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On the dead run

Die Metalkolumne mit WGT-Eindrücken, Filmtipps und Konzertempfehlung

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Von Bier und Untoten: Caroozer schlagen zurück, derweil das WGT zu ein paar horrorigen Filmtipps anregte.

Wer hätte gedacht, auf dem xsten WGT – oder besser: an dessen Rande – noch etwas zu lernen? Klar, dass es immer noch Spacken gibt, die meinen, mit »Thor Steinar«- und »Neuschwabenland«-T-Shirts zu punkten: geschenkt. Wahrscheinlich waren die meisten von denen aber in diesem Jahr auf Malle, damit der Ballermann deutsch bleibt. »Ich höre am liebsten Horrorpunk«, meinte mein Gegenüber und ich reagierte mit einem eloquenten »Hä?«. »Na, Mucke von The Misfits und so.« Ah ja, früher hätten wir einfach gesagt, Misfits fetzen (ja, so hat man mal gesprochen). Nun muss es also noch ein neues Genre dazu geben. Typische Distinktionsscheiße. Das konnte die »Schwarze Szene« schon gut: »Alle sehen gleich aus, irgendwie individuell.« (Rainald Grebe)

Fashion Victims sind im Metal dann doch eher selten, meist tut’s ein T-Shirt. Inhaltlich geht man ohnehin in Dauerschleife über Leichen, dass eine Schublade Horror-Metal recht sinnfrei wäre. Man könnte höchstens Bands wie Nomans Land, die auf dem WGT nicht zu ertragen waren, oder die hier auch spielenden Ensiferum reinpacken und das »Horror«-Etikett als Warnung verstehen. Da bekommt der Begriff Horror vacui, die Angst vor dem Nichts, eine ganz andere Bedeutung. Wer noch mal behauptet, solche Humpa-Fritzen machen Metal, der soll sich auf sein Trinkhorn setzen.

Wenn schon das Horror-Label sein muss, dann doch lieber im Film. Drum seien ein paar Tipps nachgelegt. Vom »Bikini Spring Break Massacre«, der hier Monate nach Erscheinen aus unerfindlichen Gründen hereinflatterte, wollen wir lieber nicht sprechen. Ein paar schlecht zerstückelte sunny people machen noch kein Massaker. Nun ja, immerhin war der Film besser zu ertragen als die Schau 90er-Jahre-Tattoos auf aufgeschwemmten Körpern – wie beim WGT. »Stash House« ist da schon ein anderes Kaliber. Hat man sonst immer erzählerische Schwierigkeiten, Opfer und Killer glaubhaft zusammenzubringen – Warum laufen die nicht einfach weg? – so ist der Plot hier einfach genial. Ein junges Pärches erwirbt nach einer Zwangsvollstreckung ganz billig ein schickes Anwesen. Das gehörte einem Narkomafia-Boss, der nun mausetot und zusammen mit einer Menge Asche im Keller des Hauses schlummert. Während sich das Pärchen einrichtet, kehrt der Killer an den Ort seiner Tat zurück, und schwupps, der Dead-Run kann beginnen. Der wird zur ganz hübschen Flucht durchs gesamte Haus, wobei hineingeschnittene Bilder aus Überwachungskameras nette Effekte besorgen. Der alternde Villain Dolph Lundgren bleibt – seinem Teint entsprechend – recht blass. Aber insgesamt wird »Stash House« zum ansehnlich blutigen Gewaltausbruch mit ein paar netten Überraschungen. [Heavy Celste verlost drei Exemplare. Wer eine DVD/Blue Ray will, schickt ne Mail an tpr#kreuzer-leipzig.de]

Tief im Wasser: »Hypothermia« passt nicht zum Wetter, zeigt aber, dass mit Metal-Abstellen nicht zu spaßen ist. Irgendwo in der Pampa im waldreichen Norden der USA gibt’s einen See. Dort campiert eine Familie zum Eisfischen. Just als sie ihre Nachbarn bitten, Maiden leiser zu drehen, beginnt die Attacke aus der Tiefe. Es ist halt immer die schlechte Wahl, es nicht scheppern zu lassen. Und »Run to the Hills« wäre ein Tipp an die Eisangler gewesen, denn, das ist nicht zu viel verraten, nicht jeder überlebt. »Run for your Lives«! Absolut hin- und mitreißend ist »War of the Dead«. An der finnisch-sowjetischen Grenze, mitten im Zweiten Weltkrieg, ergründet ein US-Spezialteam, warum sich die Nazis nicht so einfach umbringen lassen. Hint: Es hat etwas mit dunkler Forschung und ja, Zombi-Serum zu tun. Nicht so lustig wie »Iron Sky«, aber brachial auf einer anderen Ebene. Früher hätte man gesagt: Dieser Slasher fetzt. Heute kann man damit wohl einen Horrorpunk-Song illustrieren.

Als Schlusslicht noch mal nach Leipzig zurück, steif Schwitzen steht wieder auf der Agenda. Chaos and Booze: Ein gitarrensattes Quartett ohne schwarzen Peter tischen die Metalheadz auf. Allein der Special Guest zieht allem die Wurst vom Brot: Malignant Tumour aus Tschechien. Das legendäre Crust-Metal-Geschwader bringt den Villakeller-Boden zum Beben und ebnet die Erde für den eigentlichen Act des Abends: Caroozer. Die Leipziger, die bereits mit so malzig-walzigen Brettern wie »Baptized in Beer« die Szene in die Abhängigkeit stürzten, haben mit »Mount Moshmore« eine neue Scheibe ausgepresst. Für Chaos and Booze ist auch Album Numero zwei ein Garant; die Groovemaschine ist also zurück, sie röhrt wieder. Den Gig zur Release-Party der Hard’n’Heavy-Rocker begleiten zwei Leipziger Lokalgrößen. Dead Man Trigger  rollen ihren Stonerrock im langsamen Midtempo-Bereich aus und lassen vor ihrem baldigen EP-Release schon mal was gucken. Rotorhammer – nur echt mit dem Sternbug-Logo – schlagen mit saftigem Metal-Rock um sich. Das verspricht insgesamt einen fetten Abend und Kopfrotieren in allen Geschwindigkeiten. Hingehen, einen heben, moshen und hinterher einen Film (ein-)schieben!

»Mount Moshmore«-Release-Party, 24.5., 20 Uhr, Villa, http://www.m-metalheadz.de

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