Startseite / Filmkritik / So geht lustig

So geht lustig

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

Größeres Bild

In dieser Woche startet mit »Love & Friendship« eine Adaption des Jane Austen Romans »Lady Susan« und die internationale Presse überschlägt sich mit Lobeshymnen ob des scharfsinnigen Humors und der wundervollen Darsteller dieser so gar nicht angestaubten Historienkomödie. In dieser Woche startet auch »Vier gegen die Bank«, mit dem Wolfgang Peterson seinen ersten Film seit seinem Box Office-Debakel »Poseidon« vor zehn Jahren und seinem ersten deutschen Film seit »Die unendliche Geschichte« von 1984 vorlegt. Eine sichere »Bank« mag man meinen, drehte Peterson doch ein Remake seiner lässigen TV-Komödie von 1976 mit vier der (warum auch immer) angesagtesten Schauspieler des Landes. Dafür gabs bestimmt reichlich Förderung und erwartungsgemäß setzte sich das Star-Vehikel am Startwochenende (gemeinsam mit »Rogue One«) an die Spitze der Kinocharts. Nur: alles an »Vier gegen die Bank« wirkt bemüht, verkrampft und furchtbar unlustig. Auch im ausgehenden Jahr 2016 hat der deutsche Film nichts gelernt und es sieht auch nicht danach aus, als würde sich das in naher Zukunft ändern.

Film der Woche: Als Jane Austen 1817 starb, hinterließ sie einen unvollendeten Roman. Erst ein halbes Jahrhundert später veröffentlichte ihr Neffe die Geschichte unter dem Titel »Lady Susan«. Der amerikanische Regisseur Whit Stillman, der mit der Highschool-Komödie »Algebra in Love« bereits die Machenschaften einer Gruppe Mädels um Greta Gerwig an ihrem College in Anlehnung an Austens Werk inszenierte, nahm sich dieser Geschichte nun an. Er erweiterte die ungewöhnlich heitere Konstellation, die sich fast vollends auf Lady Susan und ihr Umfeld konzentrierte, um weitere Figuren und bewahrte den Geist Austens. Lady Susan Vernon ist nach wie vor Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Die schöne, junge Witwe muss – mann- und mittellos wie sie ist – eine neue Heimstatt für sich und ihre Tochter Frederica suchen. Die schiebt sie fürs Erste in ein Internat ab und kommt auf Churchill unter, dem Anwesen ihres Schwagers Charles und dessen Frau Catherine Vernon. Dort macht sie sich an Reginald DeCourcy ran, Mrs. Vernons jüngeren Bruder. Doch auch Lord Manwaring folgt ihr, willenlos ergeben. Auf intrigante Art spielt sie die Anwärter gegeneinander aus und hat ihren Spaß dabei – und so geht es auch den Freunden prunkvoll ausgestatteter Historienfilme. Ein gewitztes Vergnügen für das Kinoherz. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Love & Friendship«: ab 29.12., Passage Kinos

Seit seinem ersten Film beschäftigte sich der kanadische Regie-Shooting-Star Xavier Dolan mit seinen schwierigen Familienverhältnissen. Die Hassliebe zu seiner dominanten Mutter hat er immer wieder in autobiografisch angehauchten Filmen thematisiert. Sein neuester Streich basiert nun auf einem Bühnenstück aus der Feder von Jean-Luc Lagarce. Dennoch enthält auch dieses überschaubare Familiendrama die Lieblingsthemen Xavier Dolans, weswegen er sich wohl von dem Stoff angezogen fühlte und ihn sich ganz zu eigen gemacht hat. In der ersten Szene erzählt uns Protagonist Louis als Off-Sprecher, dass er nach zwölf Jahren Abwesenheit wieder in sein Elternhaus und zu seiner Familie zurückkehrt, um sie von seinem baldigen Tod zu unterrichten. Eine schwere Bürde, die es im richtigen Moment auszusprechen gilt. Aber zunächst einmal muss er wieder warm werden mit seiner dominanten Mutter, seinem missmutigen älteren Bruder und dessen ihm bislang noch unbekannter Ehefrau und mit seiner jüngeren Schwester Suzanne, die Louis auch kaum kennt. Man unterhält sich über Banalitäten und Alltägliches, versucht, die entstandene Lücke und Distanzierung zwischen einander zu überbrücken und gerät schon recht schnell wieder in aggressivem Ton aneinander. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit der erschütternden Neuigkeit herauszurücken? Den Bühnenursprung des Stoffs lässt uns Xavier Dolan bald schon vergessen, denn sein Inszenierungsstil ist auch hier wieder einfalls- und abwechslungsreich. Die Familienmitglieder gehen auf unterschiedliche Weise mit der jahrelangen Abwesenheit des verlorenen Sohnes um, verzeihen ihm, wagen vorsichtig neue oder erste Annäherungen oder machen ihm bittere Vorwürfe. All diese Reaktionen sind authentisch und nachvollziehbar entwickelt. Ein symbolträchtiges und intensives Drama, das mit einer erstaunlichen Schlussszene wirkungsvoll endet.

FRANK BRENNER

»Einfach das Ende der Welt«: ab 29.12., Passage Kinos

Als Maria Beatrice Morandini Valdirana, selbsternannte Gräfin und Kosmopolitin, den Bus betritt, wird sie von Männerhänden unter lautstarkem Protest wieder heraus befördert. Beatrice bewohnt das Sanatorium Villa Biondi, eine psychiatrische Anstalt. Das Gericht hat entschieden, dass sie eine Gefahr für Sich und Andere darstellt. Doch Beatrice behauptet hartnäckig, dass alles nur ein Missverständnis sei. Ihre aufbrausende Art treibt alle in den Wahnsinn. Dann wird Donatella eingeliefert. Ihr tätowierter Körper trägt eine geschundene Seele. Die laute Beatrice hat es auf die stille, junge Frau abgesehen und glaubt, in ihr eine Verbündete gefunden zu haben. Gemeinsam büxen die beiden aus. Es beginnt ein höchst vergnüglicher Roadtrip, der es in den ruhigen Momenten vermag seinen Figuren Tiefe zu verleihen und seine Spannung aus der Vorgeschichte der beiden Frauen bezieht, die Regisseur Paolo Virzì erst nach und nach dem Zuschauer offenbart. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Die Überglücklichen«: ab 29.12., Passage Kinos

Flimmerzeit_Dezember_2016

 

Weitere Filmtermine der Woche

Die Feuerzangenbowle

Mit Glühwein und Gebäck zeigen die Passage Kinos pünktlich zum Jahreswechsel einmal mehr den piefigen Klassiker »Die Feuerzangenbowle«, in dem sich Heinz Rühmann als Gymnasiast tarnt, um nie gemachte Pennälerstreiche nachzuholen.

31.12., 15, 17.30 Uhr, Passage Kinos

Land am Wasser

Ein Geisterdorf auf Kohle bei Weißenfels. Geblieben sind nur der Schlosser, der Bauer und der Norbert. Liebevolle Zeichnung vom zähen Rest in einer abgeschlagenen Region. Gewinner Deutscher Wettbewerb DOK Leipzig 2015. Fokus Mitteldeutsches Revier – im Rahmen der Ausstellung »Schichten« im D21 Kunstraum

3.1., 18.30 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Schmerzen der Lausitz

Die Dokumentarfilme »Schmerzen der Lausitz« (DDR 1989) und »Auf der Kippe« (D 2015) werfen einen Blick auf den Bergbau in der Lausitz, damals und heute – im Rahmen der Ausstellung »Schichten« im D21 Kunstraum

4.1., 18.30 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Horror-Doppel mit Donis

Zur Wiederaufführung von Dario Argentos »Opera« gibt es diesmal ein Spezial des legendären Horrorregisseurs von Genre-Conaisseur Donis.

Luru-Kino in der Spinnerei Mittwoch 4.1., 20 Uhr

The Chinese Mayor

Die Geschichte eines umstrittenen kommunistischen Bürgermeisters, der Hunderttausende Menschen umsiedelte, um eine historische Stätte für den Tourismus aufzumöbeln. Ein facettenreiches Bild des kontemporären China.

4.1., 19 Uhr, Konfuzius-Institut Leipzig (OmU)

Queere Filmwoche

Vom 5.–11.1. gibt es wieder schwulesbisches Kino im UT Connewitz und in der Kinobar Prager Frühling. Eröffnet wird die Reihe heute mit »Audre Lorde – The Berlin Years 1984 to 1992«, einem dokumentarischen Porträt der einflussreichen amerikanischen Dichterin, und »Die Taschendiebin«, Park Chan-Wooks Adaption von »Fingersmith«.

Freistatt

Der 14-jährige Wolfgang landet in der kirchlichen Fürsorgeanstalt Freistatt. Eine aufwühlende Story um den Kampf eines Jungen gegen Gewalt und Unterdrückung.

5.1., 15 Uhr, Filmclub KassaBlanka

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Kommentare sind deaktiviert.