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Hiphop means love

Festivaltagebuch vom splash

Foto: Henry W. Laurisch Größeres Bild

Das splash feierte die 20. Ausgabe. Ein Hiphop-Festival wie Rummelplatz und Teenie-Geburtstag. Ein persönlicher Rückblick auf ein Wochenende voller Sonne, Käsespätzle und Haftbefehl.

Wetterchen

Ich sitze im Waschsalon und tippe. 4,20 Euro die kleine Maschine, Maschine Nummer drei. Unsere eigene Waschmaschine ist kaputt, die müffelnden Festivalsachen juckt das weniger als mich. Also, Waschsalon, here we go. Es regnet. Wetterchen, damit steht und fällt die Laune.

Gedanklich schweife ich ab zum splash-Wochenende: Sonne, Sonne, mehr Sonne, laues Lüftchen, kleine Wolke, dünnes Wolkengewaber, kurze Husche, trocken und alles in allem recht perfekt. So war das. In Anbetracht des starken Regens, den es dann am Montag über dem Gelände gab, bin ich ultra dankbar für den leichten Sonnenbrand und die vergossenen Schweißperlen am letzten Wochenende.

Rückblick Rummelplatz

Da sind wir also, beim splash Festival. Das Line-up so spektakulär wie ein 20. Geburtstag, nicht wie ein 20-jähriges Jubiläum, dennoch viel, was ich mir ansehen möchte: SXTN, KKS (King Kool Savas), Kollegah, K.I.Z., Audio88 & Yassin, Sido. Ich fühlte mich ein bisschen jünger als sonst, aufgeregt, irgendwie in Snapchat-Laune. Als ginge man auf den Rummel, zur Kleinmesse, wo es auch staubig, laut, bunt und manchmal ein bisschen zu voll ist.

»Der nächste Bus kommt glei, heul nicht so rum«

Das Festival ist ausverkauft, samt VIP-Bereich. 25.000 Menschen mit Zelt, Festivalbändchen und meist einer Stiege Bier im Kofferraum. Maximale Auslastung, maximale Erfolge. Lange Schlangen an Ein- und Ausgängen, volle Busse, volles Publikum. Als jung und kaufstark würde ich Letzteres bezeichnen – beim Melt wird nur etwa die Hälfte an Merch umgesetzt, die Hiphop-Girls und -Boys sind, was das Shopping angeht, also sehr erreichbar. Ab Tag zwei sieht man viele Fans in splash-Merch-Montur oder passenden Band-Shirts herumlaufen, ein Bier oder einen Smoothie in der einen, das iPhone in der anderen Hand, obligatorisch (und sonnen-intensitätsmäßig doch recht sinnvoll) ein Cap auf dem Kopf. Umgeben sind wir von riesigen Kränen, beeindruckend-schön und das ist nicht nur den eingeladenen Bloggern und Influencern ein Foto wert.

Gegen 19 Uhr kommen die Massen vom Campingplatz an, die Auftritte der Headliner des Festivals sind greifbar nah. Es wird also voll, voller, am vollsten.

»Das intelligente gute Gewissen Deutschlands«

K.I.Z. sind die Ersten, die ein Meer an Händen, Armen, Füßen und Köpfen hochkochen lassen. Sie betiteln das splash-Publikum (leicht ironisch) als »das intelligente gute Gewissen Deutschlands«, etwas später beenden sie die Show mit einem Begräbnis ihrer selbst und einem Trauerzug durchs Publikum. Marteria bleibt im gleichen Duktus haften, er schreit: »Du bist mein Himmel, splash!« – Halleluja. Das wiederum ist der Einmarschsong von Audio88 und Yassin, die auf der gleichen Bühne wie Kollegah spielen (müssen). Kollegah und Sido berappen eins aufs andere wieder, was im Hiphop-Game los ist (»Denn das ist Hiphop, Motherfucker, so sind wir«). KKS und Sido veröffentlichen noch im September eine gemeinsame Platte, das ist mir neu, gut zu wissen. Zu Sido kommt noch Hafti als Special-Überraschung auf die Bühne, 10.000 Hände nach oben, mindestens. Ich bin schlecht im Abschätzen. Haftbefehl wird immer dann aufgelegt, wenn die Mainstage den letzten Hauptact verabschiedet hat oder man beim Zeltplatz an einem Pavillon mit Boxen vorbeistolpert. 069. Hafti is everywhere, jetzt sogar live und in Farbe auf der Bühne – verrückt.

Sonstige Vorkommnisse

Unter bemerkenswert notiere ich mir noch Haiyti, $uicideboy$, Rae Sremmurd, Nas und MacMiller halt auch irgendwie, wegen dem internationalen Flair, entweder im Namen oder wegen des Acts itself. Bemerkenswert finde ich auch, dass die Gastro im Line-up auf der Website auftaucht. Ganz sweet, so dachte ich erst: Der heiße Hobel? Who’s that? Dabei ging es um Käsespätzle. Auch gut. Ess ich schon gerne.

Schlusswort

All in all mochte ich den Rummel, das Rummelplatzgeschäftige, das klitschfettige Essen, die Graffitikunst im Vorbeigehen, den K.I.Z.-Friedhof, das Menschenmeer an der Mainstage und das kleine Menschenmeer an der Magstage oder dem Backyard. Die große 20-Jahres-Überraschung blieb irgendwie aus, dafür gab es viele Features (SXTN bei KKS, Audio88 und Yassin bei K.I.Z., Hafti und Estikay bei Sido …), die mich glücklich stimmten.

Um es mit Yassins Worten, die ich so oder so ähnlich nach dem sonntag-vorabendlichen Konzert und einem bargeldlos erstandenen Weißwein in der Hand eintippe, zum Abschluss zu bringen: Da gibt es diese Dankbarkeit für Hiphop als letzte kulturelle und musikalische Bastion des Ausdrucks auf Deutsch, die auf dem splash immer in der zweiten, dritten Reihe mitfeiert. Und das ist echt gut.

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