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Albrecht kommt mit blauem Auge davon

Wirtschaftsbürgermeister musste in zweiten Wahlgang

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Die Beigeordnetenwahlen im Leipziger Stadtrat endeten am Mittwoch mit einem Paukenschlag, obgleich die ganz große Überraschung schlussendlich ausblieb. Der amtierende Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU) scheiterte im ersten Wahlgang sehr deutlich an der erforderlichen absoluten Mehrheit und erhielt lediglich 29 der 70 abgegebenen Stimmen. Sein von der FDP nominierter Gegenkandidat Marcus Tolle kam auf 27 Stimmen. Erst im zweiten Wahlgang konnte sich Albrecht mit 37 zu 23 Stimmen durchsetzen. Zuvor hatten die Stadträte bereits Sozialbürgermeister Thomas Fabian und Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal für sieben weitere Jahre in ihren Ämtern bestätigt.

Tolle war erst am Montag von der FDP als Kandidat nominiert worden. Der gelernte Jurist und ehemalige Geschäftsführer der sachsen-anhaltinischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft leitet derzeit die Wirtschaftsberatung PMG. Im Vorfeld der Wahl betonte er daher vor allem seine unternehmerische Vergangenheit und versprach, aktiv auf potenzielle Investoren zugehen zu wollen. Die FDP hatte angesichts der kurzfristigen Nominierung zu Beginn der Ratssitzung beantragt, die Wahl des Wirtschaftsbürgermeisters auf Juli zu verschieben, um den Fraktionen mehr Zeit zur Begutachtung der Kandidaten zu geben. Dies lehnte der Stadtrat jedoch mit großer Mehrheit ab.

Für Spannung hatte bereits im Vorfeld die Wahl des Sozialbürgermeisters gesorgt. Amtsinhaber Thomas Fabian (SPD) musste gegen CDU-Politikerin Peggy Liebscher antreten, die jedoch nicht von ihrer eigenen Fraktion nominiert worden war, sondern ebenfalls von der FDP. Damit setzten die Liberalen die christdemokratischen Stadträte unter Druck.

Liebscher äußerte in ihrer Bewerbungsrede, dass sie sich der politischen Dimension der Wahl bewusst sei, appellierte zugleich jedoch auch an die Stadträte, ihre Freiheiten zu nutzen. Sie wolle frischen Wind in das Sozialdezernat bringen, der angesichts der Großbaustellen notwendig sei. Als Beispiele nannte sie Probleme bei der Kitaplatzvergabe und eine immer weiter auseinandergehende soziale Schere in der Stadt.

Diese Baustellen wird jedoch auch zukünftig Thomas Fabian bearbeiten. Der Amtsinhaber erhielt 45 Stimmen, Liebscher 20. Zwei Stimmen erhielt der von NPD-Mann Ufer nominierte arbeitslose Arzt Wilfried Meißner. Nach dem Oberbürgermeister Burkhard Jung ihn dafür kritisiert hatte, dass er sich als Demokrat von der NPD nominieren ließ, attackierte Meißner Jung scharf und warf ihm vor, selbst antidemokratisch zu sein.

Klarer Sieg für Rosenthal

Weniger aufregend war hingegen die erste Wahl des Tages. Sie geriet für den alten und neuen Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal zu einem Triumphzug. Der Kandidat der Linken erzielte mit 64 der 70 abgegebenen Stimmen das beste Wahlergebnis in der Geschichte der Leipziger Beigeordnetenwahlen. Hinzu kamen fünf Enthaltungen und ein Votum für Ludger Hinsen, der von NPD-Stadtrat Klaus Ufer nominiert worden war.

»Die Stimmenzahl hat mich positiv überrascht«, erklärte Rosenthal nach der Wahl. Zuvor hatte er in seiner Bewerbungsrede die Arbeit aller drei zur Wiederwahl angetretenen Amtsinhaber gelobt und die Lebensqualität der Stadt betont. Als wesentliche Aufgaben seiner zweiten Amtszeit nannte er die Erstellung neuer Energie- und Klimaschutz- sowie Hochwasserschutzkonzepte und eines Präventivkonzepts für mehr öffentliche Sicherheit.

Bereits im Mai wählte der Stadtrat Dorothee Dubrau zur neuen Beigeordneten für Bau und Stadtentwicklung. Sie ist die einzige Frau in der Riege der sieben Bürgermeister und die erste grüne Beigeordnete. Dubrau tritt ihr Amt im Juli an. Ein Interview mit ihr gibt es in der Juli-Ausgabe des kreuzer.

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