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Kommerz und Kassenärzte

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Weihnachten für die nächsten vier Jahre steht unter der Herrschaft der dunklen Seite der Marketingmacht. Die Chancen auf ein nicht nur finanziell erfolgreiches Spin-off stehen allerdings in dieser Saison nicht schlecht. Gareth Edwards (»Monster«) wählt einen realistischen Ansatz und zeigt die schmutzige Seite des Sternenkriegs. So düster und dreckig war »Star Wars« noch nie. Wer es lieber erdverbunden und sozialrealistisch mag, dem sei der neue Film der Dardenne-Brüder empfohlen.

Film der Woche: Die ersten Szenen gehören Jenny Davin und ihrem Alltag. Ihre Arbeit als Kassenärztin, die vielfältigen Patienten und ihre Krankheiten, ihr Umgang mit dem Praktikanten Julien. In diesen Minuten passiert viel und durch jede Situation lernen wir Jenny besser kennen, noch bevor es zum Auslöser der berührenden Geschichte der Brüder Dardenne kommt. Die Belgier beobachten konzentriert die Arbeitswelt von Dr. Davin, öffnen mit jedem Patienten neue Schicksale und bleiben doch ganz bei ihrer Protagonistin. Der Arbeitstag der Ärztin ist stressig und lang und so macht ihr niemand einen Vorwurf, als sie eines Abends nicht mehr öffnet, als es klingelt. Es ist spät, die Praxis bereits geschlossen und Jenny unterdrückt ihren Impuls, die Tür zu öffnen auch aus Stolz gegenüber Julien. Ein folgenschwerer Fehler. Am nächsten Tag steht die Polizei vor ihrer Tür. Ein unbekanntes Mädchen ist in der Nähe tot aufgefunden worden. Sie war es, die am Abend zuvor geklingelt hatte. Die junge Frau lässt Jenny nicht mehr los. Sie zieht durchs Viertel und zeigt jedem ihr Bild, damit sie nicht ohne Namen beerdigt werden muss. Je mehr sie erfährt, desto mehr gerät sie in Gefahr. Jean-Pierre und Luc Dardenne sind Meister der Beobachtung. Ihre Filme sind realistische Milieuzeichnungen, authentische Porträts. Immer wieder stellen sie Frauen in den Mittelpunkt der Handlung, als willensstarke Kämpferinnen gegen die Ungerechtigkeit. Adèle Haenel, die demnächst neben Lars Eidinger in »Die Blumen von gestern« zu sehen ist, spielt Jenny mit jeder Faser. Selbst ihr minutiös gezeichneter Alltag birgt Spannung und Tiefe. Die Dardennes konzentrieren sich vollends auf ihr Leben in der Praxis und die Hausbesuche in ihrer Heimat Lüttich. Persönliche Details werden ausgespart – und doch weichen wir am Ende nur ungern von Jennys Seite und lassen sie allein mit den Schicksalen ihrer Stadt. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»Das unbekannte Mädchen«: ab 15.12., Passage Kinos

»Star Wars« scheint bei Disney in guten Händen zu sein. Nach dem großartigen siebten Teil der Skywalker-Familiensaga kommt nun das erste Spin-off in die Kinos. Eine Geschichte ganz ohne die etablierten Figuren, in einer anderen Gegend der weit, weit entfernten Galaxis. Als Roman, Videospiel, Fernsehfilm oder TV-Serie gab es solche Auskopplungen schon immer, aber »Rogue One: A Star Wars Story« ist die erste große Kinoproduktion dieser Art. Der Film von Gareth Edwards spielt kurz vor den Ereignissen des ersten »Star Wars«-Films aus dem Jahr 1977. Während auf Tatooine ein nichtsahnender Luke Skywalker höchstens mit der Pubertät zu kämpfen hat, ist die Rebellion, in die er in Kürze verstrickt werden wird, bereits in vollem Gange. Eine Gruppe Widerstandskämpfer soll die Baupläne einer neuen Superwaffe des Imperiums erbeuten: des Todessterns. Fans wissen, dass es diese Pläne sind, die die Ereignisse in der ursprünglichen »Star Wars«-Trilogie erst in Gang setzen. »Rogue One« erzählt, wie die Rebellen sie erbeuten. Ganz klassisch stellt Edwards zunächst seine Protagonisten vor, allen voran die Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones) und den Spion Cassian Andor (Diego Luna), um sie schließlich eine schwer bewachte Basis des Imperiums infiltrieren zu lassen. »Rogue One« ist toll besetzt, von den Haupt- bis in die Nebenrollen. Hinter dem Droiden K-2SO verbirgt sich Alan Tudyk (Pilot Wash aus »Firefly«), Mads Mikkelsen (»Hannibal«) gibt einmal nicht den Bösewicht, und sogar ein Toter spielt mit: Mit Hilfe von mächtiger CGI-Technik haben die Macher den 1994 verstorbenen Peter Cushing als Grand Moff Tarkin zum Leben erweckt. Dass der Schauplatz des letzten Aktes aussieht wie ein tropisches Inselparadies, ist ein gelungener Kontrast zu der vergleichsweise düsteren, ernsten Atmosphäre des Films. Es wird viel gekämpft – und gestorben. »Rogue One« ist mehr Spionagethriller oder Kriegsfilm als Sci-Fi-Märchen. Die Erzählung ist nicht episch angelegt, sondern setzt voll auf Spannung und Action. Trotzdem gelingt es Edwards, den Look und die Stimmung der Originale zu transportieren, und das ganz ohne Harrison Ford oder Mark Hamill. Spätestens beim großartigen Finale erreicht »Rogue One« das hohe Niveau von Episode VII – mit einem Kunstgriff, der zeigt, wie sorgfältig Disney mit dem großen Erbe einer der wichtigsten Science-Fiction-Filmreihen umgeht. Mehr davon! ALEXANDER PRAXL

»Rogue One: A Star Wars Story«: ab 15.12., Passage Kinos (OF), CineStar (DF/OF), Regina Palast, Cineplex

Flimmerzeit_November_2016

 

Weitere Filmtermine der Woche

Best of 2016
Die Kinobar Prager Frühling lässt das Filmjahr 2016 Revue passieren. Mit dabei u.a. der irrwitzige »The Lobster«, der Überraschungshit »Raving Iran« und der soeben fünffach mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnete »Toni Erdmann«.
Ab 16.12., Kinobar Prager Frühling

Surffilme
Drei der besten Filme in der beliebten Surffilmreihe: »The Accord«, »Freezing« und »Faroes«.
18.12., 20.30 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Come to my Voice
Als das türkische Militär alle jüngeren Männer eines kurdischen Bergdorfs verhaften lässt, weil sie Waffen versteckt haben sollen, wird es auch für die restliche Dorfgemeinschaft schnell höchst problematisch. Denn: Waffen gibt es gar keine, wohl aber das Angebot der Armee, dass die Männer freikommen, wenn ihre Familien diese herausgeben. – Kurdische Filmtage
19.12., 20 Uhr, Cineding (OmU)

Filmriss Filmquiz
Der Vorhang hebt sich, die Titelmusik beginnt, ein Geistesblitz und ihr seid um ein T-Shirt reicher. Ein Auto fährt vor, Bruce Willis steigt aus, ihr wisst Bescheid und die DVD gehört euch. Ihr singt die Bond-Songs unter der Dusche und werft eurem Spiegelbild nen Schwarzenegger-Spruch entgegen, wenn keiner hinhört? Dann seid ihr hier genau richtig. André Thaetz und der Autor dieser Zeilem belohnen euer Talent mit Bergen voll Goodies, Merch und Krempel aktueller Kinoproduktionen.
20.12., 20 Uhr, Conne Island

Trickfilmpremiere
»Flucht nach vorne – Blick zurück« & »Ich – was bleibt?«
20.12., 19 Uhr, naTo

Young Animation – from Mysterious to Marvellous
Best of Vorfilm 2016 mit anschließendem Gespräch mit Filmemacher/innen: Experimentierfreude, innovative Filmideen, überzeugende Geschichten und überraschende Animationstechniken: In drei Blöcken wird ein Best-of des Programms »Young Animation« präsentiert, unter dessen Titel alle Animationsfilme im Jahr 2016 als Vorfilme im regulären Programm der Cinémathèque zu sehen waren.
21.12., 20 Uhr, Cinémathèque in der naTo

Internationaler Kurzfilmtag
Am kürzesten Tag des Jahres präsentiert das UT Connewitz mit »Oberhausen on Tour« eine Auswahl aus dem diesjährigen Internationalen Wettbewerb und Kurzfilme zum Thema »Zur Rettung der Popkultur« des bekannten Festivals. Darunter sind animierte und dokumentarische Beiträge aus Deutschland, den Niederlanden, Philippinen, Polen und Großbritannien. Auch in der Kinobar und in der Cinémathèque laufen kurze Publikumslieblinge.
21.12., 20, 22 Uhr, UT Connewitz

Short Attack – Best of Golden Shorts 2016
Kurzfilmrolle mit den besten 11 Filmen vom interfilm Festival Berlin in 90 Minuten.
21.12., 20.15 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Horror-Doppel mit Donis
Der herrlich trashige »Turbo Kid (CAN/NZ 2015) und »Der Planet Saturn läßt schön grüßen« (USA 1977)
22.12., 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Dreamgirls
Mit »Dreamgirls« hat Regisseur Bill Condon eine gelungene Verfilmung des gleichnamigen Broadway-Musicals von Henry Krieger und Tom Eyen hingelegt. In einer der Hauptrollen: Beyonce Knowles, die als eine der Sängerinnen von »The Dreamettes« von einem kleinen Detroiter Club aus in den 1960er Jahren auf Tour durch die USA gehen. Anschließend lädt die Kinobar zur Beyoncé-Knowles-Disko ins Ilses Erika.
23.12., 21 Uhr, Kinobar Prager Frühling

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