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»Wann haben wir Scheiß gemacht?«

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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Heute läuft im UT Connewitz die siebte Ausgabe der radikalen Filmnacht, also nichts wie hin, hier wird sich auf der Leinwand noch ausgetobt. Darüber hinaus diskutieren Julie Delpy und Ethan Hawke als Celine und Jesse mal wieder über alle möglichen Lebens- und Beziehungsfragen, in die die Reihe »Family Affairs« in der Cinémathèque am Wochenende mit einsteigt. Es gibt wieder spannendes junges Griechenkino. Ein Chansonsänger und ein Blueskönig singen um die Wette. Es werden Bärengeheimnisse gelüftet und Max Beckmann wird aufgespürt – und wenn der Vater mit dem Sohne auf die Erde zurückkehrt, kann mitunter auch großer Schwachsinn dabei rauskommen.

»Wann haben wir das letzte Mal Scheiß gemacht?« Diese Frage stellt sich eines der kultigsten Kinoliebespaare unserer Jugend. Vor nunmehr 18 Jahren schickte Regisseur Richard Linklater Julie Delpy und Ethan Hawke als Celine und Jesse per Interrail durch Europa und ließ sie »Before Sunrise« eine romantische Nacht in Wien verbringen und eine ganze Mädchengeneration davon träumen. Neun Jahre später bescherte das Liebespaar denselben jungen Frauen mit »Before Sunset« einen der gemeinsten Cliffhanger überhaupt – bleibt er bei ihr in Paris? Die lang erhoffte Auflösung gab es zur diesjährigen Berlinale, wo die beiden »Before«-Stars wie die meisten ihrer LiebhaberInnen gereift und tatsächlich im gemeinsamen Alltag gestrandet wieder auf der Leinwand auftauchen. Das Erfolgsgeheimnis ist das alte: wasserfallartige Diskurse über das Leben, natürlich die Liebe, endlos mäandernde Erörterungen über Beziehung, Gesellschaft und gutes Essen. Vor dem mythologischen Hintergrund der Inseln Hellas wird im Familienurlaub auch politisch, hochtrabend oder auch mal hanebüchen diskutiert. Doch die wichtigste Frage ist die obige und von der Antwort hängt viel mehr ab als der Weltfrieden: das eigene Vermögen, eine Familie zu bleiben und vor allem ein liebendes Paar sein zu wollen und zu können. Der Ton untereinander ist schärfer geworden, vor allem Celine hat sich sicherlich einst in Wien nicht träumen lassen, dass sie mal dermaßen über Jesse herziehen wird. Wieder geht es uns zu Herzen, auch wenn es filmisch nichts Neues bringt. Und schon jetzt dürfen wir uns ein wenig auf die Wechseljahre freuen. Die ganze Kritik können Sie im aktuellen kreuzer nachlesen.

»Before Midnight«: ab 6.6., Passage Kinos

Ein heißer Sommer in Athen: Der 16-jährige Skater Harris (Haris Markou) und seine Freunde schlagen die Zeit mit Nichtstun tot. Der Polizeibeamte Vassilis (Ieronymos Kaletsanos) hingegen kämpft darum, seine Familie über Wasser zu halten. Seine Lage scheint aussichtslos. Bis sich eines Tages die Wege des Polizisten und des jungen Skaters kreuzen – während um die beiden herum Athen in der Krise versinkt.

»Wasted Youth«: ab 6.6., Cineding

Der »King Of Blues« wurde 1925 in Mississippi in problematischen Verhältnissen geboren. Trotz permanenter Unterdrückung, einem rassistischen Umfeld und Armut konnte er sich zu einem der größten Musiker unserer Zeit entwickeln. Zwei Jahre lang begleitete Filmemacher Jon Brewer den legendären Bluesmusiker B. B. King mit der Kamera. Neben Morgan Freeman, der dem Film als Erzähler seine Stimme leiht, kommen Mick Jagger, Bruce Willis, Carlos Santana, Eric Clapton und auch Bono oder Ringo Starr zu Wort.

»B. B. King: The Life Of Riley«: 8./9.6., Kinobar Prager Frühling

Claude François (Jérémie Rénier) wird 1939 in Ägypten als Sohn italienisch-französischer Auswanderer geboren. Bereits in jungen Jahren interessiert sich »Cloclo« für Musik und nach seinem Umzug an die Côte d’Azur im Alter von 17 Jahren macht er diese Leidenschaft zu seinem Beruf. Doch die ersten Jahre als Chansonsänger sind nicht gerade leicht und Claude steckt zahlreiche Rückschläge ein. Bis er mit seinem Millionenhit »Comme d’habitude« seinen Durchbruch feiert.

»My Way – Ein Leben für den Chanson«: 10., 12.6., Kinobar Prager Frühling

In den Schweizer Alpen lebt die 13-jährige Clara (Ricarda Zimmerer) gemeinsam mit ihrer Mutter Nina (Elena Uhlig) und ihrem Stiefvater Jonauf (Roeland Wiesnekker) auf dessen abgelegenem Berghof. Als Clara eines Tages auf der Sommerweide einen jungen Bären sieht, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse.

»Clara und das Geheimnis der Bären«: ab 6.6., Passage Kinos

Max Beckmann wurde vor allem vom Wahnsinn des Krieges bei der Schaffung seiner Meisterwerke beeinflusst. Seine zahlreichen Selbstporträts sind Ausdruck von starken menschlichen Gefühlen – und oft ist er seiner Zeit voraus gewesen.

»Max Beckmann«: ab 6.6., Passage Kinos

Es ist schon eine ganze Weile her, dass die Menschheit nach einer verheerenden Katastrophe die Erde verlassen musste und sich in Nova Prime eingerichtet hat. General Cypher Raige (Will Smith) kehrt nach langer Abwesenheit zu seiner Familie zurück. Vor allem sein teeniehafter Sohn (Jaden Smith) ist nicht so gut auf seinen Vater zu sprechen und hat erst mal nur einen finster-skeptischen Blick und Vorwürfe für ihn übrig. Doch der General möchte das angeknackste Vater-Sohn-Verhältnis wieder kitten und nimmt den Sohn mit auf eine Mission. Ein Asteroidenhagel später bruchlanden sie auf der Erde und als einzige Überlebende ohne Funkkontakt zur Außenwelt kämpfen sie sich durch das vermeintliche Naturidyll Erde. Nun ja, wer will und noch nicht genug von den Smiths hat, schaut sich das Vater-Sohn-Gespann, das sich zwischen finsteren Minen und wiederholenden Heldenposen einrichtet, im Kino an.

»After Earth«: ab 6.6., Cineplex im Alleecenter, CineStar (auch OV), Regina Palast

Jason hat Mist gebaut. Von einem Freund lässt sich der 18-Jährige ein Drogenpaket zuschicken und wird prompt erwischt. Einen Denkzettel hätte er schon verdient, findet sein Vater, der erfolgreiche Transportunternehmer John Matthews (Dwayne Johnson).

»Snitch – Ein riskanter Deal«: ab 6.6., Regina Palast, CineStar

Filmfutter fernab der Neustarts:

Filmreihe »Hausgemeinschaft (Family Affairs)«

Familie hat seit jeher Konjunktur im Kino. Immer wieder beschreiben Filme Familienverhältnisse in ihrer Brüchigkeit und Ambivalenz. Die Filme, die die Cinémathèque begleitend zur Ausstellung »Hausgemeinschaft (Family Affairs)« im Juni zeigt, setzen sich mit der vermeintlichen Keimzelle der Geborgenheit auf vielfältige Weise auseinander. Die Auswahl, die Filme der letzten 20 Jahre aufgreift, lässt aber vermuten, dass Einiges im Argen liegt. Im Kurzfilmprogramm »Familienaufstellung« fragt »Meine Familie und ich« (1997) auf spielerische Art danach, was Familie mit der Identität des Einzelnen zu tun hat. Getreu dem Motto, was wäre, wenn ich in einer anderen Familie aufgewachsen wäre, jagen die Filmemacher ihren Protagonisten von Eltern zu Eltern. Der hinreißende Kurzfilm »Mein Mallorca« (2009) wagt einen Einblick in das spartanische Leben der selbstbewussten Marita, die nicht nur den Alltag ihrer achtköpfigen Familie schaukelt, sondern zugleich versucht, sich selbst weiterzuentwickeln. In den Langfilmen, die das Programm schmücken, könnten die Emotionen nicht weiter auseinandergehen. Schickt »Staub auf unseren Herzen« (kreuzer 02/2013) über einen tiefsitzenden Mutter-Tochter-Konflikt den Zuschauer auf eine Berg- und Talfahrt der Familienzwistigkeiten, erscheint es fast schon wie eine Wohltat, wenn sich die Protagonisten in »Das Leben gehört uns« (kreuzer 04/2012) trotz Krebserkrankung ihres Sohnes mit Witz und Verve auf der Leinwand austoben und ihrer durchaus auch brüchigen Familienbande mit etwas Leichtigkeit begegnen. 9.-12.6., Cinémathèque in der naTo und GfZK

Nacht des radikalen Films No. 7

Die Leipziger Filmgruppe Cinemabstruso präsentiert die siebte Ausgabe seines Filmfestivals »Die Nacht des radikalen Films«. Das Publikum darf sich freuen auf Dokus, Kurzspielfilme und Animationen. Erzählt werden Geschichten über einen Flüchtling aus der ehemaligen UdSSR, der im Asylbewerberheim rappt, von Leipzig, das sein wahres Gesicht als Heldenstadt zeigt, von zwei älteren Männern, die es sich mit Peitsche und Elektroschocks gutgehen lassen und dann gibt es da noch eine heimlich durchs Fenster gefilmte Ménage-à-trois. 6.6., UT Connewitz

Best Of Kurzsüchtig 2013

Heute Abend zeigt die Kinobar noch einmal die Gewinnerfilme des diesjährigen Kurzsüchtig-Filmfestivals: Dabei geht es um einen 84-Jährigen, der sich neu verliebt (»Mein Großvater Wolfgang«), eine kleine Bande von sechs zehnjährigen Mädchen (»Die Bande«), um die transsexuelle Leonie, die um die Akzeptanz ihres Vaters kämpft (»Fliehkraft«), und um ein äußerst windiges Land (»Wind«).  6.6., Kinobar Prager Frühling

Kurzfilmprogramm im Rahmen der 17. Leipziger Umwelttage

Müll und Graffiti, Kinderarbeit, eine nicht wachsende Tomatenpflanze oder Adam und Eva im Weltall – die kurzen Streifen, die parallel zu den Leipziger Umwelttagen in der Kinobar über die Leinwand zappeln, setzen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Leben und der Umwelt auseinander. 12.6., Kinobar Prager Frühling

Weitere Filmbesprechungen und -tipps finden Sie hier und in unserer Printausgabe.

Gute Unterhaltung im Kinosessel!

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