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Dance the pain away

Die Electroclash-Legende Peaches und ihr Schützling Simonne Jones im CT

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Das Muttertier und das Küken – beide sorgten am Donnerstagabend auf der Hinterbühne des Centraltheaters für ordentlich brummenden Bass, wildes Gekreische und viele Brüste.

Simonne Jones eröffnete den Abend pünktlich um zehn, während alle noch an der unterbesetzten Bar um Bier rangen. Bald war die Aufmerksamkeit jedoch bei der jungen Amerikanerin – die Ohren ganz bei den gut produzierten Beats und der interessanten Stimme, die Augen auf dem wunderschönen Gesicht, den wallenden Locken und dem halbnackten Körper. Auf ihre Beats sang die 25-Jährige mit reifer Stimme und spielte dazu wahlweise Klavier oder Gitarre, während ein Guy-Fawkes-maskierter Schlagzeuger sie begleitete. Das kam gut an im Publikum, auch wenn alle auf Peaches warteten und daher nicht nach Zugabe brüllten. Peaches allerdings sah das anders und kam höchstpersönlich auf die Bühne, um das Publikum zu fragen, ob Simonne Jones nicht noch ein bisschen weiterspielen solle. Gut, dass sie nicht noch den viel zitierten Satz »Ich habe die Zukunft gesehen, ihr Name ist Simonne Jones« sagte, denn das ist dann doch etwas übertrieben.

Als Peaches dann mit Löwenmähne und Totenkopfdeko auf den Schultern die Bühne betrat, kochte der Saal. Die Meisterin schritt ans DJ-Pult und ließ es sogleich ordentlich knarzen und brummen. Dazu coverte sie als Starter »Maniac« von Michael Sembello und offenbarte, dass sie nicht nur brüllen, sondern auch singen kann. Zu den Liedern aus dem letzten Album »I Feel Cream“ lieferten zwei Tänzerinnen mit immer wechselnden Kostümen eine gute Show lieferten – als Offizierinnen, Geishas, Torrero und Stier und als Stripperinnen. Brüste gab es viele zu sehen – zählt man die vielen Plüschbrüste mit, die sich Peaches, da auch sie immer wieder ihr Kostüm variierte, um die Schultern hing. Das kleine Bäuchlein, das der hautenge Ganzkörperanzug nicht verbergen konnte, machte sie irgendwie sympathisch und konnte das Menschliche hinter ihren vielen Masken erahnen lassen. Die Coolness schlechthin war die kanadische Wahl-Berlinerin, als sie beim Headbangen ihre zwei riesengroßen Goldketten mehrere Runden im Takt um den Hals wirbeln ließ. Gekonnt ist gekonnt. Kurz vor Schluss durfte das Publikum dann noch in Sekt duschen und so richtig zu einem alten Hit ausrasten: »Fuck the pain away« vom Album »Teaches of Peaches«. Als Zugabe zogen sich Peaches, Simonne Jones und die Tänzerinnen Räubermasken über den Kopf und schrien »Free Pussy Riot«. Eine weitere Zugabe war Peaches, auch wenn sie wollte, nicht gewährt.

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Dein Kommentar

2 Kommentare

  1. xyz | 15. Juni 2013 | um 15:10 Uhr

    „Das kleine Bäuchlein, das der hautenge Ganzkörperanzug nicht verbergen konnte, machte sie irgendwie sympathisch und konnte das Menschliche hinter ihren vielen Masken erahnen lassen.“
    … das is ja sicher superduper nett gemeint.
    aber was zur hoelle hat das beurteilen von koerperteilen in einer konzertkritik zu suchen?(und dann auch noch ausgerechnet bei peaches)

  2. kara | 16. Juni 2013 | um 15:46 Uhr

    „das kleine bäuchlein…“

    wie wäre es damit: eine geniale künstlerin, die auch mit mitte vierzig, voller elan und power, eine tolle bühnenshow hinlegt… ohne sich diesem ganzen hollywood-schönheits-scheiß-wahn hinzugeben…
    sie sieht aus wie eine frau aussehen muss…