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Editorial 01/2017

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Januar-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe berichtet, was es im neuen Heft zu lesen gibt.

Du böser, böser, böser Wurm! Ja, da hat Herr Dr. Martin Luther ganz schön gemeckert über unser schönes Leipzig (vgl. Editorial kreuzer 12/2016). Aber das Zitat ist nun mal so überliefert. Und es geht noch weiter: Den Untergang prophezeite er der Heldenstadt – inklusive genauer Jahreszahlen. Dass es dann doch anders kam, konnte Luther nicht wissen, denn schon vor Ablauf der Frist für Leipzig holte sein Herr Jesus ihn zu sich – oder auch nicht, wer weiß das schon?

Sicher ist, wir biegen nun ein in die Zielgerade der Luther-Dekade, mit der der 500. Jahrestag des Thesenanschlags (den es vermutlich gar nicht gab) gefeiert werden soll. Bei all der Feierei, die auch in Leipzig mit einem Kirchentag begangen wird, sollten die unappetitlichen Seiten der Person Luther nicht vergessen werden. Neben seinem brennenden Leipzig-Hass fiel er bekanntermaßen auch durch glühenden Antisemitismus auf. Seinen öffentlich geäußerten Wunsch, »dass man ihre Synagoga oder Schule mit Feuer anstecke«, erfüllten ihm die Nazis just in der Nacht zu Luthers Geburtstag, dem 10. November 1938 – und waren damit nicht die Ersten, die sich in ihren Schreckenstaten auf ihn beriefen. Worten des Hasses werden Taten folgen, das ist eine ganz aktuelle Lektion, die uns Luthers Geschichte erteilt.

Naturgemäß befassen wir uns in unserem Blick auf den Reformator aber mit dessen Rolle für Leipzig. Nett wird es nicht auf den Seiten 18 bis 23, wo kreuzer-Redakteur Tobias Prüwer über so manchen Wutanfall des berühmtesten Augustinermönches der Welt berichtet.

Einen lang gehegten Wunsch erfüllten wir uns in der Produktionszeit zu diesem Heft kurz vor Weihnachten: Wir holten Daniel Heinze und Guido Corleone, die Herren vom Blog Heldenstadt, ins große Interview. Ganz einfach waren sie nicht zu händeln. Erst wollten sie das Interview nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern nur per Mail führen, doch das fanden wir doof, vor allem bei einem so großen Interview macht das wenig Sinn. Schließlich kamen sie aber doch vorbei in der kreuzer-Zentrale. Dann waren sie nur nach langer Überredung für ein Foto vor die Linse zu kriegen, auf dem Herr Corleone aber nicht zu erkennen sein durfte. Er versteckt sich nun im Weihnachtsbaum. Na ja. Dabei sind sie doch so lustig, klug und gutaussehend! Aber eben auch richtige Diven. Am Ende kam was Tolles dabei heraus, nachzulesen ist es ab Seite 24.

Tja, und dann war da noch der große Knall: Mitte Dezember wurde bekannt, dass Grit Lemke nach 26 Jahren die Arbeit am Dok Leipzig aufgibt. Lemke war so was wie das Herz des Festivals. Viele Jahre leitete sie die Programmauswahl, suchte also aus, was wir, versunken in Kinosesseln, zu sehen bekamen. Sehr, sehr viel von dem, was das Dok ausmachte, geht auf ihre Kappe. Ganz freiwillig ging sie nicht – und da fängt der Ärger an, besser gesagt: gelangt er nun an einen Höhepunkt. Denn schlecht ist die Stimmung schon lange beim Leipziger Dokumentarfilmfestival, hinter den Kulissen wird so einiges gemunkelt und im Zentrum der Kritik steht Festivalchefin Leena Pasanen, mit der ein neuer Wind einzog beim Dok in Leipzig. Ob der Gutes bringt oder nicht, muss die Zukunft zeigen. Aktuell sieht es zumindest so ziemlich nach Katastrophe aus. Lesen Sie die Hintergründe in unserer Geschichte auch hier.

Und last but not least: Ein Jahr ist mal wieder geschafft und darum rufen wir auf zur großen kreuzer-Cover-Wahl des Jahres 2016! Zwölf Kandidaten stehen zur Auswahl – und Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind gefragt, den tollsten, hübschesten, lustigsten zu wählen. Oben im Bild sehen Sie sie alle noch mal, ab sofort schalten wir wieder unser Wahltool frei. Stimmen Sie mit!

Liebe und Frieden wünsche ich Ihnen im Jahr 2017!

ANDREAS RAABE

chefredaktion@kreuzer-leipzig.de

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Dein Kommentar

  1. So oder So | 1. Januar 2017 | um 20:13 Uhr

    „unser schönes Leipzig“ Eine positive Aussage über die Stadt als Ganzes? Wo der Kreuzer doch fast nur in die öffentliche Hand beißt oder, wenn diese nicht füttert, selbige beklagt und verhöhnt.
    Aber dann wird auch gleich die Volkshochschule ausgepackt um in die eingeübte Position überzugehen: Leipzig feiert Luther, den geistigen Vater des größten Verbrechens… Ward Ihr es nicht die in der letzten Ausgabe (fast) ganz Sachsen an den Nagel gehängt habt?
    Also alles wie im alten Jahr? Wann werdet Ihr verstehen, dass auch Ihr euch ändern müsst damit sich was ändert? Die erhabene Pose ablegen, ja, dass wäre ein Anfang.

  2. g h | 4. Januar 2017 | um 22:22 Uhr

    Aber wir beim Kreuzer sind doch ganz toll!
    Links! Weltoffen!! Tolerant!!! etc.

    Pose ablegen? – Wo kommen wir da hin?
    Eigenes Weltbild hinterfragen? – Wer macht denn sowas?