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Widerständiges

Die Kinostarts im Überblick udn was sonst Filmisches in der Stadt passiert

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Gegenkino, das Festival des »unkonventionell Abseitigen, der experimentellen Filmästhetiken und grenzauflösenden Perspektiven« findet nun schon zum vierten Mal statt. Ein Leipziger Gewächs, das seine Wurzeln quer über die Stadt verteilt. Vom UT Connewitz, über die Schaubühne Lindenfels bis zum Luru Kino in der Spinnerei spannt sich das Netz aus Filmen, experimenteller Videokunst, Performance, Ausstellungen und Diskussionen. In diesem Jahr widmet das Gegenkino einen großen Teil des Programms dem Dokumentarischen als künstlerischen Blick auf politische und soziale Verhältnisse.

»Gegenkino«: 6.4. bis 16.4., UT Connewitz, LURU Kino, Schaubühne Lindenfels
www.gegenkino.de

Film der Woche: Ben Wheatley, der irrwitzige König des abseitigen Britfilms. Der letzte Schatten einer einstmals so vielversprechenden Kinolandschaft, der sich mit Mut zur Sperrigkeit Schubladen widersetzt, seine Filme angenehm hinrotzt, dabei Kinogeschichte inhaliert und auf Konventionen pfeift. Der bullige Brite trägt kein leichtes Pfund auf den Schultern, ist er doch der vielgepriesene Retter des Genrefilms. Mit »Down Terrace« und »Kill List« hat er sich einen Namen gemacht, ihn mit »Sightseers« auch hierzulande in die Feuilletons katapultiert und mit dem irren drogengeschwängerten Historienfilm »A Field in England« für Kopfkratzen ebendort gesorgt. Mit der dystopischen Ballard-Adaption »High Rise« hatte er zuletzt vor allem Schauwerte zu bieten. Jetzt kehrt er zurück ins dreckige Gangsterfach und die Liste der Namen wäre nicht so handverlesen, würde er sich auf dessen Konventionen verlassen. Das Szenario ist schnell umrissen: ein Waffendeal in Boston in den Siebzigern. Auf der einen Seite u.a. Armie Hammer als aalglatter Witwentröster und Sharlto Copley als Schmierlappen im Anzug, auf der anderen der waffengewandte Cillian Murphy und Sam Riley als Misfit, der das Chaos ins Rollen bringt. Dazwischen Justine, verkörpert von Brie Larson, die inmitten der Lager chargiert. Irgendwann geht irgendwie alles schief und alle finden sich, blutend, sabbernd, ballernd auf dem Boden eines entlegenen Lagerhauses wieder. Der Rest ist ein großer Spaß für Freunde bleihaltiger Unterhaltung.

»Free Fire«: ab 6.4., Schauburg, Cineplex

Sie waren jung, blickten erwartungsfroh in die Zukunft, fühlten sich in Breslau, der Stadt mit der damals in Deutschland drittgrößten jüdischen Gemeinde, beheimatet. Dann kam Hitler an die Macht. Ab diesem Zeitpunkt verbindet diese Heranwachsenden das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland als Juden: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie in alle rettenden Himmelsrichtungen und bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mitgewirkt. Ein Film von aktueller Brisanz, der aufzeigt, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Ein Film, der anhand der
Lebensschicksale der Protagonisten auch die Gründung des Staates Israel mit den Erfahrungen des Holocaust in Verbindung setzt.

»Wir sind Juden aus Breslau«: ab 9.4., Passage Kinos
Am 9.4. um 13 Uhr Premiere in Anwesenheit der Regisseure Karin Kaper und Dirk Szuszies

Flimmerzeit_März 2017

 

Weitere Filmtermine der Woche

Battle Royale
Aufgrund einer wirtschaftlichen Krise beginnen die Kinder gegen ihre Eltern zu regulieren und boykottieren die Schule. Um dem entgegenzuwirken, wird der »Millennium Educational Reform Act« beschlossen, nach dem pro Jahr willkürlich eine Schulklasse eingezogen wird, deren Mitglieder sich in drei Tagen auf einer isolierten Insel gegenseitig abschlachten müssen. Das dystopische Szenario von Kinji Fukusaku ist zwar umstritten, war aber um die Jahrtausendwende ein Kultfilm.
7.4., 22.45 Uhr, CineStar

Cinderella
Hollywoodstar Mary Pickford würde am 8. April 125 Jahre alt werden. Hier gibt die damals 22-Jährige mit mädchenhafter Eleganz die Haupt- und Titelrolle dieser Literaturverfilmung des von Charles Perrault verfassten Märchens. – Kinoorgel live
8.4., 18 Uhr, Grassi-Museum Leipzig

Die Zeit der Ersten (3D)
Russisches Kino im Origanl und in 3D: Während des Kalten Krieges erschließen die UdSSR und die USA gleichermaßen das Weltall. Ein Wettrennen zwischen den Staatsmächten beginnt, das sich auf die Mission der Weltraumpiloten Pawel und Aleksej auswirkt.
9.4., 17.30 Uhr, Cineplex (OF)

Nothing to hide
Der Dokumentarfilm hinterfragt die wachsende passive Akzeptanz eines massiven unternehmerischen und staatlichen Eingreifens in unsere Privatsphäre und Rechte. – in Anwesenheit der der Regisseure Marc Meillassoux und Mihaela Gladovic
9.4., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Wo Worte nicht hinreichen? Roots, Folk und Weltmusik in Rudolstadt
Seit 25 Jahren strömen in die sonst leeren Gassen Rudolstadts für vier Sommertage 100.000 Besucher und mehr als 1.000 Künstler, um das größte Weltmusik-Festival Europas zu erleben. – Film und Gesprächsrunde mit Regisseurin Josephine Links und Ex-Festivaldirektor Ulrich Doberenz
9.4., 20 Uhr, Nato

Harold und Maude
Ein exzentrischer Junge freundet sich mit einer nicht weniger skurrilen Achtzigjährigen an und findet so zu einem neuen Blick auf das Leben. Tiefschwarze, wunderbar warmherzige Kult-Komödie des »New Hollywood« mit der Musik von Cat Stevens. – 20 Jahre Kinobar
10.4., 19 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Herr Wichmann von der CDU
Andreas Dresens Dokumentation des Wahlkampfs eines jungen CDU-Kandidaten in der brandenburgischen Provinz. Die Unermüdlichkeit des Protagonisten wirkt rührend, in Gesprächen mit Bürgern greift er aber auch schon mal primitivste Stammtischparolen auf.
10.4., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

Der Ilses Erika Film Film
»Nicht nur Vodka, Krieg und Kartoffel« – ein Abend der kurzen Dokumentarfilme aus der Ukraine, Russland und Belarus
12.4., 20 Uhr, Ilses Erika

Hillsborough
Ein eindringlicher und tief bewegender Bericht des schlimmsten Fußballunglücks Großbritanniens am 15. April 1989. Eine detailgetreue Rekonstruktion der Tragödie, erzählt von jenen, die persönlich betroffen und beteiligt waren.
12.4., 19 Uhr, Kinobar Prager Frühling (OF)

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