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Kunst und Geld

Bekannte Künstler stellen im Ortloff aus

Ruckhaeberle, Von Wedemeyer, Schnell, Foto: Sophia Kesting Größeres Bild

Der Lindenauer Kunstraum Ortloff zeigt Kunst, die verkauft werden muss, um weiter als Offspace existieren zu können. Unter anderen sind Neo Rauch, David Schnell und Astrid Klein dabei. UPDATE: Das Haus wurde inzwischen gesperrt.

Es gibt diese immer wieder gern erzählte Geschichte »Die Verachtung« von Max Goldt: Der Ich-Erzähler beschreibt darin sehr eindringlich den Schrecken, der ihn übermannen würde, wenn er eines Morgens sein Wohnzimmer beträte und dort 200 Grafiken von Günter Grass an den Wänden hingen

Die heimische Wand muss vor dem eigenen Geschmack bestehen. Ein Kunstraum dagegen sollte idealerweise frei von geschmäcklerischen Anwandlungen mit Ausstellungen Geschichten erzählen, bisher Unbekanntes bergen oder einander Nichtbekanntes so miteinander verquicken, dass sich Publikum, Künstler und Macher über die Begegnung freuen. Der direkte kommerzielle Erfolg bleibt vorrangig ungedacht. Dafür sind gemeinhin Galerien zuständig.

Das Ortloff am Ende der Jahnallee, gleich um die Ecke der Straßenbahnhaltestelle Angerbrücke, zeigt seit einigen Jahren vor allem sehr junge Kunst und noch einiges mehr. Nach außen fiel an der Ladenfassade neben den kaum Einblick gebenden Fenstern eine metallene Tür auf, die irgendwie Pomp aus DDR-Zeiten versprühte. Das ändert sich nun. Wie das einige hundert Meter Luftlinie entfernte D21 wurde auch hier das Ganze aufgemöbelt: neuer Fußboden, Heizung (bald) und eine richtige Glasfront zur Straße hin, die zeigt, was im Inneren geboten wird.

Bis Ende Februar lautet das Ausstellungsmotto »Our Teenage Dreams so hard to beat«. Im Gegensatz zu den sonst hier Ausstellenden hat sich eine illustre Runde von Netzwerkern versammelt, die den Raum durch den Verkauf ihrer Arbeiten unterstützen wollen. Ungewöhnlich klingen die Namen für diesen Ort allemal. Die älteste Arbeit stammt von Clemens von Wedemeyer, heute HGB-Professor für Medienkunst. Er kam Mitte der neunziger Jahre zum Studium nach Leipzig. Seine Schwarz-Weiß-Fotografien mit dem Titel »Leipzig Sommer 1995« zeigen skurrile Imbissmotive, Biermüßiggängster vor dem Konsum, Plattenbauten und lassen ein bisschen von der Atmosphäre aufleben, wie Lindenau vor ein paar Jahren noch aussah.

David Schnell, Christoph Ruckhäberle, Famed, Matthias Weischer präsentieren die für sie typischen Arbeiten von Leinwänden bis zum Leuchtobjekt. Aus der Gruppe herausfallen Neo Rauch mit zwei Zeichnungen und eine große Wandarbeit von Astrid Klein, die sich im neuen Ortloff-Ambiente nun ganz galerieschick präsentieren. Sinn und Zweck der Schau bestehen nämlich vor allem darin, dass durch den Verkauf der Arbeiten individuell mit den Künstlern und Galerien verhandelte Prozente dem Ortloff zugute kommen. Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen förderte die Verkaufsausstellung gar finanziell.

Wer nun Kunst an seine eigenen Wände hängen möchte, der kann die Arbeiten bis Ende Februar erst einmal jeweils am Wochenende in Augenschein nehmen und sich dann entscheiden. Bisher sind laut Ortloff-Macher Georg Weißbach noch alle Arbeiten zu erwerben. Die Preise liegen im fünfstelligen Bereich.

UPDATE: Das Haus ist gesperrt worden. Die Macher des Ortloffs teilten am 31.1. mit:

Liebe Freunde, liebe Unterstützer und Interessierte, wie es sich bereits hinreichend herumgesprochen hat, ist das Haus, in dem sich der Kunstraum Ortloff befindet, vor kurzem durch das Bauamt gesperrt worden. Die Ursache für die Sperrung liegt in Mängeln, welche im Kellerbereich des Gebäudes festgestellt wurden. Die Sperrung erfolgte mündlich nach einer Begehung mit Vertretern des Bauamtes. Sowohl für den Statiker des Hausbesitzers als auch für uns kam die komplette und sofortige Sperrung des Gebäudes sehr überraschend. Der Hausbesitzer hat daraufhin umgehend reagiert und Abstützmaßnahmen nach Statikerempfehlung durchführen lassen. Er befindet sich nun im Gespräch mit der Behörde. Obgleich uns ein schriftlicher Bescheid derzeit noch nicht erreicht hat, sahen wir uns gezwungen, den Raum vorerst nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da nach Aussage des Statikers durch die erfolgten Maßnahmen kein Grund mehr für eine Sperrung vorliegt, hoffen wir auf eine baldige Aufhebung dieser. Euer Kunstraum Ortloff

Kunstraum Ortloff, Jahnallee 73, am Wochenende von 14 bis 18 Uhr geöffnet
http://www.ortloff.org

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