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»Da wird Kacke injiziert – interessant!«

Night of the Living Nerd: Tobias Ossyra über Wissensdurst bei Biervermittlung

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Staunen und lernen und Bier trinken: Bei der Nerd Nite trefffen sich nicht nur Nerds, sondern Menschen mit Ahnung und Lust auf Kaltgetränke. Der Leipziger Gastgeber Tobias Ossyra über Konzept, Lerneffekt und Katzenbilder, die Computerchips erklären.

kreuzer: Was zur Hölle ist eine Nerd-Nite?

TOBIAS OSSYRA: Mal wieder so ein Ami-Import: Das Konzept hat ein Doktorand aus Boston erfunden, der in seiner Stammkneipe mit Beamer und Laserpointer von seinen Forschungsreisen in Afrika berichtet hat. Dieser Mix aus Fachsimpelei und Kneipenkultur kam so gut an, dass sich heute weltweit in mehr als 80 Städten Leute mit einem Bier in der Hand vor eine Powerpoint-Präsentation stellen und dem Publikum erklären, wie ein 3-D-Drucker funktioniert. Oder wann die Menschheit durch Roboter ersetzt werden wird. Oder welche Ideen sich »Star Wars« mit griechischen Mythen und der Bibel teilt.

kreuzer: Sind Nerds bei ihren Hobbys nicht besser aufgehoben?

OSSYRA: Nerds sind Experten, die unbedingt auf unsere Bühne müssen, um ihr Wissen zu teilen, um Forschung mit einem Knalleffekt zu demonstrieren. Wer als Zuschauer zur Nerd-Nite ins Beyerhaus kommt, kann gern einfach nur saufen. Aber ohne Aha-Momente wird er nicht nach Hause gehen. Apropos Hobbys: Hatte ich schon den Typen erwähnt, der mithilfe von Kurzschlüssen in Kinderspielzeugen Techno gemacht hat? Viel zu schade für den Keller!

kreuzer: Wer kann sich melden?

OSSYRA: Die Bühne ist offen für alle, die sich in einem Thema gut auskennen. Man muss kein Doktorand sein, ja nicht einmal Student. Ein gewisser Kenntnisstand reicht aus, das darf auch gern skurril sein. Wir hatten mal einen Gamer, der »The Legend of Zelda« zum besten Konsolenspiel aller Zeiten erklärte. Unsere Nerds lassen ihre Drohnen durch den Saal fliegen, basteln Molekül-Modelle aus Luftballons, packen die Gitarre aus, um über Psychoakustik zu dozieren. Blamiert hat sich noch keiner, das Publikum ist durch viele Stammgäste fast schon zur Familie geworden.

kreuzer: Wie groß ist das Themenspektrum und was würden Sie gern mal sehen?

OSSYRA: Von der automatischen Erkennung von Schimpansenlauten über Islamophobie in Heavy-Metal-Videos bis zur physikalischen Erklärung, wie man eine 80-Kilo-Last aushaltende Sandburg baut, hatten wir alles in den fünf Jahren dabei. Einer erklärte mit Katzenbildern, wie ein Computerchip aufgebaut ist, ein anderer erzählte, warum ein Fahrstuhl von der Erde ins Weltall nur einen Bruchteil der Kosten eines Raketenstarts benötigen würde – und längst umsetzbar wäre. Am interessantesten war für mich aber das Referat über Stuhltransplantationen. Ja, richtig, da wird die Kacke eines gesunden Menschen in den Darm eines kranken Patienten injiziert; mit beeindruckender medizinischer Erfolgsquote bei chronischen Darmerkrankungen. Was ich gern sehen würde, wäre ein Hacker, der sich live in den Zentralcomputer der Sparkasse Leipzig einloggt. Ernsthaft, niemand kennt Hacker bei der Arbeit, das will ich sehen. Ich würde einen Kasten Mate als Treibstoff zur Verfügung stellen.

Nächste Nerd Nite: 8.12., 20 Uhr, Beyerhaus
https://de-de.facebook.com/nerdniteleipzig

Das Interview erschien in der Uni-Beilage u:boot.

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