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»Zuerst die Wissenschaft«

Für Fakten, gegen das Faken: Der »March for Science« ist eine Demo für Wissenschaft

Maximilian Steinhaus, Foto: Henry W. Laurisch Größeres Bild

Am 22. April gehen die Wissenschaftler auf die Barrikaden: Weltweit demonstrieren an diesem Tag Menschen dafür, dass per wissenschaftlicher Methode generierte Fakten als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind. Der kreuzer sprach mit Maximilian Steinhaus, der Mitglied im Organisationskomitee des »March for Science« in Leipzig ist.

kreuzer: Wie kam es zur Idee, zu einem weltweiten »Science March« aufzurufen, und wie wird der Protest organisiert?

MAXIMILIAN STEINHAUS: In den USA sorgt die Trump-Administration mit ihrer wissenschaftsfeindlichen Haltung für Kritik. Dort entstand die Idee für den »March for Science« in Washington, D.C. Die Menschen zeigen am 22. April ihre Unterstützung für freie Wissenschaft und faktenbasierte Politik. Unglaublich schnell entwickelte sich daraus eine Graswurzelbewegung, die in über 390 Städten weltweit ähnliche Demos organisiert. Der »March for Science« wird von namhaften Institutionen unterstützt, ist aber unabhängig. Gerade Nicht-Wissenschaftler sind aufgerufen teilzunehmen.

kreuzer: Welche konkreten Forderungen sind mit der Demonstration verbunden?

STEINHAUS: An die Gesellschaft senden wir das Signal, dass Wissenschaft die Unterstützung aller braucht. Von der Politik fordern wir evidenzbasierte Entscheidungen. Zuerst steht die wissenschaftliche Erkenntnis, dann die politische Agenda – nicht umgekehrt. International erklären wir unsere Solidarität mit bedrängten Wissenschaftlern, zum Beispiel in der Türkei. Wir fordern auch freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur. Forschung wird aus öffentlicher Hand bezahlt, aber die Ergebnisse werden derzeit in teuren Fachzeitschriften verkauft.

kreuzer: Warum haben so viele Menschen das Vertrauen in wissenschaftliche Fakten verloren?

STEINHAUS: Das hat mehrere Gründe: Wissenschaft diskutiert immer wieder Theorien. Manche Themen werden von den Menschen überproportional wahrgenommen. Man denke an die häufig wechselnden Ernährungsempfehlungen. Das hinterlässt den Eindruck, man könne sich auf Wissenschaft generell nicht mehr verlassen. Zudem unterliegen Menschen dem »confirmation bias«: Sie lassen nur Fakten gelten, die ihre eigenen Ansichten bestätigen. Und nicht zuletzt instrumentalisieren Lobbygruppen wissenschaftliche Zwischenergebnisse für ihre Zwecke oder produzieren sogar eigene Ergebnisse. Das Internet macht es einfacher, falsche Ansichten zu verbreiten. Dies führt zur Verunsicherung, und so flüchten sich manche in tradierte oder unwissenschaftliche Überzeugungen.

»March for Science«: 22.4., 13 Uhr, Beginn der Route am Naturkundemuseum

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