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Die Sportkolumne zu bewegten Körpern und dem ganzen Drumherum

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In den letzten Wochen ist viel passiert, mit womöglich weitreichenden Folgen für die Zukunft des Leipziger Sports: Der HCL kämpft ums Überleben und die U23 von RB wird abgeschafft.

Überlebenskampf beim HCL

Letzte Woche, Ernst-Grube-Halle. »Go West« von den Pet Shop Boys schallt in ohrenbetäubender Lautstärke durch die Ernst-Grube-Halle. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist der Handball Club Leipzig (HCL) hier wieder zu Hause, da die Leichtathleten in der viel größeren Arena um Titel kämpfen. Als die Leipziger Handballerinnen das Parkett betreten, um gegen den Aufsteiger aus Neckarsulm anzutreten, ertönt »Thunderstruck« von AC/DC. Dabei wäre vielen hier wohl eher nach »Highway to hell« zumute – und das obwohl die Spielerinnen am Mittwoch das dritte Ligaspiel in Folge gewannen und so aus dem ungewohnten unteren Tabellendrittel auf den vierten Platz kletterten.

Denn die Lage beim HCL ist prekär. Zwei Tage vor dem Spiel gegen Neckarsulm stellte sich der langjährige Manager Kay-Sven Hähner der Öffentlichkeit. 900.000 Euro benötigt der HCL zur vollständigen Entschuldung und muss Ende März zeigen, dass die Finanzen für die Bundesligalizenz der nächsten Saison gesichert sind. Diese Situation sei aber »nicht das Ende«, sagte Hähner. Eine halbe Million Euro soll über ein Unterstützerkonto eingesammelt werden und wenn ein tragfähiger Sanierungs- und Perspektivplan eingegangen ist, entscheidet auch die Stadt über ihre Unterstützung.

Die Fans bleiben ihrem Verein treu. »You’ll never walk alone« stand schon auf Bannern bei den Spielen in der Arena. In der Ernst-Grube-Halle herrschte am Samstagabend endlich wieder Handballatmosphäre, die nach den Niederlagen im europäischen Wettbewerb in den letzten Wochen sehr vermisst wurde. Fast tausend Fans waren laut Hallensprecher da und der blau-gelbe Fanblock mit seinen Trommeln und Fahnen gab alles. Auf den Trikots der Fans stand »Rekordmeister« oder »Deutscher Meister 2010«, Erinnerungen an vergangene Zeiten. Trotzig verkündete der Aufsteller vor dem Fanstand: »Jetzt erst recht!« – mit dem Gesicht der wieder gesundeten Spielerin Shenia Minevskaja.

Doch nur zwei Tage später verkündete sie, dass sie nach Metzingen wechselt – auch Anne Hubinger spielt nach Vertragsende im Sommer beim Konkurrenten Thüringer HC. Die langjährige Torhüterin Katja Kramarczyk wechselte bereits vergangene Woche zu Bayer Leverkusen.

Schon seit Wochen erklärt Trainer Norman Rentsch, dass der HCL »kleinere Brötchen« backen muss. Die Mannschaft war nach den Ausfällen von Leistungsträgerinnen sehr verjüngt in die Spiele gegangen. Die finanzielle Situation führt zwangsläufig zu einem neuen Leitbild: junge Nachwuchsspielerinnen aus dem eigenen Juniorteam statt internationaler Hochkaräter.

Derweil läuft die Unterstützungsaktion weiter. Bis Mittwoch kamen 25.000 Euro zusammen. Auf ebay werden Trikots und Werbebanner versteigert. Auch RB möchte die Vielfalt der Sportstadt Leipzig sichern und versteigert fünf Trikots aus dem siegreichen Spiel gegen Borussia Mönchengladbach. Zudem bietet er dem HCL beim Spiel gegen Köln am Samstag die Möglichkeit sich zu präsentieren.

Das Team zeigt sich nun nach vier Siegen am nächsten Samstag wieder in der Arena und tritt gegen Bayer Leverkusen an. Es spielen dann der Vierte gegen den Neunten, und Trainer Rentsch hofft, dass seine jungen Spielerinnen in der Bundesliga bestehen. Mit dem Erfolg kommen erfahrungsgemäß mehr Zuschauer und das ist den Mädchen nur zu wünschen.

Zuvor laden bereits am Mittwoch um 19 Uhr die Handballer des SC DHfK zum Heimspiel in die Arena. Frisch auf Göppingen wird zu Gast sein und DHfK spendet pro Eintrittskarte 2,50 Euro an den Nachwuchs-Förderkreis des HCL.

 

Aufgabe im Fußball

Als RB Mitte Februar verkündete, dass die U23, die in der Regionalliga spielt, abgeschafft wird, sorgte das für etwas Aufregung, denn Sportdirektor Ralf Rangnick hatte zuvor immer sehr stark für die Mannschaft argumentiert. Ende November 2015 erklärte er sogar, dass die zweite Mannschaft sich zur besten deutschen Nachwuchself entwickeln und in die 3. Liga aufsteigen solle. Das klang damals schon abenteuerlich, verlor doch wenige Tage zuvor die Mannschaft – gespickt mit sieben Spielern aus der 1. Mannschaft – ihr Heimspiel gegen den BFC Dynamo mit 1:2. Einige Wochen später verkündete Rangnick, dass der bisherige Trainer Tino Vogel, der in zwei Jahren die zweite Mannschaft aus der Sachsen- in die Regionalliga führte, von Robert Klauß abgelöst wird. Er erklärte noch Mitte Januar gegenüber der LVZ seine ambitionierten Ziele mit den Nachwuchskickern.

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Bayern München im Dezember wich Sportdirektor Rangnick der kreuzer-Frage nach seiner Einschätzung zur U-23 aus, doch zwei Monate später wurde er auf der eigens anberaumten PK sehr deutlich. Die Mannschaft werde abgeschafft, Grund sei die Terminfülle nach dem Aufstieg in die 3. Liga. Von der man vor einem Jahr allerdings auch schon gewusst haben könnte. Nun geht es ohne U23 weiter, um die »Toptalente« (Hasenhüttl) bereits in der B- und A-Jugend zu finden und unter noch professionelleren Bedingungen auszubilden. Welche Kaderspieler aus der U23 bleiben werden, wollte Rangnick nicht Preis geben. Fakt ist allerdings, dass von den vormals bezeichneten Toptalenten aus dem Nachwuchs, die einen Profivertrag erhielten, keins mehr in Leipzig ist.

Nach der Niederlage gegen Wacker Nordhausen (0:1) am letzten Sonntag wünscht sich der Trainer beim nächsten Heimspiel gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig am 5. März im Stadion am Bad in Markranstädt ein friedliches und sportlich faires Spiel. Seiner Meinung nach besitzen die Spieler genügend Eigenmotivation, um die Saison zu Ende zu spielen. Gegen Nordhausen war davon allerdings nicht so viel zu sehen, obwohl genügend Trainer und Funktionäre anderer Vereine dabei zuschauten.

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