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Event schlägt Inhalt

Viele Menschen und viel Malerei auf dem Spinnereirundgang

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Der Winterrundgang und ein sonniges Nachmittagswetterchen zogen am Samstag einige Besucher auf die Spinnerei. Es gab Kunst zu sehen, viel wurde auf Leinwänden geboten. Aber abseits davon scheint manchmal mehr Potenzial zu schlummern.

»Augen auf und dabei nicht blenden lassen!«, so lautete das Motto des kreuzer-Tipps für den Spinnereirundgang. Dabei war in erster Linie nicht die Sonne gemeint, die sich passend zum Termin ab Samstagmittag zeigte, sondern die Kunst an den vielen Orten mit den sehr vielen Menschen.

Die Malerei hatte die Spinnerei wieder fast vollständig im Griff. Dafür fielen die nicht auf Leinwänden gereichten Kunstarbeiten um so stärker auf. Die Welt vermeldete am Wochenende reichlich kalauernd auf den Kunstmarktseiten »Malerei ist Spinnerei« und so konnte beispielsweise Jochen Hempel nichts falsch machen mit Arbeiten von Theun Govers. Der in Den Haag lebende Maler lässt in unaufgeregten Farbnuancen Raumkompositionen neben Ornamenten auftreten. Einige Türen weiter sind die Arbeiten von Uwe Kowski zu sehen. Die grüne Wand, die den Eingangsbereich zum großen Showroom versperrt, ist mit dem Titel »Matrix« versehen. Nach dieser formalästhetisch strengen Einlasssituation sind auf den Leinwänden sehr viele Dinge zu erahnen. Die immerwährenden Gedanken bei ihrem Anblick kreisen um: »Das kenne ich doch? Wo habe ich das bloß schon einmal gesehen?« So passt der Titel ganz gut, und das war es dann aber auch schon.

In der Galerie Dukan reichte der Wandplatz für die Arbeiten von Jakub Matuška aka Masker nicht aus. Auf dem Boden und an Pfeilern stehen die Werke des tschechischen Malers. Als ein Kind seinen Zeigefinger in Richtung Leinwände streckte und laut rief: »Ein Hund«, suchten einige Augenpaare die grellen Farboberflächen ab und wollten ebenfalls das Tier sehen. Aber so einfach ist die Malerei schon lange nicht mehr. Zumal der Künstler seine Farb- und Formwelten mit virtueller Unterstützung entstehen lässt. Es ließe sich hierbei wieder der Faden zu früheren Debatten über analoge und digitale Malerei aufnehmen.

Bei Aspn teilen sich Matthias Reinmuth, der sein Studium bei Baselitz in Berlin abschloss, und Stephanie Stein die Wände. So werden der Malerei von Reinmuth, die sich nebulös gibt, um fast im Hintergrund zu verschwinden, die strengen Objekte der Rosemarie Trockel-Schülerin Stephanie Stein gegenübergestellt.

Thaler Originalgrafik wartet mit neuen Arbeiten von Sebastian Speckmann auf. Dessen Linolschnitte erfahren erstmals eine Farbigkeit. Die Motive der verlassenen Orte und Landschaften bleiben erhalten.

Im Raum von ehemals Alabama Sir steht eine Tür zur Betrachtung. Sie wurde von David Schnell gestaltet und verschließt ab dem Frühjahr in Naumburg die Johanniskapelle. Sie präsentiert formal den derzeitigen Schnell’schen Trend zur Vertikale und passt damit vorzüglich zur Naumburger Kapelle, die bereits seit 2014 zwei vom Künstler gestaltete Fenster besitzt. Die Kapelle entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und ihre Form orientiert sich an der französischen Kathedralgotik, die es am liebsten sehr steil mochte.

Die Galerie Kleindienst traute sich, den großen Ausstellungsraum abzudunkeln. Dort ist Carsten Tabels Film »Beaver« zu sehen. Zum Rundgang blieben die Kinostühle vor der Projektionswand, um sich den 26-Minuten-Film in Ruhe anzusehen, weitgehend leer. Aber das ist ja die Krux. Event schlägt Inhalt. Daher sei ein Spinnerei-Besuch mit genügend Muße an Bord an einem normalen Tag empfohlen. Die meisten Ausstellungen sind bis Ende Februar zu sehen.

http://www.spinnerei.de

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