oberflächlich gelebten Amerikanischen Traum zur Zeit der Goldenen Zwanziger. Die Profitgier einiger weniger Reicher steht im krassen Gegensatz zu den Lebensbedingungen der ärmeren Bevölkerung. Dies wird im Roman bestraft: Der titelgebende Protagonist Gatsby darf trotz seines immensen Reichtums aufgrund unerfüllter Liebe nicht glücklich werden.

Baz Luhrmann inszeniert nun das New York der zwanziger Jahre wie einen Spielplatz der Superreichen. Alles ist bunt und leuchtend, die Oberschicht gibt sich ihren Lastern und Gelüsten hin und feiert eine Party nach der anderen. Demgegenüber stehen die melancholischen Momente, wenn Gatsby dem treuen Zuhörer Nick sein Herz ausschüttet. Die Gratwanderung zwischen Lebemann und schwer enttäuschtem Liebenden meistert Leonardo DiCaprio eindrucksvoll. Trotzdem geht der ursprünglich kritische Charakter der Erzählung aufgrund der Bilderflut teilweise verloren. Zu wenig erfährt der Zuschauer vom Innenleben der Figuren und nur ansatzweise werden deren Probleme in den gesellschaftlichen Kontext gesetzt. Eine Identifikation mit den Charakteren findet daher nur bedingt statt.

Das soll aber nicht bedeuten, dass »Der große Gatsby« keine gute Unterhaltung bietet. Zum stylischen Look gesellen sich der moderne Soundtrack, der unter anderem von Rapper Jay-Z produziert wurde, sowie rasante Kameraeinstellungen, wie bei einer Autoverfolgungsjagd durch das glitzernde New York. Diese Aspekte sind eine Empfehlung wert, auch wenn die emotionalen Momente der Inszenierung aufgrund ihrer oberflächlichen Zeichnung der Figuren nicht ganz im Einklang mit der tiefgründigen Vorlage stehen.

»Der große Gatsby« (3D): ab 16.5., Cineplex im Alleecenter, CineStar, Regina Palast, Schauburg

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Dein Kommentar

  1. Matti | 16. Mai 2013 | um 16:54 Uhr

    Danke, diese Kritik hilft mir sehr. Habe lange überlegt, ob ich ihn mir im Kino anschauen soll und habe nach einer passenden Kritik gesucht, die mir weiterhilft. Jetzt bin ich fündig geworden: Ich werde es versuchen.