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Paella und Bratwurst

Caracan ist eine improvisierte Bar an der Neuen Linie

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Der Fahrradweg zum Cossi ist derzeit stark befahren. Wem es auf dem Hin- oder Rückweg nach einem Bier und einem kleinen Snack gelüstet, der kann nun direkt am Sportplatz der LVB anhalten – auch wenn es dort noch ein bisschen nach Baustelle aussieht.

Bevor sich eine deutsche Sportler-Klause in eine spanische Tapas-Bar verwandelt, möchte man meinen, wird Sepp Blatter vom Papst heiliggesprochen. Davon waren auch Tobias Meyhöfer und seine spanischen Freunde Coque Mateos und Raúl del Pozo überzeugt. Eigentlich suchten die drei, die im echten Leben als Gründer-Coach, Ladenbetreiber und Lebenskünstler nicht an Unterforderung leiden, einen Ort, an dem man gemeinsam kochen, chillen und feiern kann. Gern auch in Familie.

Ein Name war rasch gefunden: Caracan bedeutet auf Deutsch so viel wie »Hundegesicht«, aber auch »heimlich futtern«. Zudem entstammt der Name der Mailadresse eines tragisch verstorbenen Freundes, Miguel, der es liebte, gut zu kochen und Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zusammenzubringen. An dieser Stelle kommt Tobias Froeb, Vereinsgeschäftsführer der SG LVB Leipzig ins Spiel, der dem Trio die Übernahme des Vereinslokals an der Neuen Linie schmackhaft machen wollte. Die Tinte unterm Pachtvertrag war kaum trocken, als das Vereinshaus im Auwald letzten Dezember in Flammen aufging. Brandstiftung. Nach dem ersten Schock war allen Beteiligten klar: Wir ziehen die Sache durch – jetzt erst recht!

Ein halbes Jahr und ungezählte Liter Schweiß später hat sich der provisorische Biergarten-Unterstand zwischen Beachvolleyballnetz und Fußballplatz in eine mediterrane Strandkneipe verwandelt: Raúl zaubert am Grill, das Programm variiert zwischen Tortillas, Chorizo mit gegrilltem Paprika und »animierter« teutonischer Bratwurst. Auf der Plancha schmurgeln Gambas, kleine Tintenfische und Zucchinischeiben in feinen Marinaden. Tapas gibt es ab 2 Euro, Hauptgerichte wie Tapas-Teller oder eine Paella ab 6 Euro und gegen den Durst das Standardprogramm: Bionade, Bier (0,4 Liter vom Fass 2,40 Euro), Wein, Longdrinks und Cocktails.

Speisekarte? Ach was: Man zeigt, worauf man Appetit hat. Der Charme des Improvisierten lässt an alle Sommerurlaube auf einmal denken und malt den Gästen ein Lächeln ins Gesicht. Wobei Raúl del Pozo als gelernter Schauspieler weiß: »Improvisation ist nicht Chaos, sondern Ordnung auf höherem Level.« Die beiden LVB-Platzwarte, denen noch für jedes technische Problem eine Lösung einfällt, knabbern genüsslich Zucchini-Spießchen mit Lachs und Garnelen, Coque Mateos’ Spezialität. Zwischen Shahin, dem Tennis-Crack aus dem Iran, und zwei Rentnern, die sich am frühen Feierabend-Bier laben, stürmen die Steppkes vom Kindersommercamp der LVB heran: Gourmet-Kost statt Stullen, geht doch! Das Caracan, an der Einflugschneise zum Cossi gelegen, zieht Kreise. Inzwischen kommen auch Freunde von Freunden. Ein Jazz-Konzert, unplugged, ein Fußballspiel: Leipzigs Europäer gegen Leipzigs Südamerikaner. Unter dem Pflaster liegt der Strand: Verrückt, wie bunt die Stadt sein kann.

Caracan, Neue Linie 20, bis Oktober: Mo–Fr ab 17, Sa/So ab 12 Uhr, http://www.caracan.de

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